Fünf bestellte Raketenartilleriesysteme bei einem Bedarf von bis zu 250. Vier bestellte Flugabwehr-Staffeln, benötigt werden mindestens zwölf. Zwischen dem, was das Deutsche Heer fest bestellt hat, und dem, was es tatsächlich braucht, klafft bei vielen Großvorhaben nach wie vor eine gewaltige Lücke. Und das, obwohl allein die zehn wichtigsten Beschaffungsvorhaben des Heeres mittlerweile ein Auftragsvolumen von rund 26 Milliarden Euro erreicht haben. Der folgende Beitrag betrachtet genau diese zehn Vorhaben im Detail: vom Kampfpanzer Leopard 2 A8 über den Radschützenpanzer Schakal und die Radhaubitze RCH 155 bis zum Leichten Kampfhubschrauber H145M. Im Mittelpunkt stehen die bestellten Stückzahlen, die Lieferzeitpläne und die verbleibenden Lücken. Auf das Muster dahinter geht das Fazit ausführlich ein.
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Leopard 2 A8

Am Anfang steht das Rückgrat der Panzertruppe. Um die 18 an die Ukraine abgegebenen Leopard 2 A6 zu ersetzen und die Panzertruppe vollständig auszustatten, erhält das Heer 123 Leopard 2 A8, die modernste Version des Kampfpanzers. Am 24. Mai 2023 stimmte der Haushaltsausschuss zunächst der Beschaffung von 18 Fahrzeugen für 525,6 Millionen Euro zu. Nur einen Tag später schloss das Beschaffungsamt der Bundeswehr, kurz BAAINBw, mit Krauss-Maffei Wegmann, heute KNDS Deutschland, einen Rahmenvertrag über bis zu 123 Leopard 2 A8. Am 3. Juli 2024 folgte die Zustimmung zur Beschaffung der optional vereinbarten 105 zusätzlichen Kampfpanzer für rund 2,9 Milliarden Euro. Damit stieg das Gesamtvolumen auf rund 3,45 Milliarden Euro.
Am 19. November 2025 rollte in München zwar der erste Leopard 2 A8 im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius aus dem Werk. Bei den in diesem Jahr übergebenen ersten beiden Fahrzeugen handelt es sich jedoch um Nachweismuster, die aktuell die integrierte Nachweisführung durchlaufen, also die Prüfung, ob der Panzer alle vertraglich zugesicherten Leistungen erfüllt. Die Serienauslieferung soll von 2027 bis 2030 erfolgen und damit rund zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Erster Nutzer wird die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 sein. Bei 123 Fahrzeugen dürfte es zudem nicht bleiben: Beim Rollout kündigte Pistorius 75 weitere Leopard 2 A8 an, bei einem Gesamtbedarf von bis zu 1.000 Kampfpanzern.
Puma 2. Los

Von den Kampfpanzern zu den Schützenpanzern. Um die restlichen veralteten Marder abzulösen und die Panzergrenadierverbände vollständig auszustatten, läuft seit 2023 die Beschaffung eines zweiten Loses des SPz Puma. Am 12. Mai 2023 schloss das BAAINBw mit der PSM Projekt System & Management GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall, einen Rahmenvertrag über bis zu 229 Schützenpanzer im modernsten Konfigurationsstand S1 mit einem Gesamtvolumen von rund 4,8 Milliarden Euro. Festbeauftragt wurden zunächst 50 Fahrzeuge für rund 1,5 Milliarden Euro.
Deutlich beschleunigt hat sich das Vorhaben Ende 2025: Am 17. Dezember billigte der Haushaltsausschuss den ersten Änderungsvertrag, der den Rahmenvertrag gut informierten Kreisen zufolge auf 254 Fahrzeuge ausweitet. Gleichzeitig wurden 200 weitere Puma, diesmal im Rüststand S2, für rund 4,2 Milliarden Euro bestellt. Die Auslieferung des zweiten Loses soll Ende dieses Jahres beginnen und bis 2030 abgeschlossen sein. Damit wird das Heer künftig über 600 Schützenpanzer Puma verfügen. Auch das dürfte nicht das Ende sein: Laut Rheinmetall-Chef Armin Papperger arbeitet die Bundeswehr bereits an einem weiteren Los im Wert von rund fünf Milliarden Euro, genug für etwa 200 zusätzliche Fahrzeuge. Der Gesamtbedarf liegt übereinstimmenden Medienberichten zufolge bei über 1.000 Schützenpanzern.
Schakal

