NATO tagt zum Schutz von Unterwasser-Infrastruktur in Rostock

Am 20. und 21. Oktober 2026 hat in Rostock das NATO-Netzwerk für kritische Unterwasser-Infrastruktur getagt. Vertreter von Streitkräften, zivilen Behörden und Infrastruktur-Betreibern berieten darüber, wie Unterseekabel und Pipelines besser geschützt werden können.
Foto: NATO

Am 20. und 21. Oktober 2026 hat in Rostock das NATO-Netzwerk für kritische Unterwasser-Infrastruktur getagt. Vertreter von Streitkräften, zivilen Behörden und Infrastruktur-Betreibern berieten darüber, wie Unterseekabel und Pipelines besser geschützt werden können.

    Treffen in Rostock

    Das Critical Undersea Infrastructure Network (CUI-Netzwerk) der NATO ist am 20. und 21. Oktober 2026 in Rostock zusammengekommen. An den Beratungen nahmen Angehörige von Streitkräften und zivilen Behörden sowie Betreiber kritischer Infrastruktur teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Unterseekabel, Pipelines und weitere Anlagen am Meeresboden wirksamer schützen lassen. Über diese Leitungen laufen interkontinentaler Datenverkehr und Teile der Energieversorgung, Schäden können daher Folgen weit über die betroffene Region hinaus haben.

    Hintergrund sind die Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 und weitere Störungen in der Ostsee. Dazu zählt die Beschädigung von Unterseekabeln zwischen Estland und Finnland am 25. Dezember 2024. Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) weist zugleich darauf hin, dass nicht jeder Schaden auf einen Angriff zurückgeht. Umso wichtiger seien ein belastbares Lagebild und eine sorgfältige Bewertung einzelner Vorfälle.

    Erwartungen des Verteidigungsministers

    Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete den Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur im Vorfeld des Treffens als Aufgabe der nationalen wie der gemeinsamen Sicherheit. Er nannte drei Schwerpunkte: eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie, ein verbessertes maritimes Lagebild und eine höhere Widerstandsfähigkeit. Nach seiner Darstellung müssen Informationen, Sensordaten und Fachwissen über nationale und institutionelle Grenzen hinweg zusammengeführt werden, um Bedrohungen früher zu erkennen und gezielter reagieren zu können. Deutschland bringe dabei vor allem die Expertise der Marine ein. Weitere Fortschritte hingen jedoch von Streitkräften, zivilen Behörden, Industrie und Wissenschaft gemeinsam ab.

    Aufbau des NATO-Ansatzes

    Das CUI-Netzwerk wurde 2024 eingerichtet. Es verbindet Fachleute aus den Mitgliedstaaten, militärische und zivile Stellen sowie Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft. Ziel ist ein schnellerer Informationsaustausch, die Weitergabe bewährter Verfahren und eine engere Zusammenarbeit beim Schutz der Anlagen. Eine Rolle spielen auch Sensoren, autonome Systeme und Datenanalyse, mit denen verdächtige Aktivitäten, etwa von Schiffen der russischen Schattenflotte, früher erkannt werden sollen.

    Das Netzwerk ist Teil eines schrittweise ausgebauten Ansatzes. Im Februar 2023 richtete die NATO nach den Nord-Stream-Anschlägen eine Koordinierungszelle in ihrem Hauptquartier ein. Beim Gipfel in Vilnius 2023 beschlossen die Staats- und Regierungschefs zudem ein maritimes Zentrum für den Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur, das 2024 beim Allied Maritime Command (MARCOM) im britischen Northwood eingerichtet wurde. Das Zentrum dient als Vernetzungs- und Wissensstelle und unterstützt die Verbündeten bei Entscheidungen und bei der Koordinierung von Schutz- und Reaktionsmaßnahmen. In Vilnius hielten die Alliierten außerdem fest, dass der Schutz dieser Infrastruktur eine nationale Verantwortung und zugleich eine gemeinsame Verpflichtung ist. Die Gipfel 2024 in Washington und 2025 in Den Haag bekräftigten dies.

    Baltic Sentry und deutscher Beitrag

    Praktisch umgesetzt wird diese Verpflichtung unter anderem mit der NATO-Aktivität Baltic Sentry, die im Januar 2025 begann. Sie soll die Präsenz des Bündnisses in der Ostsee erhöhen, das Lagebild verbessern und destabilisierende Handlungen verhindern. Geführt wird die Operation vom operativen NATO-Hauptquartier in Brunssum, das dabei vom Stab CTF Baltic in Deutschland unterstützt wird. Beteiligt sind unter anderem Schiffe der Standing NATO Maritime Group 1 und der Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 sowie Seefernaufklärer der Verbündeten.

    Den deutschen Beitrag koordiniert das Operative Führungskommando der Bundeswehr. Es führt Erkenntnisse von Marine, Luftwaffe und dem Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum mit Lageinformationen von Bundespolizei, Landespolizeien und Zoll zusammen. Für den Schutz kritischer Infrastruktur sind in Deutschland grundsätzlich zunächst die zivilen Sicherheitsbehörden zuständig. Die Bundeswehr unterstützt im Rahmen ihrer Aufgaben und der Bündnisverpflichtungen.

    CTF Baltic und regionale Knotenpunkte

    In Rostock hat zudem der Stab Commander Task Force Baltic (CTF Baltic) seinen Sitz. Er erstellt das militärische Lagebild für den Ostseeraum, plant Übungen und führt zugewiesene NATO-Seestreitkräfte. Die Deutsche Marine hat diese regionale Führungsrolle im Oktober 2024 übernommen, der Stab ist ein nationales Hauptquartier mit multinationaler Beteiligung. Neben Deutschland stellen elf weitere Staaten Personal, darunter Dänemark, Finnland, Polen und Schweden.

    Deutschland und Norwegen haben gemeinsam mit weiteren Staaten außerdem vorgeschlagen, fünf regionale CUI-Knotenpunkte einzurichten. Diese sollen Informationen und Fachwissen auf regionaler Ebene bündeln. Der Vorschlag geht auf den Ostsee-Gipfel in Helsinki im Januar 2025 zurück. Da Kabel und Pipelines häufig von privaten Unternehmen betrieben werden und über Ländergrenzen hinweg verlaufen, setzt das CUI-Netzwerk auf die Verbindung von militärischer Aufklärung, ziviler Vorsorge und engem Austausch mit den Betreibern.

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