Der zweisitzige Gripen F hat am 28. August 2026 in Linköping seinen Erstflug absolviert. Die Maschine ist für die brasilianische Luftwaffe bestimmt, die als Erstkunde der Variante auftritt.
Saab hat den ersten Flug des Gripen F durchgeführt, der zweisitzigen Ausführung des Kampfflugzeugs Gripen E. Der Jet startete um 09:40 Uhr Ortszeit vom werkseigenen Flugplatz des Unternehmens im schwedischen Linköping und blieb 40 Minuten in der Luft. Besetzt war das Flugzeug mit Saab-Cheftestpilot Jakob Högberg und dem Testpiloten der brasilianischen Luftwaffe, Oberstleutnant Abdon de Rezende Vasconcelos. Nach Unternehmensangaben diente der Flug der Überprüfung der Kernsysteme sowie einer ersten Bewertung des Flugverhaltens.

Lars Tossman, Leiter des Geschäftsbereichs Aeronautics bei Saab, bezeichnete den Flug als wichtigen Schritt für das Unternehmen und die brasilianischen Streitkräfte und verwies auf die mehrjährige Entwicklungsarbeit schwedischer und brasilianischer Teams. Ziel der zweisitzigen Konfiguration sei es, die Pilotenausbildung zu beschleunigen und zugleich die Leistungsfähigkeit im Einsatz zu erhöhen.
Weiteres Erprobungsprogramm
Mit dem Erstflug beginnt die Flugerprobung des Musters. Nach den ersten Abnahmeflügen folgt eine schrittweise Erweiterung des Flugbereichs, in der die Grenzwerte für Geschwindigkeit, Flughöhe, G-Belastung und Anstellwinkel nacheinander freigegeben werden. Parallel dazu werden die taktischen Fähigkeiten sowie die Funktionen des hinteren Cockpits geprüft. Die Kampagne verantwortet das Flugtestzentrum von Saab in Schweden. Nach Abschluss der Erprobung und der Abnahmeverfahren soll die Maschine für die Übergabe an die brasilianische Luftwaffe vorbereitet werden.Anders als klassische Trainerversionen behält der Gripen F die volle Gefechtsfähigkeit. Das zweite Cockpit kann eigenständig oder gemeinsam mit dem vorderen Arbeitsplatz genutzt werden, sodass das Flugzeug sowohl für die Umschulung als auch für operative Einsätze in Frage kommt. Mit 15,9 Metern ist der Zweisitzer etwas länger als der 15,2 Meter lange Gripen E; maximale Startmasse von 16.500 Kilogramm und das Triebwerk vom Typ General Electric F414G der 98-Kilonewton-Klasse sind bei beiden Ausführungen identisch.
Der Erstflug erfolgte knapp drei Monate nach dem Rollout des ersten Gripen F, den Saab am 2. Juni in Linköping ausgerichtet hatte.
Brasilianischer Programmhintergrund
Der Gripen F geht auf die Rüstungskooperation zwischen Schweden und Brasilien zurück. Grundlage ist das Beschaffungsprogramm FX-2, in dessen Rahmen Brasilien 36 Flugzeuge bestellt hat, davon 28 einsitzige Gripen E und acht zweisitzige Gripen F. Die Entscheidung für das schwedische Muster fiel 2014 gegen die Mitbewerber Dassault Rafale und Boeing F/A-18E/F. Die Auslieferungen begannen 2020. Der ursprüngliche Zeitplan, der die Übergabe aller Maschinen binnen weniger Jahre vorsah, wurde inzwischen bis 2032 gestreckt.
Nach Angaben von Saab haben mehr als 350 brasilianische Ingenieure, Techniker und Piloten an Schulungen zu Entwicklung, Produktion, Flugerprobung und Instandhaltung teilgenommen. Industriepartner ist Embraer; die Endmontage eines Teils der Flotte erfolgt im Werk Gavião Peixoto im Bundesstaat São Paulo, eingebunden in eine internationale Lieferkette mit Komponenten unter anderem aus dem Saab-Werk São Bernardo do Campo. Dort wurde am 25. März 2026 das erste in Brasilien montierte Exemplar vorgestellt.In der brasilianischen Luftwaffe wird das Muster als F-39 geführt. Zur Ausstattung zählen ein AESA-Radar, Systeme zur elektronischen Kampfführung sowie der speziell für die FAB entwickelte Datenlink Link BR2; als Luft-Luft-Bewaffnung großer Reichweite ist der Flugkörper Meteor vorgesehen.
Neben Brasilien haben auch Kolumbien und Thailand die zweisitzige Ausführung bestellt, zwei beziehungsweise ein Flugzeug.
