Drei Monate nach Unterzeichnung ihrer Kooperationsvereinbarung haben Diehl Defence und Elbit Systems das Loitering-Munitionssystem SkyStriker in einer Live-Vorführung gezeigt. Im Mittelpunkt standen die Reichweite und die Übergabe der Steuerung auf 80 Kilometer Entfernung.
Diehl Defence und Elbit Systems haben Anfang September 2026 eine Live-Demonstration des Systems SkyStriker durchgeführt. Das teilte Diehl Defence am 14. September mit. Die Vorführung ist der erste öffentlich gemachte Schritt seit der Partnerschaftsvereinbarung, die beide Unternehmen im Juni auf der ILA in Berlin geschlossen hatten. Zum Ort der Demonstration machte das Unternehmen keine Angaben.
Ablauf der Demonstration
Nach Unternehmensangaben lag der Schwerpunkt auf der Reichweite des Systems und der sogenannten Hand-over-Funktion, also der Übergabe der Kontrolle über den Flugkörper. Diese sei bei einer Distanz von 80 Kilometern durchgeführt worden. SkyStriker wurde aus einem Kanister gestartet, klärte ein Ziel auf, verfolgte es und bekämpfte es anschließend. Einbezogen war auch die Aufklärungsdrohne SkyLark 1 in eVTOL-Ausführung. Diehl Defence sieht darin einen Nachweis, dass sich das System in vernetzte Strukturen aus Aufklärungs- und Wirkmitteln einbinden lässt, etwa für kombinierte Such- und Bekämpfungsmissionen.
Technische Eckdaten
SkyStriker ist eine elektrisch angetriebene Loitering Munition für präzise Wirkung auf große Entfernungen. Der Hersteller nennt eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern und eine Verweildauer im Zielgebiet von über zwei Stunden. Der Elektroantrieb soll die akustische und thermische Signatur gering halten und die Entdeckung erschweren. Laut dem Fachportal Defence Blog trägt das System einen Gefechtskopf von 10 Kilogramm.
Nach Angaben von Diehl Defence ist das System in mehreren Staaten bereits im Einsatz. Videoaufklärung und automatische Zielverfolgung sollen Kollateralschäden begrenzen. Als Startplattformen kommen unter anderem Bodenfahrzeuge, Container und Luftfahrzeuge in Frage, zudem das Raketenartilleriesystem EuroPULS.
Aussagen der Unternehmen
Gunnar Pappert, Leiter des Produktbereichs Heeressysteme bei Diehl Defence, wertet die Vorführung als Bestätigung der technischen Reife des Systems. Er verweist zudem auf das Ziel, gemeinsam mit Elbit eine Fertigung in Deutschland aufzubauen. Marian Rachow, CEO von Elbit Systems Deutschland, erklärt, das System solle verschiedenen Staaten entsprechend ihrem jeweiligen Bedarf angeboten werden. Die Demonstration sei ein weiterer Schritt in Richtung einer deutschen Produktion.
Aufgabenteilung und Beschaffungsvorhaben
Die Kooperation soll den Bedarf an autonomen Systemen in Deutschland decken und im Auftragsfall Produktionskapazitäten im Inland schaffen. Elbit Systems übernimmt die Markterschließung, Diehl Defence die Fertigung, Montage, Integration und Qualifizierung. Nach einem Bericht von hartpunkt sehen die Unternehmen bei der Produktion eine Aufteilung von 50 zu 50 vor und halten eine Serienfertigung in Deutschland 36 Monate nach Programmstart für möglich. Diehl Defence würde demnach die Gefechtsköpfe und die Starter herstellen.
Hintergrund ist ein Vorhaben der Bundeswehr. Unter der Bezeichnung „Loitering Munition System großer Reichweite“ will sie Loitering Munition für die Artillerieverbände auf Divisions- und Korpsebene beschaffen, die Ziele in 200 bis 300 Kilometer Entfernung bekämpfen kann.
Verbindung zu EuroPULS
Die Einsatzmöglichkeit von EuroPULS ist für die Bundeswehr relevant, da sie das System bereits bestellt hat. Anfang 2025 erteilte sie im Rahmen eines Regierungsabkommens zwischen den Niederlanden, Israel und Deutschland einen Auftrag über rund 57 Millionen US-Dollar für fünf EuroPULS-Werfer. Lieferung und Qualifizierung sollen bis 2027 abgeschlossen sein, langfristig soll das System den Mehrfachraketenwerfer MARS II ersetzen. Der Werfer kann verschiedene Raketentypen mit Reichweiten bis 300 Kilometer verschießen, darunter auch Loitering Munition. Laut hartpunkt bereitet die Bundeswehr zudem eine Rahmenvereinbarung über rund 500 Systeme vom Typ MARS 3, auch als EuroPULS bezeichnet, vor. Etwa die Hälfte wäre für verbündete Staaten vorgesehen, die parlamentarische Befassung wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.
