Der IT-Dienstleister der Bundeswehr hat auf seinen Industry Days in Berlin die Vergabeplanung für die Jahre 2027 bis 2031 vorgestellt. Das angekündigte Volumen liegt deutlich über dem der vorangegangenen Planungen.
Die BWI GmbH will bis 2031 zusätzliche Aufträge im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro an die Wirtschaft vergeben. Das Unternehmen stellte die entsprechende Vergabe-Roadmap am 1. September 2026 zum Auftakt der BWI Industry Days in Berlin vor. Ausgerichtet wird die zweitägige Konferenz gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT); in diesem Jahr fand sie zum sechsten Mal statt. Nach Unternehmensangaben nahmen rund 900 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Forschung und Militär teil. Inhaltlich standen sicherheitspolitische Entwicklungen, technologische Handlungsfelder, vergaberechtliche Rahmenbedingungen sowie laufende Digitalisierungsvorhaben der Streitkräfte im Mittelpunkt.
Planungsdaten ohne Bindungswirkung
Die BWI befindet sich vollständig im Eigentum des Bundes und unterliegt als öffentlicher Auftraggeber dem europäischen Vergaberecht. Die jährlich veröffentlichte Roadmap benennt geplante Ausschreibungen für einen Zeitraum von fünf Jahren, ausdrücklich in Form unverbindlicher Planungsdaten. Ziel ist nach Darstellung des Unternehmens eine höhere Transparenz gegenüber der Wirtschaft und damit eine bessere Planbarkeit auf Anbieterseite. Die Vorjahresliste umfasste sowohl Großpositionen wie den Bezug von Cisco-Hardware, -Software und zugehörigen Dienstleistungen mit einem Ansatz von 750 Millionen Euro als auch kleinteilige Vorhaben im sechsstelligen Bereich.

Volumen gegenüber den Vorjahren nahezu verdoppelt
Der jetzt genannte Betrag markiert einen deutlichen Sprung. Die Roadmap 2022 bis 2024 wies noch knapp zwei Milliarden Euro aus, die Ausgabe 2023 bis 2028 rund vier Milliarden Euro. Für den Zeitraum 2024 bis 2029 hatte die BWI 6,025 Milliarden Euro angesetzt, für 2025 bis 2030 anschließend 5,451 Milliarden Euro. Mit mehr als zehn Milliarden Euro für 2027 bis 2031 liegt das geplante Volumen damit rund doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Wachstumsziele und Verschiebung zum Fremdbezug
Die Vergabeplanung ist an eine Wachstumsprojektion des Unternehmens gekoppelt. Zum Auftakt der Konferenz erläuterte Geschäftsführer Bernhard Günther, der Umsatz solle von rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf etwa 6,3 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigen. Die Zahl der Beschäftigten soll im selben Zeitraum von etwa 8.000 auf rund 10.000 zunehmen, das Geschäftsvolumen je Mitarbeiter von etwa 300.000 auf rund 600.000 Euro. Günther bezeichnete den erforderlichen Verlauf als nahezu exponentiell und verwies auf die Notwendigkeit interner Modernisierung, stärkerer Automatisierung und eines breiteren Einsatzes künstlicher Intelligenz.
Zugleich soll sich das Verhältnis von Eigenleistung und Fremdvergabe verschieben. Nach Günthers Darstellung lassen sich die geforderten Mengen und Leistungen ohne eine deutliche Verlagerung in Richtung Zukauf nicht abbilden. Rund 75 Prozent des projektierten Umsatzvolumens entfallen nach Schätzung des Unternehmens auf Vergaben an Unterauftragnehmer. Neben einer Ausweitung bereits bezogener Leistungen sollen auch neue Leistungsfelder erschlossen werden. Von Zulieferern erwartet die Geschäftsführung Verlässlichkeit und Ergebnisorientierung; Erfahrungen aus vergangenen Lieferengpässen sollen in die künftige Partnerstrategie einfließen.
Haushaltspolitischer Rahmen
Für 2026 stehen der Bundeswehr insgesamt mehr als 108 Milliarden Euro zur Verfügung, davon 82,69 Milliarden Euro im Einzelplan 14 und 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen. Bis 2029 soll der Verteidigungshaushalt nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung auf rund 152 Milliarden Euro steigen. Für IT-Aufträge und -Dienstleistungen sind im Kapitel 1413 des Verteidigungsetats 2026 rund 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Aus dem Sondervermögen entfallen darüber hinaus etwa 20 Milliarden Euro auf die Digitalisierung, mit der Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) als größtem Einzelvorhaben.
Die BWI wurde 2006 im Rahmen des Modernisierungsprojekts HERKULES gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 8.500 Mitarbeitende. Sie betreibt und entwickelt weite Teile der IT-Systeme des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte.
