Einsatzgruppenversorger „Berlin“ läuft zum NATO-Einsatz aus

Der größte Schiffstyp der Deutschen Marine läuft am 27. August aus Wilhelmshaven aus. Bis Ende Januar 2027 unterstützt die „Berlin“ den ständigen NATO-Einsatzverband SNMG 1 mit rund 200 Soldatinnen und Soldaten an Bord.
Foto: Bundeswehr/Christoph Kassette

Der größte Schiffstyp der Deutschen Marine läuft am 27. August aus Wilhelmshaven aus. Bis Ende Januar 2027 unterstützt die „Berlin“ den ständigen NATO-Einsatzverband SNMG 1 mit rund 200 Soldatinnen und Soldaten an Bord.

Auslaufen aus Wilhelmshaven

Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ verlässt am Donnerstag, den 27. August 2026, um 12 Uhr seinen Heimathafen Wilhelmshaven. Das Kommando führt Fregattenkapitän Martin Kiesewetter. Ziel der Verlegung ist die Teilnahme an der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1), einem der ständigen maritimen Einsatzverbände der Allianz. Die Zugehörigkeit ist zunächst bis Ende Januar 2027 vorgesehen.

An Bord befinden sich neben der Stammbesatzung Angehörige des Marinefliegergeschwaders 5 aus Nordholz sowie medizinisches Fachpersonal. Insgesamt verlassen etwa 200 Soldatinnen und Soldaten mit dem Schiff den Stützpunkt.

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Kiesewetter verweist auf ein anspruchsvolles Einsatzausbildungsprogramm der vergangenen Monate, das die Besatzung zusammengeführt und auf die bevorstehenden Übungen und Manöver im Verband vorbereitet habe. Für einen Teil der Besatzung sei die Verwendung im multinationalen Verband neu.

Aufgaben im NATO-Verband

Die „Berlin“ übernimmt im Verband mehrere Funktionen. Sie nimmt an operativen Manövern teil und stellt die Versorgung der übrigen Einheiten sicher, insbesondere die Betankung auf See. Beim sogenannten Replenishment at Sea fahren die beteiligten Schiffe parallel, wobei der seitliche Abstand nach Angaben der Marine rund 50 Meter beträgt. Hinzu kommen repräsentative Aufgaben bei Hafenaufenthalten, bei denen die Besatzung Deutschland und die NATO vertritt.

Hintergrund: SNMG 1

Die Standing NATO Maritime Group 1 besteht in wechselnder Zusammensetzung aus Zerstörern und Fregatten mehrerer Mitgliedstaaten, in der Regel ergänzt um ein Versorgungsschiff. Der Verband geht auf das Jahr 1967 zurück und trug bis 2005 die Bezeichnung Standing Naval Force Atlantic. Innerhalb der NATO-Kommandostruktur untersteht er dem Allied Maritime Command (MARCOM) im britischen Northwood.

Der Einsatzraum umfasst Nord- und Ostsee sowie den Nordatlantik bis auf die Höhe der Straße von Gibraltar. Die Einheiten operieren auf hoher See und in nationalen Gewässern der Bündnisstaaten und trainieren dabei die Interoperabilität. Zu den Kernaufgaben zählen die Überwachung strategischer Seewege und der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur.

Die Deutsche Marine stellt regelmäßig Einheiten für den Verband. Im April 2026 übernahm die britische Commodore Maryla Ingham die Führung der SNMG 1 von der spanischen Marine, zunächst mit der deutschen Fregatte „Sachsen“ als Flaggschiff. Die „Sachsen“ beendete ihren Einsatz im Juli 2026.

Der Schiffstyp

Die drei Einheiten der Berlin-Klasse sind mit einer Verdrängung von rund 20.000 Tonnen die größten Schiffe der Marine. Sie sind 174 Meter lang und 24 Meter breit und erreichen mehr als 20 Knoten. Die Klasse umfasst die 2001 in Dienst gestellte „Berlin“, die „Frankfurt am Main“ (2002) und die „Bonn“ (2013).

Die Transportkapazität liegt bei 9.500 Kubikmetern Kraftstoff, rund 230 Tonnen Proviant und etwa 200 Tonnen Munition. Mehr als 1.300 Kubikmeter Frischwasser können an Bord aus Meerwasser nachproduziert werden. Die Übergabe von Versorgungsgütern in Fahrt ist an zwei Schiffe gleichzeitig möglich; zwei Bordkräne mit jeweils mehr als 20 Tonnen Hebefähigkeit erlauben das eigenständige Verladen von Containern.

Ergänzt wird das Fähigkeitsspektrum durch das Rettungszentrum See. Dazu gehören zwei Operationsräume, Labore, eine Zahnstation, eine Apotheke, eine Röntgenanlage sowie 43 Krankenbetten, darunter je zwei Schock- und Intensivbetten. Für Führungsaufgaben steht satellitengestützte Kommunikationstechnik zur Verfügung. Im Hangar vor dem Flugdeck finden zwei Marinehubschrauber Platz, im Fall der „Berlin“ vom Typ Sea Lion.

Die Stammbesatzung umfasst 161 Soldatinnen und Soldaten, hinzu kommen bis zu 72 zusätzliche Kräfte, etwa Sanitätspersonal, Marineflieger oder Boarding-Teams. Zur Eigensicherung verfügen die Schiffe über vier 27-Millimeter-Marineleichtgeschütze, schwere Maschinengewehre und Fliegerfaust-Systeme. Die Aktionsreichweite beträgt nach Angaben der Bundeswehr mehr als 15.000 Kilometer.

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