Während der Puma ein Kettenfahrzeug ist, setzt das Heer bei seiner neuen Kräftekategorie, den Mittleren Kräften, auf Radfahrzeuge. Genau hier kommt der Schakal ins Spiel. Der Radschützenpanzer auf Basis des GTK Boxer mit dem unbemannten RCT30-Turm soll zusammen mit dem Puma die veralteten Marder ersetzen; ausgestattet werden zwei Panzergrenadierbataillone samt Schul- und Übungsorganisation. Am 15. Oktober 2025 stimmte der Haushaltsausschuss der Beschaffung von 150 Schakal inklusive Logistikpaket für 3,4 Milliarden Euro zu. Kurz darauf beauftragten Deutschland und die Niederlande die ARTEC GmbH über die europäische Rüstungsagentur OCCAR mit der Lieferung von 222 Radschützenpanzern, davon 150 für die Bundeswehr und 72 für die Niederlande. Laut Hartpunkt enthält der Vertrag zudem eine Option auf bis zu 248 weitere Fahrzeuge, davon 200 für Deutschland.
Die Stückzahlen wachsen bereits: Im Juni 2026 genehmigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung weiterer Systeme aus dem Rahmenvertrag, laut Hartpunkt 35 zusätzliche Schakal für knapp 650 Millionen Euro. Anfang August folgte die Beauftragung über die OCCAR, gemeinsam mit 34 weiteren Fahrzeugen für die Niederlande. Damit sind mittlerweile 185 Schakal für das Deutsche Heer bestellt, das Auftragsvolumen liegt bei rund vier Milliarden Euro. Die Auslieferung soll Ende 2027 beginnen und bis 2031 laufen.
Schwerer Waffenträger Infanterie

Es folgt die Jägertruppe. Dort ersetzt der Schwere Waffenträger Infanterie die veralteten Wiesel 1 in den Varianten MK und MELLS. Realisiert wird das Fahrzeug auf Basis des australischen Combat Reconnaissance Vehicle Block II; die Auswahlentscheidung fiel bereits im Februar 2022. Am 20. März 2024 billigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung von 123 Fahrzeugen für 1,943 Milliarden Euro, nur einen Tag später wurde der Government-to-Government-Vertrag unterzeichnet. Vertragspartner ist also die australische Regierung selbst. Hinzu kommen 750 Millionen Euro für einen Integrated-Logistic-Support-Vertrag, der die Einsatzfähigkeit nach der Auslieferung sicherstellen soll. Insgesamt ergeben sich damit rund 2,7 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen.
In der Zielstruktur erhält jedes Jägerbataillon 26 Schwere Waffenträger: je vier in den schweren Zügen der drei Kampfkompanien sowie 14 in der schweren Kompanie. Im Sommer 2025 wurde das erste vollwertige Nachweismuster übergeben, das im Anschluss die integrierte Nachweisführung durchlief. Stand jetzt sind mindestens acht Serienfahrzeuge an die Truppe ausgeliefert, elf weitere sollen bis Jahresende folgen. Die Ausbildung am neuen Waffensystem hat bereits begonnen. Bis 2031 sollen alle 123 Fahrzeuge ausgeliefert sein.
Luchs 2

