Pflichtversetzungen für die Brigade Litauen

Knapp 80 Prozent der Dienstposten der Panzerbrigade 45 sind mit Freiwilligen besetzt. Um verbleibende Lücken in einzelnen Fachbereichen zu schließen, setzt das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) ab sofort ergänzend auf verpflichtende Maßnahmen.
Foto: Bundeswehr/Mario Bähr

Knapp 80 Prozent der Dienstposten der Panzerbrigade 45 sind mit Freiwilligen besetzt. Um verbleibende Lücken in einzelnen Fachbereichen zu schließen, setzt das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) ab sofort ergänzend auf verpflichtende Maßnahmen.

Das BMVg hat am 14. September 2026 angekündigt, die Brigade Litauen künftig auch durch angeordnete Personalmaßnahmen aufzufüllen. Neben der weiteren Werbung um Freiwillige sollen in wenigen Bereichen Verpflichtungen greifen. So will das Ministerium die personelle Einsatzbereitschaft mehr als ein Jahr vor der geplanten vollen Einsatzfähigkeit Ende 2027 absichern. Als Grund nennt es die Zusage gegenüber der NATO, die Brigade für Verteidigung und Abschreckung an der Ostflanke rechtzeitig vollständig bereitzustellen.

Umfang und betroffene Bereiche

Nach Darstellung des Ministeriums betreffen die Lücken vor allem Verwendungen mit langer Ausbildungsdauer, die in der Bundeswehr ähnlich wie auf dem zivilen Arbeitsmarkt knapp sind. Genannt werden die Logistik und die Informationstechnik. Die Zahl der verpflichtenden Besetzungen wird nach aktuellen Prognosen voraussichtlich im mittleren dreistelligen Bereich liegen. Das Ministerium geht dabei davon aus, dass sich weiterhin Freiwillige melden. Die Bild-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass ab Ende September bis zu 1.000 Soldatinnen und Soldaten verpflichtet werden könnten.

Für Mangelbereiche prüft das BMVg auch Kurzzeitkommandierungen, Rotationsmodelle und befristete dienstliche Aufenthalte. Als Beispiel führt das Ministerium einen Schiffskoch an, dessen Schiff längere Zeit in der Werft liegt und der in dieser Zeit für einige Monate nach Litauen kommandiert werden könnte. Auf diese Weise soll die Einsatzbereitschaft sowohl der Brigade als auch der Verbände in Deutschland erhalten bleiben.

Die verpflichtenden Besetzungen sollen in Abstimmung mit den militärischen Organisationsbereichen erfolgen. Maßstab für alle Entscheidungen ist nach Angaben des Ministeriums die Einsatzbereitschaft der gesamten Bundeswehr. Persönliche Belange der Betroffenen sollen so weit wie möglich berücksichtigt werden. Das Ministerium stellt jedoch klar, dass die Einsatzbereitschaft im Zweifel Vorrang vor der Freiwilligkeit hat. Die Freiwilligkeit bleibe dennoch der leitende Grundsatz.

Vorlauf der Entscheidung

Die Frage der Freiwilligkeit beschäftigt das Projekt seit Längerem. Im Februar berichtete der Spiegel unter Berufung auf eine vertrauliche Vorlage, dass die Freiwilligenmeldungen nicht ausreichten, insbesondere bei den unteren Mannschaftsdienstgraden. Demnach hatten sich aus dem Panzerbataillon 203 in Augustdorf zunächst 197 Soldaten gemeldet, bei 414 vorgesehenen Dienstposten. Für das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach standen 640 Dienstposten 181 Bewerbungen gegenüber. Bei einem Besuch auf dem Truppenübungsplatz Pabradė im Juni erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius, dass eine rein freiwillige Besetzung nicht in jedem Einzelfall garantiert werden könne. Versetzungen gegen den Wunsch einzelner Soldaten seien in der Bundeswehr kein ungewöhnlicher Vorgang.

Aktueller Stand der Besetzung

Laut BMVg sind derzeit fast 80 Prozent der Dienstposten besetzt, bislang ausschließlich mit Freiwilligen. Für den bereits in Litauen stationierten Teil der Brigade liegt die Quote bei rund 92 Prozent. Seit Ende April ist der Besetzungsstand von etwa 20 auf etwa 80 Prozent gestiegen, seit Mai haben sich mehr als 2.500 Soldatinnen und Soldaten gemeldet. Das Ministerium führt dies auf die eingeführten Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität zurück. Das Personal stammt aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen.

Pistorius erklärt, der Zeitplan werde eingehalten. Infrastruktur, Material und Personal stünden rechtzeitig bereit, von den Unterkünften über die deutsche Auslandsschule bis zum Kampfpanzer. Er dankt den zuständigen Bereichen im Ministerium sowie dem Heer für die Zusammenarbeit.

Hintergrund

Bis Ende 2027 sollen rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivile Mitarbeitende in Litauen stationiert sein. Feste Standorte entstehen in Rudninkai und Rukla. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, darunter Aufenthalts- und Steuerrecht sowie das Schulwesen, regelten Deutschland und Litauen 2024 in einem Regierungsabkommen. Die Brigade entsteht durch die Verlegung bestehender Verbände, darunter das Panzerbataillon 203 und das Panzergrenadierbataillon 122. Hinzu kommen Neuaufstellungen, die seit dem 1. April 2026 laufen: das Panzerartilleriebataillon 455, das Versorgungsbataillon 456, die Panzerpionierkompanie 45 und die Aufklärungskompanie 45.

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