Bundeswehr beschafft 60 Bodenaufklärungsradare bei Thales

Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat Thales Deutschland mit der Lieferung von 60 bodengebundenen Aufklärungsradaren kurzer Reichweite beauftragt. Die Auslieferung soll noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden.
Foto: Thales


Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat Thales Deutschland mit der Lieferung von 60 bodengebundenen Aufklärungsradaren kurzer Reichweite beauftragt. Die Auslieferung soll noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden.

Auftrag über die EU-Vergabeplattform bekannt gemacht

Wie aus einer Mitteilung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) auf der europäischen Vergabeplattform TED (Tenders Electronic Daily) hervorgeht, umfasst der Auftrag 60 Radarsysteme samt Zubehör und Ersatzteilen sowie begleitende Dokumentation, Ausbildung und verschiedene Dienstleistungen. Das Vorhaben trägt die Bezeichnung „Bodenaufklärungsradar kurze Reichweite“. Laut der Bekanntmachung sollen sämtliche Systeme noch in diesem Jahr an die Bundeswehr ausgeliefert werden.

Nach Angaben gut informierter Kreise handelt es sich bei den bestellten Geräten um Systeme des Typs Ground Observer 12 (GO12). Thales äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorgang. Das System ist in der Bundeswehr bislang nicht regulär eingeführt; mit der nun gemeldeten Beschaffung würde es erstmals in den Bestand der deutschen Streitkräfte übergehen.

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Bereits Erfahrung über die Ukraine-Unterstützung

Neu ist das GO12 für die Bundesrepublik dennoch nicht. Bereits Anfang 2025 hatte Deutschland Thales mit der Lieferung einer großen Stückzahl dieser Radare an die Ukraine beauftragt. Berichten zufolge belief sich die Zusage auf insgesamt rund 1.100 Bodenüberwachungsradare, von denen ein Teil bereits übergeben wurde. Das GO12 ist nach Herstellerangaben das einzige Bodenüberwachungsradar, das in Deutschland gefertigt wird – die Produktion erfolgt am Standort Ditzingen bei Stuttgart.

Auch international ist das System im Einsatz. In Frankreich wurde es 2019 unter der Bezeichnung „Murin“ eingeführt und unter anderem von Fallschirmjäger- und Spezialkräfteverbänden genutzt. Aus dem Gefecht in der Ukraine liegen ebenfalls Erfahrungswerte vor; dort sind Geräte des Typs seit mehreren Jahren im Einsatz.

Technische Merkmale des GO12

Das GO12 ist als hochmobiles, tragbares Gefechtsfeldradar konzipiert. In der tragbaren Konfiguration – bestehend aus Sensor, Batterien, Bedieneinheit und Dreibein – liegt das Gesamtgewicht bei rund 38 Kilogramm, der Sensor selbst wiegt etwa 17 Kilogramm. Neben dem abgesessenen Einsatz lässt sich das Radar auch auf leichten Fahrzeugen, etwa geländegängigen Quads (All-Terrain Vehicles), oder auf unbemannten Bodensystemen (UGV) verlasten. Hersteller und Fachpublikationen verweisen zudem auf eine Montage auf ausfahrbaren Masten.

Technisch arbeitet das System als Pulse-Doppler-Radar im Ku-Band und bietet mehrere Suchmodi. Die maximale Reichweite gibt Thales mit bis zu 27 Kilometern an; ein vollständiger Rundumscan dauert je nach Einstellung zwischen 12 und 32 Sekunden. Je nach Modus lassen sich Personen auf Entfernungen bis zu 8,4 Kilometern, Fahrzeuge bis zu 16,8 Kilometern und Hubschrauber bis zu 15,6 Kilometern erfassen. Mit einem Batteriepack ist nach Angaben des Herstellers ein autonomer Betrieb von etwa sechs Stunden möglich; der durchschnittliche Leistungsbedarf des Sensors liegt bei rund 70 Watt.

Funktional kann das GO12 erkannte Ziele klassifizieren und seine Aufklärungsergebnisse über Schnittstellen in Führungs- und Waffeneinsatzsysteme („Battle Management Systeme“) übergeordneter Ebenen einspeisen. Neben der reinen Überwachung ist das Radar auch zur Lenkung von Steil- beziehungsweise indirektem Feuer geeignet: Im präzisen Feuerlenkmodus wird der Einschlagpunkt von Mörser- oder Artilleriegeschossen auf wenige Meter genau angezeigt.

Einordnung

Bereits 2021 hatte die Bundeswehr im Rahmen des Programms „Bodengebundenes Aufklärungs- und Raum-Überwachungssystem“ (BARÜ) den Ersatz älterer Radargenerationen wie PARA, ABRA, LEGAR 1 und BOR-A 550 angestoßen. Leichte, tragbare Systeme wie das GO12 ergänzen diese Fähigkeiten auf der unteren taktischen Ebene und sollen Infanterie-, Aufklärungs- und Artillerieverbänden eine wetter- und sichtunabhängige Überwachung des Gefechtsfeldes ermöglichen.

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