Der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg liefert nach einer Erstbestellung im Sommer 2025 erneut Joint Strike Missiles an Deutschland. Der Folgevertrag hat einen Wert von rund 3,5 Milliarden norwegischen Kronen (etwa 310 Millionen Euro).
Die Kongsberg Gruppen ASA hat am 18. Mai 2026 einen weiteren Vertrag über die Lieferung von Joint Strike Missiles (JSM) an die Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, hat der Auftrag einen Wert von rund 3,5 Milliarden norwegischen Kronen. Die Beschaffung läuft erneut als Regierungsgeschäft zwischen Norwegen und Deutschland, wobei die norwegische Beschaffungsbehörde NDMA (Defence Material Agency) als Vertragspartner fungiert.

Aufbau eines Munitionsvorrats für die F-35
Mit dem neuen Vertrag baut die Bundeswehr ihren Bestand an Marschflugkörpern für die F-35A weiter aus. Deutschland hatte sich im Juni 2025 als fünfter Staat – nach Norwegen, Japan, Australien und den USA – für den JSM entschieden. Der damalige Erstvertrag hatte ein Volumen von rund 6,5 Milliarden Kronen (etwa 645 Millionen US-Dollar). Nach Angaben von Kongsberg-Manager Øyvind Kolset, der die Sparte Flugkörper und Luftfahrtstrukturen verantwortet, zeigt der Folgeauftrag die Bedeutung des JSM für die F-35; Deutschland beginne nun mit dem Aufbau seiner Einsatzbestände.
Bereits Ende 2025 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages den Kauf weiterer Marschflugkörper für die F-35 gebilligt. Die Aufstockung soll auch dazu beitragen, die NATO-Vorgaben zur Munitionsbevorratung zu erfüllen.
Technische Eigenschaften des JSM
Der Joint Strike Missile ist ein luftgestützter Marschflugkörper, der vom norwegischen Naval Strike Missile (NSM) abgeleitet wurde. Er kann sowohl Ziele auf See als auch an Land bekämpfen und ist nach Herstellerangaben der bislang einzige weitreichende Marschflugkörper dieser Art, der intern im Waffenschacht der F-35A transportiert werden kann – ohne die Tarnkappeneigenschaften des Kampfflugzeugs einzuschränken. Die Reichweite liegt bei rund 275 bis 350 Kilometern, das Startgewicht beträgt etwa 416 Kilogramm. Der Flugkörper nutzt eine bildgebende Infrarotsuche und automatische Zielerkennung.
Die Bundeswehr beschafft 35 F-35A als Nachfolger für die seit Jahrzehnten genutzten Tornado-Jagdbomber. Die ersten Maschinen werden 2026 in den USA für die Ausbildung stationiert, ab 2027 sollen sie am Luftwaffenstandort Büchel in der Eifel eintreffen. Der Tornado wird bis 2030 ausgemustert. Mit der F-35A sichert Deutschland zugleich seine Beteiligung an der nuklearen Teilhabe der NATO.
Einbettung in das Hansa-Abkommen
Der Vertrag fügt sich in eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit beider Länder ein. Am 14. Februar 2026 hatten die Verteidigungsminister Tore O. Sandvik und Boris Pistorius am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz das sogenannte Hansa-Abkommen unterzeichnet. Es legt einen Rahmen für die bilaterale Verteidigungskooperation in fünf Schwerpunktbereichen fest, darunter Marineoperationen im Nordatlantik, Landstreitkräfte, Weltraumfähigkeiten, Rüstungsindustrie und U-Boot-Kooperation.
Norwegen war im vergangenen Jahr nach der Ukraine der zweitgrößte Importeur deutscher Rüstungsgüter; im Gegenzug bezieht Deutschland zunehmend norwegische Systeme. Zur bestehenden Kooperation gehören neben den JSM unter anderem Gefechtssysteme für die geplanten U-Boote der Klasse 212CD, ferngesteuerte Waffenstationen sowie die gemeinsame Entwicklung eines neuen Überschall-Seezielflugkörpers (3SM/Tyrfing) mit den Industriepartnern Diehl Defence und MBDA.
Weitere Industrieprojekte
Kongsberg arbeitet darüber hinaus mit dem deutschen KI-Rüstungsunternehmen Helsing und weiteren Partnern an europäischen Weltraumfähigkeiten. Norwegens Verteidigungsminister Sandvik wertete die JSM-Verträge als ein konkretes Ergebnis der im Hansa-Abkommen vereinbarten strategischen Partnerschaft.
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