Von der Kampftruppe zur Aufklärung. Im Rahmen des Vorhabens Spähfahrzeug Neue Generation beschafft die Bundeswehr den Luchs 2 als Ersatz für den Spähwagen Fennek, der 2028 sein Nutzungsdauerende erreicht. Der Luchs 2 basiert auf dem Piranha 6×6 von General Dynamics European Land Systems, kurz GDELS, und wird künftig der Hauptmobilitäts- und Funktionsträger der fahrzeuggebundenen Spähaufklärung sein. Er soll den Anforderungen des gläsernen Gefechtsfelds gerecht werden und genau dort aufklären, wo unbemannte Systeme an ihre Grenzen stoßen: bei schlechtem Wetter, in komplexem Gelände oder wenn physische Präsenz gefragt ist. Bei Autonomie sowie akustischer und thermischer Signatur soll das Fahrzeug neue Maßstäbe setzen.
Am 15. Oktober 2025 gab der Haushaltsausschuss grünes Licht, am 20. Oktober schloss das BAAINBw mit GDELS einen Rahmenvertrag über bis zu 356 Luchs 2 im Wert von 4,6 Milliarden Euro. Festbeauftragt wurden 274 Fahrzeuge für 3,54 Milliarden Euro. Dahinter steht ein ganzes Industriekonsortium: Hensoldt liefert für knapp eine Milliarde Euro die Sensorik samt CERETRON-Missionssystem, Rheinmetall den Turm CT 025 samt Hauptbewaffnung und Simulatoren; die 25-Millimeter-Maschinenkanonen kommen separat von Rheinmetall Italia. Der Zeitplan sieht das Critical Design Review bis Mitte 2027 vor, zwei Referenzsysteme ab Mitte 2028 sowie die Serienauslieferung von 2029 bis 2032 mit jährlich 58 bis 90 Fahrzeugen.
NEMO

Damit zum indirekten Feuer, zunächst in der kurzen Reichweite. Im Rahmen des Vorhabens Zukünftiges System des Indirekten Feuers kurze Reichweite löst die Bundeswehr ihre veralteten M113 Panzermörser ab. Als Nachfolger wurde der 120-Millimeter-Turmmörser NEMO des finnischen Herstellers Patria ausgewählt, der unter Panzerschutz direkt aus dem Fahrzeug heraus feuern kann. Als Trägerplattform dient der Patria 6×6, also jenes Fahrzeug, das als künftiger Transportpanzer der Bundeswehr ohnehin in großer Stückzahl beschafft werden soll. Die Beschaffung läuft entsprechend über das multinationale Programm Common Armoured Vehicle System, kurz CAVS.
Im Januar 2025 gab der Haushaltsausschuss zunächst rund 51 Millionen Euro für drei Prototypen frei, zwei Mörserträger und ein Feuerleitfahrzeug, deren Qualifikation bis Ende 2027 abgeschlossen sein soll. Am 17. Dezember 2025 folgte die Zustimmung zur Serienbeschaffung, tags darauf unterzeichnete das BAAINBw mit Patria einen Rahmenvertrag über bis zu 130 Schwere Mörserträger und 450 Feuerleitfahrzeuge im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro. Festbeauftragt wurden zunächst 69 Mörserträger und 52 Feuerleitfahrzeuge für circa 300 Millionen Euro. Die Serienauslieferung soll ab 2028 erfolgen.
RCH 155

Von der kurzen zur mittleren Reichweite. Hier beschafft das Heer im Rahmen des Vorhabens Zukünftiges System Indirektes Feuer mittlere Reichweite die Radhaubitze RCH 155. Die 155-Millimeter-Haubitze auf Boxer-Fahrgestell soll die Panzerhaubitze 2000 ergänzen und die Unterstützung gepanzerter Kräfte bei beweglich geführten, mechanisierten Operationen gewährleisten. Eingesetzt wird sie in den beiden Divisionsartilleriebataillonen sowie den drei mittleren Brigadeartilleriebataillonen. Besonders ist die multinationale Dimension: Bereits im April 2024 kündigten der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz und der damalige britische Premierminister Rishi Sunak an, die RCH 155 gemeinsam „erwerben, bewerten und optimieren“ zu wollen.
Am 17. Dezember 2025 stimmte der Haushaltsausschuss der Beschaffung zu, wenig später schloss das BAAINBw, wie schon beim Schakal mit der ARTEC GmbH, einen Rahmenvertrag über bis zu 500 Radhaubitzen, aus dem auch andere Nationen abrufen können. Festbeauftragt wurden zunächst 84 Stück samt Ausbildungsmitteln und logistischem Support für rund 1,2 Milliarden Euro; die Auslieferung soll von 2028 bis Ende 2030 erfolgen. Bereits in diesem Jahr könnte kräftig nachbestellt werden: Laut Hartpunkt sollen 2026 weitere 149 Radhaubitzen für mehr als zwei Milliarden Euro geordert werden, um die Vollausstattung der Artillerietruppe zu gewährleisten. Damit ergäben sich insgesamt 229 RCH 155.
MARS 3

