D-LBO: Heer schließt erste Einsatzprüfung in Munster ab

Die Bundeswehr hat die erste Einsatzprüfung des Digitalisierungsprogramms D-LBO auf dem Truppenübungsplatz Munster abgeschlossen. Die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 soll ab Januar 2027 digital führungsfähig sein. Ihre Panzergrenadierbataillone werden ausschließlich aus Verbänden mit dem Schützenpanzer Puma gestellt.
D-LBO | Foto: Rohde & Schwarz

Die Bundeswehr hat die erste Einsatzprüfung des Digitalisierungsprogramms D-LBO auf dem Truppenübungsplatz Munster abgeschlossen. Die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 soll ab Januar 2027 digital führungsfähig sein. Ihre Panzergrenadierbataillone werden ausschließlich aus Verbänden mit dem Schützenpanzer Puma gestellt.

Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat den Abschluss der Einsatzprüfung 1 im Rüstungsprogramm Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) bekanntgegeben. Heer und Industrie prüften das Gesamtsystem „D-LBO basic“ mehrere Wochen lang in Munster unter einsatznahen taktischen Bedingungen, in der letzten Woche auch mit scharfem Schuss. Nach Angaben des Ministeriums ist die Grundfunktionalität des Systems gegeben.

Ablauf der Prüfung

Die Einsatzprüfung war als fortlaufender Prozess angelegt. Die Szenarien der Landkriegsführung wurden schrittweise komplexer, Ergebnisse wurden direkt vor Ort ausgewertet und in die folgenden Durchgänge übernommen. Das Gesamtsystem D-LBO basic setzt sich nach Angaben des BMVg aus Führungsfunkgerät, Tactical Core und Battle Management System zusammen.

Generalinspekteur Carsten Breuer war zuvor gemeinsam mit Staatssekretär Jens Plötner und dem Inspekteur des Heeres in Munster. Nach einem Treffen mit Vertretern der Industrie zeigte sich Breuer laut Ministerium von der laufenden Prüfung und der deutlich verbesserten Sprachqualität im Funkverkehr überzeugt.

Puma statt Marder in der NATO-Brigade

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Christian Freuding, erklärte, mit D-LBO basic könnten Fahren, Funken und Schießen digital, störungssicherer und mit größerer Reichweite durchgeführt werden. Auf Grundlage der Testergebnisse wurde entschieden, beide Panzergrenadierbataillone der Forward Land Forces Brigade mit Verbänden zu besetzen, die mit dem Schützenpanzer Puma ausgestattet sind. Der ursprünglich eingeplante Marder-Verband gehört der Brigade vorerst nicht an.

Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ steht bereits seit Januar 2025 als Forward-Land-Forces-Brigade bereit, um im Ernstfall nach Litauen zu verlegen; ihre Soldaten bleiben dabei in Deutschland stationiert. Diese Rolle übernimmt sie, solange sich die Panzerbrigade 45 in Litauen noch im Aufbau befindet.

Mischbetrieb umgerüsteter und angebundener Fahrzeuge

Zur Brigade werden sowohl vollständig auf D-LBO basic umgerüstete Fahrzeuge gehören als auch Fahrzeuge mit analoger Technik, die über eine Schnittstelle digital und verschlüsselt eingebunden werden. Dieser sogenannte Mischbetrieb wurde bereits beim Systemnachweis im Juli getestet. Nach Darstellung der Bundeswehr ist diese Übergangslösung nötig, bis die Verbände mit tausenden Fahrzeugen umgerüstet sind.

Zeitplan und Serienintegration

Nach der Forward Land Forces Brigade soll bis Mitte 2027 die Panzerbrigade 45 in Litauen digitalisiert werden. Anschließend wird D-LBO schrittweise auf die übrigen Landstreitkräfte ausgeweitet. Die Panzerbrigade 45 wurde am 1. April 2025 in Dienst gestellt und soll bis Ende 2027 einsatzbereit sein.

Bei der Serienintegration liegt das Programm nach Angaben des BMVg rund 300 Fahrzeuge hinter dem eigenen Ziel. Ein mit der Industrie vereinbarter Aufholplan soll sicherstellen, dass bis Ende 2026 wie zugesagt 2.700 Fahrzeuge an den Standorten und in den Werken umgerüstet sind. Derzeit sind mehr als 2.000 Fahrzeuge mit D-LBO basic ausgestattet. Im Mai hatte das Ministerium noch über 700 umgerüstete Plattformen gemeldet. Insgesamt sollen mehr als 10.000 Fahrzeuge der sogenannten Division 2025 die neue Funktechnik erhalten. Als Gründe für frühere Verzögerungen hatte das BMVg unter anderem fehlende Materiallieferungen der Industrie sowie Abnahmeprozesse in den Werken genannt.

Zentrum Digitalisierung Land

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat zudem entschieden, das „Zentrum Digitalisierung Land“ in Munster zu stationieren. Es wurde zum 1. Oktober 2026 aufgestellt und soll die Digitalisierung der Landstreitkräfte zentral unterstützen. Für den Standort sprechen laut Ministerium die Nähe zu Kampfverbänden und Truppenübungsplatz, die Abstimmung mit der dortigen Außenstelle des Zentrums Digitalisierung der Bundeswehr sowie der direkte Zugang zu Projekten wie D-LBO.

Einordnung

Das BMVg stuft D-LBO als eines der technisch anspruchsvollsten Großprojekte in der Geschichte der Bundeswehr ein. Es gehe um deutlich mehr als den Austausch von Funkgeräten. Vergleichbare Digitalisierungsvorhaben dauern nach Angaben des Ministeriums in anderen Staaten 10 bis 15 Jahre. Mit Blick auf die Bedrohungslage soll D-LBO in weniger als der Hälfte dieser Zeit umgesetzt werden. Einrüstung, Erprobung, technische Weiterentwicklung und Truppeneinführung einschließlich Ausbildung laufen deshalb weitgehend parallel.

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