Covenant plant Marschflugkörper-Fertigung bei Leipzig

Das US-Rüstungsunternehmen Covenant will ab 2027 in der Region Leipzig Mittelstreckenflugkörper produzieren. Nach Informationen von mit dem Vorhaben vertrauten Personen sollen die Waffen mehr als 1.500 Kilometer weit reichen und in Stückzahlen von bis zu 1.000 pro Jahr gefertigt werden.
F-35A | Foto: DVIDS / Staff Sgt. Andrew Lee

Das US-Rüstungsunternehmen Covenant will ab 2027 in der Region Leipzig Mittelstreckenflugkörper produzieren. Nach Informationen von mit dem Vorhaben vertrauten Personen sollen die Waffen mehr als 1.500 Kilometer weit reichen und in Stückzahlen von bis zu 1.000 pro Jahr gefertigt werden.

Reichweite, Stückzahl und Zulieferung

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 28. August unter Berufung auf Insider berichtete, plant Covenant den Aufbau einer Fertigung für Flugkörper mit einer Reichweite von über 1.500 Kilometern. Die jährliche Produktionskapazität soll bei voller Auslastung bis zu 1.000 Einheiten betragen. Obwohl es sich um ein US-Unternehmen handelt, sollen die Komponenten überwiegend aus Deutschland und weiteren europäischen Staaten zugeliefert werden. Covenant und das Bundesverteidigungsministerium wollten sich zu dem Bericht nicht äußern. Gegenüber dem Fachblog Augen geradeaus! verwies das Ministerium darauf, es handele sich um eine Frage der Industrie.

Nach Medienberichten sollen die Flugkörper im Bereich von wenigen Hunderttausend US-Dollar je Stück liegen und damit deutlich günstiger sein als ein Tomahawk. Belastbare technische Angaben zu Gewicht, Abmessungen oder weiteren Leistungsmerkmalen liegen bislang nicht vor.

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Hintergrund: Lücke bei weitreichenden Wirkmitteln

Die Bundesregierung sucht nach kostengünstigen und in großer Zahl verfügbaren Marschflugkörpern. Sie sollen teurere Langstreckensysteme ergänzen und eine Fähigkeitslücke schließen, die im Verteidigungsministerium seit Längerem benannt wird. Der bislang einzige weitreichende Marschflugkörper der Luftwaffe, der Taurus KEPD 350, erreicht rund 500 Kilometer.

Zusätzliche Dringlichkeit erhielt die Suche durch die Entwicklung beim US-System Tomahawk. Beim NATO-Gipfel 2024 hatten die USA angekündigt, ab 2026 wieder konventionell bestückte Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren. Im Mai 2026 bestätigte Bundeskanzler Friedrich Merz Medienberichte, wonach diese Stationierung zunächst nicht erfolgen werde, und verwies auf begrenzte US-Bestände. Das Portal Politico berichtete anschließend unter Berufung auf Regierungsvertreter, im Pentagon werde eine mögliche russische Reaktion auf die Stationierung als Risiko bewertet. Die Reuters-Quellen gehen davon aus, dass die USA trotz früherer Ankündigungen keine Tomahawk-Flugkörper mehr an Deutschland liefern werden.

Parallel arbeitet Deutschland gemeinsam mit europäischen Partnern im Rahmen des Programms ELSA an einer eigenen weitreichenden Wirkmittelfähigkeit. Diese Systeme stehen jedoch erst mittelfristig zur Verfügung.

Wenig bekannter Anbieter mit prominenten Investoren

Über Covenant ist vergleichsweise wenig öffentlich bekannt. Das Unternehmen wurde 2024 von Michael Kaufman gegründet, der zuvor bei Thiel Capital tätig war, unterhält Tochtergesellschaften in Israel und Deutschland und verfügt bislang über keine offizielle Website. Zu den Kapitalgebern zählen unter anderem Founders Fund, Andreessen Horowitz, Lux Capital und Lightspeed Venture Partners; die Entwicklungsarbeit findet Berichten zufolge überwiegend in Israel statt.

Als Hauptprodukt gilt der Marschflugkörper Anthem. Am 6. August 2026 führte das Unternehmen nahe Tan-Tan im Süden Marokkos einen ersten scharfen Schuss durch, gemeinsam mit US-Streitkräften und den marokkanischen Streitkräften auf dem neu eingerichteten Africa Multidomain Training and Experimentation Center. Der Test diente der Datenerhebung und nicht einer operativen Erprobung; vom Demonstrator bis zu einem serienreifen, in Streitkräfte integrierten System bleibt ein erheblicher Entwicklungsweg. Ob es sich bei dem für Leipzig vorgesehenen System um Anthem handelt, ist bislang nicht bestätigt.

Offene Punkte

Ein Auftrag der Bundeswehr liegt öffentlich nicht vor. Berichten zufolge hat das Verteidigungsministerium im Zuge seiner Planungen für eine Tiefschlagfähigkeit bereits Angebotsanfragen an Covenant gerichtet. Bereits im Juni hatte Politico berichtet, dass das Ministerium das Unternehmen bei der Suche nach günstigeren Optionen prüfe. Ungeklärt sind neben der Auftragslage auch Standortfragen, Genehmigungen und die exportkontrollrechtliche Ausgestaltung einer Fertigung, die auf US-israelischer Technologie und europäischen Zulieferketten beruhen soll.

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