Rheinmetall baut Werft in Rumänien zum Dual-Use-Standort aus

Rheinmetall und die Reederei MSC haben bei einer Auktion den Zuschlag für die insolvente Werft im rumänischen Mangalia erhalten. Der Standort am Schwarzen Meer soll künftig zivilen und militärischen Schiffbau bündeln, darunter vier Schiffe für die rumänische Marine.
Foto: Rheinmetall AG

Rheinmetall und die Reederei MSC haben bei einer Auktion den Zuschlag für die insolvente Werft im rumänischen Mangalia erhalten. Der Standort am Schwarzen Meer soll künftig zivilen und militärischen Schiffbau bündeln, darunter vier Schiffe für die rumänische Marine.

    Zuschlag im Insolvenzverfahren

    Der Rüstungskonzern Rheinmetall und die Schweizer Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC) übernehmen gemeinsam die Werft in Mangalia an der rumänischen Schwarzmeerküste südlich von Constanța. Beide Unternehmen erhielten im Rahmen einer Auktion den Zuschlag. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 138 Mio. Euro und wird von beiden Partnern gemeinsam getragen. Die Transaktion soll in einigen Wochen abgeschlossen sein.

    Nach Angaben des Insolvenzverwalters CITR vom 9. Oktober ging der Zuschlag an die Gesellschaft Rheinmetall Real Estate Romania, der Preis lag bei 138,03 Mio. Euro ohne Mehrwertsteuer. Die Veräußerung gelang erst in der fünften Auktion, nachdem vier vorherige Versuche ohne Käufer geblieben waren. Der erzielte Preis entspricht 75 Prozent des zuvor angesetzten Marktwerts von 184 Mio. Euro.

    Getrennte Bereiche für zivile und militärische Fertigung

    Ziel der Übernahme ist der Aufbau eines Dual-Use-Standorts, an dem zivile und militärische Schiffbauprojekte für den rumänischen und den internationalen Markt parallel bearbeitet werden. Dazu soll das Werftgelände künftig in verschiedene Sektoren und Sicherheitsbereiche aufgeteilt werden. Nach früheren Berichten soll Rheinmetall den militärischen Schiffbau entwickeln, während MSC als Partner für den kommerziellen Schiffbau vorgesehen ist.

    Nach Darstellung von Tim Wagner, CEO der Division Naval Systems, plant Rheinmetall einen umfassenden Ausbau und eine Modernisierung der Werft. Die vorhandene Infrastruktur und die Produktionsbedingungen sollen verbessert und die Kapazitäten an künftige Anforderungen angepasst werden. Langfristig soll Mangalia eine zentrale Rolle für die Aktivitäten des Konzerns in Südosteuropa übernehmen.

    Vier Schiffe für die rumänische Marine

    Für Rheinmetall Naval Systems soll die Werft beim Bau von vier Schiffen für die rumänische Marine eine wesentliche Rolle spielen. Vorgesehen sind zwei 96 Meter lange Hochsee-Patrouillenschiffe sowie zwei 43 Meter lange Taucherunterstützungsschiffe. Das rumänische Verteidigungsministerium hatte den Vertrag über die vier Einheiten Ende Mai 2026 bekanntgegeben. Der Auftragswert liegt bei 920 Mio. Euro ohne Mehrwertsteuer, finanziert über das EU-Programm Security Action for Europe (SAFE). Die Schiffe sind Teil eines Gesamtpakets von 5,7 Mrd. Euro, das neben Marineschiffen auch Kampffahrzeuge, Luftverteidigungssysteme und Munition umfasst.

    Rheinmetall zufolge werden für diesen Auftrag nur 10 bis 15 Prozent der Werftkapazität benötigt. Der Standort soll daher zugleich als Drehkreuz für weitere militärische Schiffbauprojekte dienen und eine skalierbare Grundlage für künftige Vorhaben in Südosteuropa bilden.

    Wechselvolle Geschichte des Standorts

    Die Werft ist seit 1976 in Betrieb und war über Jahrzehnte als Werft 2 Mai Mangalia bekannt. Ab 1997 führte der südkoreanische Konzern Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering den Betrieb für 20 Jahre, anschließend übernahm die niederländische Damen-Gruppe. Nach einem Gesetz von 2023, das dem rumänischen Staat die Kontrolle übertrug und Damen auf eine Minderheitsbeteiligung beschränkte, eskalierte der Konflikt zwischen beiden Seiten. Im Juni 2024 wurde auf Antrag der Muttergesellschaft Damen Holding das Insolvenzverfahren eröffnet. Die angemeldeten Forderungen beliefen sich auf rund 400 Mio. Euro.

    Rheinmetall bereits in Rumänien präsent

    Rheinmetall ist seit 2024 über die Rheinmetall Automecanica in Mediaș in Rumänien vertreten. Hinzu kommt das Projekt einer Pulverfabrik in Victoria. Die Division Naval Systems entstand nach der Übernahme der NVL-Werften von der Lürssen-Gruppe.

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