Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB hat mit dem Satellitenbetreiber SES einen Vertrag über die Entwicklung und den Bau von achtzehn Satellitenplattformen für das EU-Programm IRIS² geschlossen. Das Auftragsvolumen liegt bei knapp einer Milliarde Euro.
Erster Großauftrag der Konzession
OHB teilte am 31. August 2026 mit, dass die Plattformen den Systemanteil im mittleren Erdorbit (MEO) abdecken, für dessen Umsetzung SES innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums verantwortlich ist. Dem Konsortium gehören neben SES auch Eutelsat und Hispasat an; die Europäische Kommission hat es mit Entwicklung und Bereitstellung der IRIS²-Infrastruktur betraut. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um den ersten Großauftrag im Rahmen der IRIS²-Konzession.

Die achtzehn MEO-Satelliten sollen jeweils eine maximale Leistung von rund 15 Kilowatt erreichen und beim Start eine Masse von etwa 2,6 Tonnen aufweisen. OHB ist nach eigener Darstellung seit Programmbeginn Teil des industriellen Kernteams von SpaceRISE.
OHB-Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs ordnete den Auftrag als Beitrag zur technologischen Unabhängigkeit Europas ein und verwies auf die Beteiligung des Unternehmens an Galileo und Copernicus. Gianaldo Mantovani, im Vorstand der OHB System AG für Telekommunikation zuständig, hob die Erfahrung des Unternehmens beim Aufbau von Konstellationen im mittleren Erdorbit hervor. Xavier Bertran, Chief Product and Innovation Officer bei SES, bezeichnete den Vertrag als Schritt zur Realisierung der MEO-Infrastruktur.
Architektur und Konstellation
IRIS² soll aus 348 Satelliten in niedriger und mittlerer Erdumlaufbahn bestehen. 330 davon operieren im niedrigen Erdorbit (LEO), 18 im mittleren Erdorbit; optionale Zusatzsatelliten für spezifische Missionen sind vorgesehen. Der Multi-Orbit-Ansatz soll globale Abdeckung mit weniger Satelliten als eine reine LEO-Konstellation ermöglichen und zugleich kurze Signallaufzeiten sichern. Hinzu kommt ein nach europäischen Standards abgesichertes Bodensegment.
Die Europäische Kommission hat die Architektur im August 2026 erweitert. Der ursprünglichen Auslegung wurde eine Lage von 66 Satelliten im höheren LEO für Verteidigung, Sicherheit und Notfalldienste hinzugefügt, außerdem wird das Design der Basiskonstellation überarbeitet. Nach Angaben der Kommission steigt damit die gesicherte Regierungskapazität innerhalb der EU um 60 Prozent und weltweit um 54 Prozent.
Programmstand und Finanzierung
Die Umsetzungsphase begann am 6. August 2026, als Kommission und SpaceRISE ihre im Januar aufgenommenen Verhandlungen abschlossen und eine Durchführungsvereinbarung unterzeichneten. Grundlage ist der im Dezember 2024 geschlossene, auf zwölf Jahre angelegte Konzessionsvertrag. Die Kommission führt das Programm als öffentlich-private Partnerschaft, technisch unterstützt durch die ESA und die EU-Agentur für das Weltraumprogramm (EUSPA).
Mit der Erweiterung steigen die Kosten deutlich. Das ursprünglich mit 10,6 Milliarden Euro veranschlagte Programm wird inzwischen mit rund 15,6 Milliarden Euro kalkuliert. Finanziert werden soll es aus dem EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 sowie aus Beiträgen einzelner Mitgliedstaaten und Partnerländer. Polen hat bislang 656 Millionen Euro zugesagt, Ungarn 500 Millionen Euro, Spanien plant zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro. Der mehrjährige Finanzrahmen für den genannten Zeitraum wird derzeit noch verhandelt.
Der OHB-Auftrag ist nicht die einzige Vergabe der vergangenen Wochen. Für das LEO-Segment setzte sich das belgische Unternehmen Aerospacelab gegen Airbus durch und erhielt den Bau von bis zu 264 Satelliten mit einem Volumen von mindestens 1,8 Milliarden Euro. Zum industriellen Kreis zählen daneben Airbus Defence and Space, Thales Alenia Space und OHB sowie mehrere hundert Zulieferer.
Zeitplan
Die ersten Starts sind für 2029 vorgesehen. Erste Dienste sollen ab 2030 bereitstehen. IRIS² ist als drittes Flaggschiffprogramm der EU im Weltraum neben Galileo und Copernicus angelegt und soll gesicherte Kommunikationsdienste für staatliche Nutzer, Streitkräfte und Rettungsdienste sowie Breitbandanbindung in unterversorgten Regionen bereitstellen.
