In einer fünftägigen Schießkampagne von Diehl Defence wurden 17 Lenkflugkörper erfolgreich vom unbemannten Bodenfahrzeug verschossen. Damit ist der Ziesel nach Herstellerangaben das erste UGV, von dem ein moderner Lenkflugkörper abgefeuert wurde.
Tests zur Belastbarkeit der Plattform
Ziel der Schussversuche war laut Hersteller die Überprüfung der Belastbarkeit der Ziesel-Plattform sowohl im Hinblick auf den Werferaufbau als auch auf den scharfen Schuss. Über fünf Tage hinweg wurden insgesamt 17 Lenkflugkörper erfolgreich abgefeuert. Die Plattform habe den Belastungen des Einsatzes standgehalten, teilte Diehl Defence in einer Pressemitteilung vom 13. Mai 2026 mit.
Der Meilenstein folgt rund drei Monate nach der ersten öffentlichen Vorstellung der bewaffneten Variante des Ziesel mit SPIKE-Werferaufbau auf der Fachmesse Enforce Tac 2025 in Nürnberg. Bislang wurde das UGV in mehreren Konfigurationen erprobt, darunter als Lastenträger für die Infanterie und als Plattform für die Verwundetenevakuierung (Casualty Evacuation, CASEVAC). Mit der jetzigen Versuchsreihe kommt erstmals eine Variante als Träger eines Effektors hinzu.

Hintergrund zur Ziesel-Plattform
Das Diehl Defence UGV basiert auf einer Plattform des österreichischen Herstellers Mattro. Das vollelektrisch angetriebene Kettenfahrzeug ist nach Herstellerangaben rund 1,6 Meter lang und 1,3 Meter breit, wiegt etwa 380 Kilogramm und kann eine Nutzlast von mehr als 500 Kilogramm tragen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 20 km/h, die Energieversorgung erfolgt über austauschbare Lithium-Ionen-Akkus. Im Juli 2024 belegte der Ziesel beim European Land Robot Trial (ELROB) den ersten Platz im Szenario „Mule“, einer Disziplin zur autonomen Streckenabfahrt unter GNSS-gestörten Bedingungen.
Ergänzt wird die Plattform durch das von Diehl Defence entwickelte Autonomie-Kit PLATON, das das Fahrzeug zu einem voll autonomen System erweitert. Im sogenannten Folgemodus arbeitet der Roboter ohne aktive Sensoren wie LiDAR oder GPS, die durch gegnerische Aufklärung oder elektronische Kampfführung leicht detektiert oder gestört werden könnten. Stattdessen wird auf passive Stereokameras zurückgegriffen. Nach Angaben des Unternehmens ist das Autonomie-Kit auch auf andere Plattformen wie den RMMV HX2, den Patria AMV sowie das UGV THeMIS des estnischen Herstellers Milrem Robotics übertragbar.
SPIKE LR als Effektor
Bei SPIKE LR (Long Range) handelt es sich um einen Panzerabwehrlenkflugkörper der israelischen Firma Rafael Advanced Defense Systems. Die Variante hat eine Reichweite von rund vier Kilometern; die modernisierte Version SPIKE LR2 erreicht aus bodengestützten Startern bis zu 5,5 Kilometer. Der Flugkörper verfügt über einen Tandem-Hohlladungs-Gefechtskopf zur Bekämpfung gepanzerter Ziele und kann in den Modi „Fire-and-Forget“, „Fire-Observe-and-Update“ oder „Fire-and-Steer“ eingesetzt werden. In Deutschland ist das System unter der Bezeichnung MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) eingeführt und wird unter anderem auf dem Schützenpanzer Puma verwendet.
Vertrieben werden die Lenkflugkörper in Europa über die 1997 gegründete EuroSpike GmbH mit Sitz in Röthenbach an der Pegnitz. Das Joint Venture wird von Diehl Defence und Rheinmetall Electronics mit jeweils 40 Prozent sowie von Rafael mit 20 Prozent getragen.
Einordnung und Ausblick
Unbemannte Bodensysteme rücken zunehmend in den Fokus militärischer Beschaffung. Nach Angaben von Diehl Defence steigt mit dieser Entwicklung auch die Nachfrage nach unterschiedlichen Nutzlasten, insbesondere mit dem Ziel, eigene Kräfte aus gefährdeten Räumen herauszuhalten. Eine robotergestützte Panzerabwehrvariante könne die Wirkung weiter nach vorne verlagern. Aktuell wird der Ziesel nach Unternehmensangaben von mehreren Streitkräften erprobt, darunter Deutschland und die Ukraine.
Die beteiligten Unternehmen kündigten an, das Konzept weiterentwickeln und zeitnah weitere Erprobungsschritte umsetzen zu wollen. Geplant ist zudem eine Demonstration vor Vertretern verschiedener Streitkräfte.
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