Die Hauptversammlung der DEUTZ AG hat der Kapitalerhöhung zugestimmt, mit der der Erwerb des Flensburger Rüstungsherstellers FFG teilfinanziert wird. Der Kölner Motorenbauer baut damit ein Verteidigungsgeschäft als vierte Säule neben Antriebstechnik, Energie und Service auf.
Nahezu einstimmiges Votum
Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. August 2026 haben die Aktionäre der DEUTZ AG einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage zugestimmt. Die Zustimmungsquote lag bei 99,7 Prozent. Über die neuen Aktien wird ein Teil des Kaufpreises für die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH beglichen, deren vollständigen Erwerb DEUTZ am 9. Juli 2026 vereinbart hatte. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion inzwischen freigegeben.
Der Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa eine Milliarde Euro auf einen überwiegend fremdfinanzierten Barteil, rund 0,6 Milliarden Euro werden über neu ausgegebene DEUTZ-Aktien geleistet. Die bisherigen Eigentümerfamilien der FFG werden dadurch mit bis zu 29,9 Prozent am erhöhten Grundkapital zum Ankeraktionär des Konzerns; sie streben nach Vollzug zwei Sitze im Aufsichtsrat an. Gemessen an der Marktkapitalisierung von DEUTZ, die im Juli bei etwa 1,45 Milliarden Euro lag, entspricht der Kaufpreis nahezu dem bisherigen Börsenwert des Käufers.
Vorstandsvorsitzender Sebastian Schulte bezeichnete den Erwerb als Etappe auf dem Weg zu einem breiter aufgestellten Industrieunternehmen mit den Feldern Energie, Mobilität, Verteidigung und Service. Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Voggenreiter verwies darauf, dass es sich um den größten Zukauf der Unternehmensgeschichte handelt, und sagte dem Vorstand die Begleitung bei der Umsetzung zu.

Profil des Übernahmeziels
FFG mit Sitz in Flensburg beschäftigt mehr als 1.100 Mitarbeitende an neun Standorten und entwickelt, produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge. Das Portfolio umfasst Berge- und Pionierpanzer der Reihe WiSENT auf Basis der Leopard-Fahrgestelle, den selbst entwickelten Mannschaftstransporter PMMC G5 sowie Kampfwertsteigerungen für ältere Plattformen. Ein zweites Standbein ist die Instandsetzung, unter anderem für Leopard 2, GTK Boxer und Wiesel. Für die Bundeswehr ist das Unternehmen seit den 1960er Jahren Rahmenvertragspartner in diesem Bereich; zudem betreibt FFG einen Instandsetzungsstützpunkt in der Ukraine.
Zum Kundenkreis zählen Streitkräfte in mehr als 15 Staaten. 2025 erzielte FFG einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro und wuchs seit 2023 nach Unternehmensangaben um etwa 50 Prozent pro Jahr. Der Auftragsbestand liegt bei über 1,9 Milliarden Euro. Für 2027 stellt DEUTZ für die Tochter einen Umsatz von deutlich über einer Milliarde Euro bei einer Marge von mehr als 20 Prozent in Aussicht. Das strategische Konzernziel für 2030, vier Milliarden Euro Umsatz bei zehn Prozent EBIT-Marge, soll dadurch früher erreicht werden.
Einordnung
Der Zukauf setzt eine Reihe von Akquisitionen fort, mit denen DEUTZ die Abhängigkeit vom zyklischen Geschäft mit Verbrennungsmotoren verringern will. 2024 übernahm der Konzern den US-Generatorenhersteller Blue Star Power Systems, im Februar 2026 den niedersächsischen Notstromspezialisten Frerk Aggregatebau. Zu den rund 6.000 Beschäftigten des Konzerns kämen mit dem Closing die Mitarbeitenden der FFG hinzu.
Hintergrund der Bewertung ist die Ausweitung der deutschen Verteidigungsausgaben. Für 2026 sind 82,69 Milliarden Euro im Einzelplan 14 sowie 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr vorgesehen, zusammen 108,2 Milliarden Euro. Bis 2029 strebt die Bundesregierung Ausgaben von rund 152 Milliarden Euro und eine NATO-Quote von 3,5 Prozent an. Auf die militärische Beschaffung entfällt bereits 2026 ein Volumen von knapp 48 Milliarden Euro.
Ob mittelständische Anbieter davon im gleichen Maß profitieren wie die großen Systemhäuser, ist umstritten. FFG selbst hatte sich 2025 in einem Schreiben an den Haushalts- und den Verteidigungsausschuss des Bundestages gegen eine freihändige Vergabe bei der Nachbeschaffung von 23 Bergepanzern gewandt und dabei auf die Marktstellung eines Wettbewerbers verwiesen.
Der Vollzug der Transaktion wird nach Erteilung der noch ausstehenden Freigaben für Ende 2026 bis Anfang 2027 erwartet. Erst danach erfolgt die beschlossene Kapitalerhöhung. FFG soll operativ eigenständig bleiben und den Kern des Verteidigungsgeschäfts von DEUTZ bilden. Die nächste Quartalsmitteilung des Konzerns ist für den 5. November 2026 angekündigt.
