Das Luftfahrtamt der Bundeswehr hat die Lufthansa-Technik-Tochter als Ausbildungseinrichtung nach DEMAR 147 genehmigt. Erstmals angewendet wird die Zulassung im Programm P-8A Poseidon der Deutschen Marine.
Die Lufthansa Technical Training GmbH (LTT) darf künftig technisches Personal für die Instandhaltung militärischer Luftfahrzeugmuster qualifizieren. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) übergab die entsprechende Urkunde am 1. September 2026; Oberst Achim Gerhardus, stellvertretender Leiter der für Anerkennung, Genehmigung und Lizenzierung zuständigen Abteilung des Amtes, überreichte sie an LTT-Geschäftsführer Marc Wilken. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter der Lufthansa Technik AG und bislang vor allem in der zivilen Luftfahrtausbildung tätig.
Genehmigungsverfahren mit Organisations- und Lehrgangsaudits
Die Zulassung erwarb LTT im Verlauf des Jahres nach einem Genehmigungsverfahren, das eine vollständige Prüfung der Unternehmensprozesse sowie mehrtägige Organisations- und Lehrgangsaudits umfasste. Genehmigt ist zunächst die theoretische Ausbildung in den Lizenzkategorien B1.1 für Flugzeugsysteme, Struktur und Triebwerke, B2 für Avionik- und Missionssysteme sowie C für die Gesamtfreigabe nach Base-Maintenance-Liegezeiten. Eine Erweiterung der Genehmigung um praktische Ausbildungsanteile ist beantragt und wird nach Unternehmensangaben bis zum Jahresende erwartet.
Hintergrund: DEMAR als militärisches Regelwerk
DEMAR steht für die deutschen militärischen Lufttüchtigkeitsforderungen, die nationale Umsetzung der europäisch harmonisierten European Military Airworthiness Requirements (EMAR). Sie bilden seit 2019 das Standardverfahren für die Zulassung fliegender Waffensysteme der Bundeswehr und lösen das frühere nationale Verfahren schrittweise ab. Zuständige Behörde ist das Luftfahrtamt der Bundeswehr.
Die Genehmigung nach DEMAR 147 ist eine von fünf militärischen Betriebsgenehmigungen unter diesem Regelwerk, neben Entwicklung, Herstellung, Instandhaltung und dem Management der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit. Nur nach DEMAR 147 genehmigte Einrichtungen dürfen die in DEMAR 66 definierten Ausbildungsinhalte vermitteln. Auf Grundlage der dort absolvierten Lehrgänge erteilt das LufABw freigabeberechtigtem Personal die militärische Instandhaltungslizenz MAML. Die Zahl der bislang zugelassenen Ausbildungsbetriebe ist gering.
Erster Anwendungsfall P-8A Poseidon
Im Zuge der Zertifizierung erhielt LTT vom LufABw auch die Musterfreigabe für die P-8A Poseidon. Im Auftrag des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) unterstützt das Unternehmen damit dauerhaft das Industrieteam aus Lufthansa Technik Defense, Boeing und Hensoldt bei der Qualifizierung von Fachpersonal für Wartung und Flugbetrieb des Seefernaufklärers und U-Boot-Jägers.
Die Bundeswehr beschafft acht Maschinen dieses Typs über das US-Verfahren Foreign Military Sales. Der ursprüngliche Auftrag über fünf Flugzeuge wurde 2021 unterzeichnet und nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf acht aufgestockt. Die erste Maschine traf im November 2025 auf dem Fliegerhorst Nordholz beim Marinefliegergeschwader 3 ein, die Auslieferung soll bis 2028 abgeschlossen sein. Die P-8A ersetzt die zuvor genutzte P-3C Orion.
Einordnung durch das Unternehmen
Harald Schween, bei LTT für die Verteidigungsprogramme verantwortlich, führte die Zertifizierung auf die Zusammenarbeit mit Partnern und Behörden zurück und verwies auf die Übertragung bestehender Ausbildungserfahrung auf militärische Anforderungen. Michael von Puttkamer, bei Lufthansa Technik für den Bereich Special Aircraft & Defense zuständig, ordnete den Schritt in das Wachstum des Verteidigungsgeschäfts ein und verband ihn mit der technischen Verfügbarkeit laufender Rüstungsprogramme.
Lufthansa Technik bündelt ihr Verteidigungsgeschäft seit 2023 unter der Marke Lufthansa Technik Defense. Das Unternehmen ist unter anderem an den Programmen PEGASUS und CH-47F Chinook beteiligt und hat mit Lockheed Martin, Rheinmetall und ESG eine Absichtserklärung zur technischen Unterstützung der künftigen deutschen F-35A unterzeichnet. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 23.000 Mitarbeitende.