Bleibt die große Reichweite und damit das Vorhaben mit der wohl größten Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das Zukünftige System Indirektes Feuer große Reichweite soll die aktuell genutzten Mehrfachraketenwerfer MARS II langfristig ersetzen und gegen alle Zielarten auf Entfernungen von mindestens 300 Kilometern wirken können, sowohl zur direkten Feuerunterstützung der kämpfenden Truppe als auch zum Kampf mit Feuer. Bewaffnet werden kann es mit verschiedenen Raketen- und Flugkörpertypen. Die Wahl fiel auf den EuroPULS, die europäisierte Variante des israelischen Raketenwerfers PULS, die Elbit Systems gemeinsam mit KNDS Deutschland anbietet und die bei der Bundeswehr als MARS 3 bezeichnet wird.
Am 18. Dezember 2024 genehmigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung von fünf Systemen für 65,3 Millionen Euro, im Februar 2025 folgte der Auftrag an Elbit. Die Auslieferung soll 2027 erfolgen und damit rund zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Damit zur eingangs erwähnten Lücke: Fünf bestellten Werfern steht ein Bedarf von 150 bis 250 Systemen gegenüber. Bei nur wenigen Vorhaben des Heeres klaffen Bestellung und Bedarf derart weit auseinander.
LVS NNbS

Vom Wirken zum Schützen. Seit der Außerdienststellung der Systeme Gepard und Roland klafft beim Schutz der Bodentruppen gegen Bedrohungen aus der Luft eine erhebliche Fähigkeitslücke. Schließen soll sie das Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz, kurz LVS NNbS. Das Vorhaben besteht aus drei Teilen: gemischten Feuereinheiten für den Nah- und Nächstbereich, Feuereinheiten für den Nahbereich sowie Modulen für Counter Rocket, Artillery and Mortar, also die Abwehr anfliegender Raketen-, Artillerie- und Mörsergeschosse. Das Ziel ist ambitioniert: Acht Brigaden, die Divisionstruppen von drei Divisionen und ein Flugplatz sollen gleichzeitig geschützt werden können, nahtlos eingebunden in die integrierte NATO-Luftverteidigung. Dafür werden zwölf Systeme benötigt; durch die Neuaufstellung der Panzerbrigade 45 dürfte der Bedarf mittlerweile bei 13 liegen, angesichts der neuen NATO-Fähigkeitsziele mit weiter steigender Tendenz.
Entwickelt wird das LVS NNbS von einer bereits 2021 gegründeten Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall Electronics, Diehl Defence und Hensoldt Sensors. Im Januar 2024 gab der Haushaltsausschuss 1,23 Milliarden Euro für die Entwicklung frei, davon entfallen 607 Millionen Euro auf Rheinmetall, 339 Millionen auf Diehl und 284 Millionen auf Hensoldt. Die Prototypen sollen 2027 qualifiziert werden, die Serienproduktion soll ab 2028 anlaufen. Bestellt sind bislang allerdings erst vier Staffeln.
H145M LKH

