Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat die Münchner TYTAN Technologies GmbH mit der Lieferung eines Systems zur Abwehr kleiner Drohnen beauftragt. Der Auftrag umfasst sechs Drone Defender und zwei Führungsfahrzeuge und wurde ohne öffentlichen Wettbewerb vergeben.
Auftrag und Lieferumfang
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat einen Vertrag über ein Drohnenabwehrsystem mit der TYTAN Technologies GmbH aus München geschlossen. Das geht aus einer Zuschlagsbekanntmachung hervor, die am 21. Oktober 2026 im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union (ABl. S 204/2026, Nr. 728791-2026) veröffentlicht wurde. Der Vertragsabschluss erfolgte am 16. Oktober 2026.
Das Vorhaben trägt den Titel „Schutz mobiler Kräfte gegen UAS (SMoK3D)“. Laut Beschreibung handelt es sich um ein C-UAS-System, das bewegliche Kräfte mit Komponenten zur Aufklärung und Bekämpfung vor Kleinst- und Kleindrohnen schützen soll. Der Lieferumfang umfasst sechs Systeme vom Typ TYTAN Drone Defender sowie zwei TYTAN C2-Vans, also Fahrzeuge für Führung und Steuerung (Command and Control). Erfüllungsort ist eine Einrichtung der Bundeswehr in Bremervörde im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme). Eine Rahmenvereinbarung wurde nicht geschlossen, Unteraufträge sind nicht vorgesehen. Den Auftragswert hat das BAAINBw nicht veröffentlicht.
Direktvergabe ohne Wettbewerb
Das Amt vergab den Auftrag im Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb. Rechtsgrundlage ist die Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit (VSVgV), mit der die EU-Richtlinie 2009/81/EG zu Beschaffungen im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich umgesetzt wird. Zur Begründung verweist das BAAINBw auf die Ausnahme für Aufträge mit Verteidigungs- und Sicherheitsaspekten und auf § 12 Abs. 1 Nr. 1 lit. c VSVgV. Die Vorschrift erfasst Fälle, in denen ein Auftrag etwa aus technischen Gründen nur von einem bestimmten Unternehmen ausgeführt werden kann. Einziges Zuschlagskriterium war der Preis, was die Bekanntmachung mit einem Alleinstellungsmerkmal des Anbieters begründet. Eingegangen ist ein Angebot. Die Finanzierung erfolgt nicht aus EU-Mitteln.
Hintergrund: Drohnenabwehr für Landstreitkräfte
Die Bundeswehr sucht gezielt nach marktverfügbaren Lösungen für den Schutz beweglicher Verbände. Am 12. Mai 2026 veranstaltete das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding eine Technologie-Show zur Drohnenabwehr, bei der vor allem Abfangdrohnen vorgestellt wurden. Nach Angaben der Bundeswehr müssen solche Systeme so beweglich sein, dass sie den eigenen Kräften folgen und diese auch während der Bewegung schützen. Dabei wurden Produkte für den begleitenden Schutz von Landstreitkräften ermittelt, die ohne lange Entwicklungs- und Erprobungsphasen eingeführt werden sollen. An der Veranstaltung beteiligten sich nach Angaben des Innovationszentrums mehr als 50 Unternehmen aus zehn Ländern.
Bereits im Herbst 2025 hatten das BAAINBw und TYTAN eine Vereinbarung über einen Demonstrator zum Schutz von Bundeswehrliegenschaften vor unbemannten Luftfahrzeugen getroffen. Dieses Projekt, begleitet vom Innovationslabor der Bundeswehr in Erding, zielt auf die Abwehr von Drohnen mittlerer Größe und Reichweite und setzt auf die Verknüpfung von Sensoren, Wirkmitteln und Führungskomponenten. Der nun vergebene Auftrag richtet sich dagegen auf den Schutz mobiler Kräfte.
Der Auftragnehmer
TYTAN wurde 2023 gegründet und hat seitdem Drohnen für die ukrainischen Streitkräfte getestet und gebaut. In einer Series-A-Runde erhielt das Unternehmen Anfang 2026 mehr als 30 Millionen Euro, womit sich die Gesamtfinanzierung auf rund 46 Millionen Euro beläuft; das Kapital soll in eine Serienfertigung von Abfangdrohnen im Westen Münchens fließen.
Unter dem Namen Drone Defender ist ein fahrzeuggestütztes Abwehrsystem bekannt geworden. Auf der ILA 2026 unterzeichneten Mercedes-Benz und TYTAN eine Absichtserklärung über Drohnenabwehrplattformen auf Basis von G-Klasse und Sprinter. Die Fahrzeuge sollen Sensoren, Radar, Kommunikationstechnik und Startvorrichtungen für Abfangdrohnen tragen. Eine angepasste G-Klasse könnte dabei als Träger der Abwehrkomponenten dienen, ein umgebauter Sprinter als mobiles Trägerfahrzeug für Drohnen. Ob die beauftragten Systeme auf Fahrzeugen von Mercedes-Benz basieren, geht aus der Bekanntmachung nicht hervor.
