Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat bei Rheinmetall Electronics einen weiteren Großabruf aus dem bestehenden Rahmenvertrag für das Soldatensystem „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) getätigt. Der Auftrag im Wert von rund 1,04 Milliarden Euro brutto umfasst die Modernisierung vorhandener Systeme sowie die Lieferung zusätzlicher Einheiten.
Der Auftrag im Detail
Der im April 2026 beauftragte Abruf sieht die Lieferung von 237 weiteren Zugsystemen sowie die Modernisierung bereits im Dienst befindlicher Systeme vor. Buchhalterisch wirksam wird der Auftrag im zweiten Quartal 2026. Die Auslieferung der neuen Systeme ist zwischen November 2027 und Dezember 2029 geplant. Der Deutsche Bundestag hat die dafür notwendigen Mittel in Höhe von knapp über 1,3 Milliarden Euro freigegeben, sodass auf Basis dieser parlamentarischen Bewilligung weitere Abrufe aus dem Rahmenvertrag erwartet werden.
Nach Abschluss der Lieferungen wird die Bundeswehr insgesamt über 353 Zugsysteme mit mehr als 12.000 Einzelausstattungen verfügen. Weitere rund 8.600 Soldatinnen und Soldaten erhalten damit erstmals die IdZ-ES-Ausstattung.

Was ein Zugsystem umfasst
Ein Zugsystem dient der Ausrüstung einer militärischen Teileinheit und besteht aus überwiegend 35 individuellen Soldatensystemen sowie einer Reihe von Peripheriekomponenten – darunter erweiterte IT-Ausstattung, Optiken und Optroniken sowie Bekleidungs-, Schutz- und Trageausstattung. Rheinmetall übernimmt als Generalunternehmer die Systemverantwortung und koordiniert dabei die Leistungen von mehr als 30 Unterauftragnehmern.
Hintergrund: Rahmenvertrag aus dem Jahr 2025
Bereits am 6. Februar 2025 hatte das BAAINBw mit der Rheinmetall Electronics GmbH einen Rahmenvertrag zur Nachbeschaffung von IdZ-ES-Systemen mit einem maximalen Volumen von 3,1 Milliarden Euro brutto und einer Laufzeit bis Ende 2030 geschlossen. Der Vertrag galt zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung sowohl für Rheinmetall als auch das BAAINBw als der bislang größte Vertrag zur Beschaffung von Soldatensystemen. Er umfasste initial eine Festbeauftragung für die Modernisierung von 68 bestehenden Systemen sowie die Neubeschaffung von 24 Zugsystemen im Wert von rund 417 Millionen Euro brutto.
Neue Fähigkeiten im aktualisierten Konstruktionsstand
Mit der neuen Ausbaustufe „VJTF+“ erhält die Truppe unter anderem tragbare Drohnenwarnsysteme vom Typ Wingman 105, die akustisch und visuell im Battle-Management-System vor funkgesteuerten Drohnen in der Umgebung warnen. Darüber hinaus verbessert eine neue Batteriegeneration mit rund 40 Prozent mehr Kapazität die Energieversorgung – künftig müssen Soldatinnen und Soldaten nur noch vier statt sechs Akkus mitführen. Neu ist zudem die Ausrüstung mit einem am Helm befestigten Laserwarnsystem sowie die Möglichkeit, Optronik im System abgesetzt zu nutzen.
Im Zuge der Modernisierung werden technisch veraltete Komponenten ausgetauscht. Zudem wird die Kommunikations- und Datenaustauschfähigkeit mit verschiedenen Fahrzeugplattformen vorbereitet, sodass das Soldatensystem über die Fahrzeugplattform an das Programm „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) angebunden werden kann.
Einordnung: Digitalisierung der Landstreitkräfte
Das IdZ-ES ist ein wesentlicher Baustein des umfassenderen Digitalisierungsvorhabens der Bundeswehr. Mit D-LBO sollen die mobile Kommunikation und Informationsverarbeitung der Landstreitkräfte modernisiert werden – das Ziel ist ein durchgängiges digitales Führungs- und Informationssystem, das Soldatinnen und Soldaten, Fahrzeuge und höhere Führungsebenen in Echtzeit verbindet. Bis Mitte 2030 soll die neue Technologie in mehr als 10.000 Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge der Bundeswehr integriert werden.
Das Soldatensystem IdZ-ES ist dabei das bindegliedliche Element auf der untersten taktischen Ebene: Es besteht aus rund 20 Ausstattungskomponenten in den drei Kernbereichen Führung, Wirkung sowie Schutz und Überleben und ermöglicht den digitalen Informationsaustausch zwischen einzelnen Infanteristen und übergeordneten Führungsebenen oder Fahrzeugplattformen wie dem Schützenpanzer Puma.
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