Zuletzt geht es in die Lüfte. Mit dem H145M LKH, dem Leichten Kampfhubschrauber, beschafft die Bundeswehr eine Brückenlösung für die Ablösung des Kampfhubschraubers Tiger. Darüber hinaus ersetzen die Maschinen die veralteten Schulungshubschrauber vom Typ EC 135 und ergänzen die H145M LUH SOF des Hubschraubergeschwaders 64. Am 13. Dezember 2023 stimmte der Haushaltsausschuss der Beschaffung von 62 Maschinen für rund 2,63 Milliarden Euro zu, inklusive Munition für die Ausbildung, Ersatzteilen, Verlegepaketen, Simulatoren und Erstausbildung. Das BAAINBw schloss mit Airbus Helicopters einen Rahmenvertrag über bis zu 82 Hubschrauber.
Es folgte das wohl reibungsloseste Vorhaben dieser Liste: Bereits im November 2024, keine zwölf Monate nach Vertragsschluss, stellte Generalleutnant Alfons Mais den ersten H145M LKH im Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg in Dienst. Am 12. November 2025 billigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung der restlichen 20 Maschinen samt Rüstsätzen für rund 1,1 Milliarden Euro, die zwischen 2027 und 2029 ausgeliefert werden sollen. Im Juni 2026 erhielt die Luftwaffe ihre ersten beiden Maschinen in der Rolle SOF. Unterm Strich beschafft die Bundeswehr damit 82 H145M LKH für rund 3,73 Milliarden Euro, 72 für das Heer und zehn für die Luftwaffe. Die Auslieferung soll bis 2029 abgeschlossen sein.
Fazit
Was bedeutet das alles unterm Strich? Zunächst die nackte Bilanz: Allein über diese zehn Vorhaben hat die Bundeswehr für ihr Heer rund 1.250 Fahrzeuge, Systeme und Hubschrauber fest bestellt, im Gesamtwert von rund 26 Milliarden Euro. Dazu zählen 123 Leopard 2 A8, 250 Schützenpanzer Puma, 185 Radschützenpanzer Schakal, 123 Schwere Waffenträger Infanterie, 274 Spähfahrzeuge Luchs 2, 69 Mörserträger NEMO samt 52 Feuerleitfahrzeugen, 84 Radhaubitzen RCH 155, fünf Raketenwerfer MARS 3, vier Staffeln des LVS NNbS und 82 Leichte Kampfhubschrauber H145M.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Dynamik der vergangenen Monate. Was jahrelang geplant, geprüft und verschoben wurde, kam binnen weniger Wochen unter Vertrag: Allein zwischen Oktober und Dezember 2025 fielen die Entscheidungen zu Schakal und Luchs 2, der Abruf von 200 weiteren Puma, die Serienbeschaffung des NEMO, der Rahmenvertrag zur RCH 155 und das zweite Los H145M, zusammengenommen Bestellungen im Wert von über 13 Milliarden Euro. Auffällig ist auch die durchgängig multinationale Dimension: Der Schakal wird gemeinsam mit den Niederlanden beschafft, die RCH 155 zusammen mit Großbritannien, der Schwere Waffenträger kommt über einen Regierungsvertrag aus Australien, und NEMO wie der künftige Transportpanzer laufen über das multinationale CAVS-Programm. Das senkt Stückkosten und verbessert die Interoperabilität.
Damit zur anderen Seite der Medaille, dem eingangs erwähnten Muster. Denn bei fast allen Vorhaben klafft zwischen Bestellung und Bedarf eine erhebliche Lücke: 123 bestellten Leopard 2 A8 steht ein Gesamtbedarf von bis zu 1.000 Kampfpanzern gegenüber. Beim Puma sind es künftig 600 von über 1.000 benötigten Schützenpanzern, beim Schakal 185 von 350, beim Luchs 2 274 von 356, beim NEMO 69 von 130 Mörserträgern, bei der RCH 155 84 von 229 Radhaubitzen. Am deutlichsten ist das Missverhältnis beim MARS 3 mit fünf bestellten Werfern bei einem Bedarf von bis zu 250 sowie beim LVS NNbS mit vier von mindestens zwölf benötigten Staffeln. Ausgerechnet in den Bereichen Indirekte Wirkung und Flugabwehr, deren Bedeutung der Ukraine-Krieg Tag für Tag vor Augen führt, ist die Lücke also am größten.
Hinzu kommt der Faktor Zeit. Leopard 2 A8, Puma, Schwerer Waffenträger und MARS 3 sind allesamt um ein bis zwei Jahre verzögert, und der große Materialstrom setzt erst spät ein: Schakal ab Ende 2027, NEMO und RCH 155 ab 2028, Luchs 2 gar erst ab 2029. Die Masse des neuen Materials erreicht die Truppe damit erst zum Ende der Dekade und muss dann noch in die Verbände integriert, beübt und mit ausgebildetem Personal unterlegt werden.
Unterm Strich ergibt sich damit ein gemischtes, aber deutlich freundlicheres Bild als noch vor zwei Jahren: Die wichtigsten Vorhaben des Heeres sind keine Absichtserklärungen mehr, sondern unterschriebene Verträge mit konkreten Stückzahlen und Lieferplänen. Bleibt zu hoffen, dass die Dynamik des Jahres 2025 kein Strohfeuer war. Denn bestellt ist noch lange nicht geliefert, und geliefert noch lange nicht einsatzbereit.
