Patriot-Nachschub für die Ukraine deutlich gesunken

Die USA liefern der Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj derzeit nur noch zwölf Abfangraketen für das Flugabwehrsystem Patriot pro Monat. Ein Teil der bereits bezahlten Lieferungen ist laut Selenskyj bislang nicht freigegeben.
Foto: Main Directorate of the State Emergency Service of Ukraine in Kharkiv Oblast CC BY 4.0

Die USA liefern der Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj derzeit nur noch zwölf Abfangraketen für das Flugabwehrsystem Patriot pro Monat. Ein Teil der bereits bezahlten Lieferungen ist laut Selenskyj bislang nicht freigegeben.

Rückgang auf rund ein Viertel

Selenskyj äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, das am 18. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Demnach erhält die Ukraine monatlich zwölf Patriot-Abfangflugkörper aus den Vereinigten Staaten. Das entspricht etwa einem Viertel der Menge, die während der Amtszeit von Präsident Joe Biden geliefert wurde.

Hintergrund ist ein geänderter Lieferweg. Unter der Biden-Regierung erhielt die Ukraine die Raketen als Militärhilfe. Die Regierung von Präsident Donald Trump verkauft sie dagegen, finanziert werden die Käufe von der Ukraine und ihren europäischen Verbündeten.

Bezahlte Lieferungen nicht vollständig genehmigt

Nach Darstellung Selenskyjs hat die Ukraine Waffen, darunter Abfangraketen gegen ballistische Flugkörper, über die Prioritised Ukraine Requirements List (PURL) bezahlt. Washington habe einen Teil dieser Lieferungen genehmigt, den Rest jedoch nicht. Technische Ursachen sieht der Präsident für die Verzögerung nicht. Die US-Regierung hat sich bislang nicht öffentlich zum Tempo der Freigaben geäußert. Selenskyj gab an, weiterhin mit US-Vertretern in Kontakt zu stehen, und hofft auf die Genehmigung der übrigen Lieferungen.

PURL wurde im Rahmen von Vereinbarungen zwischen Selenskyj, Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte eingerichtet. Verbündete und Partnerstaaten können darüber mit freiwilligen Beiträgen die Lieferung von US-Waffen und -Technologie an die Ukraine finanzieren. Grundlage ist eine Liste von Ausrüstung und Munition, die auf ukrainischen Anforderungen beruht und vom Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) bestätigt wird. Die NATO koordiniert die Lieferungen, unter anderem über die Mission NSATU. Das erste Paket im Wert von 500 Millionen Euro finanzierten im August 2025 die Niederlande.

Zentrale Rolle gegen ballistische Raketen

Patriot ist eines von nur zwei westlichen Systemen im ukrainischen Bestand, die russische ballistische Raketen wie die Iskander-M oder die luftgestützte Kinschal abfangen können. Das zweite ist das französisch-italienische SAMP/T, über das die Ukraine jedoch in deutlich geringerer Zahl verfügt. Ukrainische Stellen haben wiederholt erklärt, dass der Mangel an Abfangraketen dazu zwinge, zwischen dem Schutz einzelner Städte und Einrichtungen abzuwägen.

Bereits im August hatte Selenskyj in einem Interview mit CNN auf die Lage hingewiesen. Nach seinen Angaben verfügte die Ukraine in diesem Jahr über zweieinhalbmal weniger Abfangraketen als 2025, während Russland monatlich doppelt so viele ballistische Raketen einsetze wie zuvor. Um den Winter zu überstehen, benötige die Ukraine fünf Prozent des US-Bestands an Patriot-Abfangraketen.

Selenskyj erklärte, er habe Washington einen Tausch angeboten: Die Ukraine würde Angriffe auf russische Anlagen für Dieselkraftstoff einstellen, wenn die USA im Gegenzug Patriot-Raketen zum Schutz der ukrainischen Infrastruktur liefern. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien sorgen seit Längerem für Spannungen mit der Trump-Regierung, die auf ein Ende der Angriffe drängt.

Im selben Interview äußerte Selenskyj die Einschätzung, jüngste Schritte der USA zielten offenbar darauf ab, die Ukraine zur Kapitulation zu drängen. Er betonte zugleich, dies nicht als Ziel der Verbündeten zu unterstellen. Als Beispiel nannte er Geschwindigkeitsbeschränkungen bei Starlink-Terminals. In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober verloren ukrainische Drohneneinheiten die zuverlässige Verbindung zu Starshield, der militärischen Variante von Starlink, sobald die Terminals schneller als etwa 160 km/h bewegt wurden. Dadurch konnten nach Selenskyjs Angaben einige der strahlgetriebenen russischen Shahed-Drohnen, die schneller als 400 km/h fliegen, nicht mehr abgefangen werden. Die Geschwindigkeitsgrenze wurde später teilweise wieder angehoben.

Produktion wird ausgebaut

Die Nachfrage nach dem Abfangflugkörper PAC-3 MSE ist hoch, neben den US-Streitkräften bestellen auch Verbündete in Europa, im Nahen Osten und in Asien. Hersteller Lockheed Martin unterzeichnete am 6. Januar 2026 eine Rahmenvereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium, um die Produktion des PAC-3 MSE zu verdreifachen. Im April 2026 folgte ein vorläufiger Auftrag über 4,7 Milliarden US-Dollar zur beschleunigten Fertigung.

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