Das sechste und letzte U-Boot der Dolphin-Familie hat Kiel verlassen und befindet sich auf der Überführungsfahrt nach Israel. Mit der „INS Drakon“ endet ein Beschaffungsprogramm, das über drei Jahrzehnte gelaufen ist.
Abschluss eines langjährigen Programms
Die Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat am 1. September 2026 mitgeteilt, dass das U-Boot „INS Drakon“ den Standort Kiel verlassen hat und sich auf dem Transit nach Israel befindet. Das Boot ist die dritte und letzte Einheit der HDW-Klasse Dolphin mit außenluftunabhängigem Antrieb (AIP). Nach Unternehmensangaben zählt diese Klasse zu den technisch anspruchsvollsten U-Boot-Bauprogrammen des Kieler Herstellers. Mit der Ausfahrt gilt das Programm „Dolphin AIP“ als abgeschlossen.
TKMS-Vorstandsvorsitzender Oliver Burkhard hebt in der Mitteilung hervor, dass das Vorhaben über viele Jahre von enger Zusammenarbeit und geteilter Verantwortung geprägt gewesen sei und dass das Unternehmen komplexe Marineprogramme nicht nur entwickle, sondern auch zum Abschluss bringe. Israel bezeichnet er als wichtigen Partner im maritimen Bereich.
Die offizielle Übergabe des Bootes an die israelische Marine erfolgte bereits früher. Nach Angaben des Fachdienstes ESUT wechselte die „Drakon“ am 22. Juli 2026 auf dem Kieler Werftgelände in die Verantwortung der israelischen Marine, ohne Zeremoniell und ohne öffentliche Ankündigung. Einen Tag später verließ das Boot den Werftliegeplatz unter israelischer Flagge zu weiteren Erprobungsfahrten in der Kieler Bucht. Die nun gemeldete Abfahrt markiert den Beginn der Überführung in den Heimathafen Haifa.
Technische Sonderstellung
Die „Drakon“ ist kein Wiederholungsbau der Schwesterboote „Tanin“ und „Rahav“. Der Bau begann 2012; Israel setzte während der Fertigung eine erhebliche Konfigurationsänderung durch, in deren Folge das Boot einen verlängerten Rumpf, einen deutlich vergrößerten Turm und zusätzliche Innenräume erhielt. Über den verlängerten Turm wird in Fachpublikationen berichtet, dass er ein Vertical Launching System zur Aufnahme von Flugkörpern beherbergen soll. Weder TKMS noch das israelische Verteidigungsministerium äußern sich zur Bewaffnung.
Mit einer Länge von über 70 Metern ist die „Drakon“ das größte in Deutschland gebaute U-Boot seit dem Zweiten Weltkrieg. Der außenluftunabhängige Antrieb erlaubt längere Tauchphasen ohne Aufnahme von Außenluft zur Stromerzeugung, wodurch die Boote über längere Zeiträume verdeckt und in größerer Entfernung von der israelischen Küste operieren können.
Finanzierung und politischer Rahmen
Die deutsch-israelische U-Boot-Kooperation reicht bis in die frühen 1990er Jahre zurück. Insgesamt sechs Boote der Dolphin-Klasse wurden zwischen 1992 und 2021 bei HDW in Kiel gebaut und erprobt, entwickelt aus den deutschen Klassen 209 und 212 A. Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung. Für die „Drakon“ werden die Kosten in Medienberichten mit rund 550 Millionen Euro angegeben, von denen Deutschland etwa 135 Millionen Euro übernimmt. Die zuständige Ausfuhrgenehmigung wurde nach Bundestagsdokumenten erst kürzlich erteilt; das Bundeswirtschaftsministerium verweist bei Nachfragen auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse.
Nachfolgeklasse in der Fertigung
Parallel läuft die Produktion der Dakar-Klasse als nächste U-Boot-Generation für die israelische Marine. Der Vertrag über die drei Boote wurde am 20. Januar 2022 unterzeichnet und umfasst neben der Lieferung auch einen Simulator in Israel, logistische Unterstützung und Ersatzteile. Das Auftragsvolumen liegt bei rund drei Milliarden Euro, wovon die Bundesregierung etwa ein Drittel trägt. Der Baubeginn wurde im November 2024 offiziell begangen, die Auslieferungen sind für den Beginn des kommenden Jahrzehnts vorgesehen. Die neuen Einheiten sollen die ältesten Boote der Dolphin-Klasse ersetzen.
Neben den U-Booten hat TKMS für Israel auch Korvetten der Sa’ar-6-Klasse gebaut. Das Unternehmen bezeichnet die Zusammenarbeit als festen Bestandteil der deutsch-israelischen Verteidigungskooperation.
