Der Drohnenhersteller STARK erweitert seine Fähigkeiten in der Elektronischen Kampfführung durch die Übernahme des 2024 gegründeten Berliner Unternehmens Raydiant RF. Die Technologie soll in bestehende unbemannte Systeme und die Missionsführungssoftware Minerva einfließen.
Das Berliner Verteidigungsunternehmen STARK hat das ebenfalls in Berlin ansässige Start-up Raydiant RF übernommen. Das teilte das Unternehmen am 4. September 2026 mit. Ziel der Übernahme ist der Ausbau der eigenen Kompetenzen im Bereich der Elektronischen Kampfführung (EK), also im Umgang mit dem elektromagnetischen Spektrum als militärischer Wirkungsdimension. Angaben zum Kaufpreis machte STARK nicht. Raydiant RF war nach Branchenangaben abgesehen von Preisgeldern eigenfinanziert und befand sich im Besitz des Gründers Luca Steinweg.
Aufbau auf dem System R-Zero
STARK hatte bereits zuvor ein eigenes EK-System mit der Bezeichnung R-Zero entwickelt, das unbemannten Plattformen die Aufklärung und Lokalisierung gegnerischer Sender und Radaranlagen ermöglicht. Beide Unternehmen hatten an diesem System gemeinsam gearbeitet. Mit der Übernahme weitet STARK das Portfolio nach eigenen Angaben auf angrenzende Fähigkeitsbereiche aus, darunter Antennendesign, analoge Elektronik und Software Defined Radios.
STARK-Technikvorstand Johannes Schaback verweist darauf, dass die Einsatzfähigkeit unbemannter Systeme zunehmend von Kommunikation, Aufklärung und der Behauptung im umkämpften Frequenzspektrum abhänge. Raydiant-Gründer Steinweg begründet den Schritt mit der Möglichkeit, die eigene Technologie über etablierte STARK-Systeme zu skalieren.
Gerichtete Funkverbindung statt breiter Abstrahlung
Der technische Kern der übernommenen Entwicklung ist ein kompaktes, nachrüstbares Richtantennensystem. Statt Sendeenergie breit im Gefechtsraum abzustrahlen, bündelt die Hardware das Funksignal auf den vorgesehenen Empfänger. Dadurch verringert sich die elektromagnetische Signatur, was das Erfassen, Orten und Stören der Verbindung erschwert. Ergänzend sollen Algorithmen auf Edge-Ebene das elektromagnetische Umfeld analysieren und auf Störer reagieren.
Der Ansatz adressiert ein bekanntes Problem im Ukrainekrieg. Funkgesteuerte Drohnen sind in stark gestörten Frontabschnitten nur eingeschränkt einsetzbar; als Reaktion setzen beide Seiten verstärkt auf glasfasergesteuerte FPV-Drohnen, die keine Funkfrequenzen nutzen und deshalb weder gestört noch über Funkdetektion geortet werden können. Parallel richtet sich die russische EK auch gegen satellitengestützte Verbindungen, wobei die Ukraine an Drohnen arbeitet, die statt Starlink auf Glasfaser, Funkrelais oder autonome Navigation zurückgreifen.
Integration in Minerva
Die Technologie von Raydiant RF soll in die Missionsführungssoftware Minerva integriert werden. Damit will STARK den elektromagnetischen Gefechtsraum für unbemannte Systeme in der Luft, an Land und auf See darstellbar machen. Steinweg wechselt als Head of Communications/Electronic Warfare zu STARK und leitet dort eine neu geschaffene Einheit. Das vierköpfige Ingenieurteam von Raydiant RF wird übernommen.
Einordnung
Bereits im Januar 2026 hatte STARK in Stockholm einen auf Elektronische Kampfführung spezialisierten Standort eröffnet, der auf der schwedischen Expertise in Hochfrequenztechnik und sicherer Kommunikation aufbauen soll. Das Unternehmen unterhält Standorte in Deutschland, der Ukraine, Großbritannien, Schweden und Griechenland.
STARK wurde 2024 gegründet und ist vor allem durch die Loitering Munition Virtus bekannt. Im Februar 2026 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Beschaffung von Loitering Munition der Hersteller STARK und Helsing; für die erste Tranche waren rund 540 Millionen Euro vorgesehen, der Beschaffungsrahmen wurde zunächst auf zwei Milliarden Euro begrenzt. Im Juni 2026 nahm das Unternehmen 500 Millionen Euro in einer von Sequoia Capital und Founders Fund angeführten Runde auf und wurde dabei mit 3,2 Milliarden Euro bewertet; beteiligt waren unter anderem der NATO Innovation Fund und Project A.
