Liebherr bringt sein militärisches Berge- und Kranfahrzeug MLTB 1025-4.1 auf die Fachmesse DVD im September nach Großbritannien. Das Fahrzeug verbindet Bergewinden und Teleskopkran auf einem geländegängigen Vierachs-Fahrgestell und ist bei der Bundeswehr bereits eingeführt.
Auf der Defence Vehicle Dynamics am 16. und 17. September im UTAC Millbrook zeigt Liebherr den MLTB 1025-4.1 zusammen mit dem mobilen Energiespeicher LPO 100. Das Bergefahrzeug ist auf Instandsetzungs- und Bergeaufgaben in vorderen Bereichen ausgelegt. Nach Herstellerangaben unterstützt es das Bergen, Abschleppen und Heben von Rad- und Kettenfahrzeugen auch in schwer zugänglichem Gelände und unter Zeitdruck.
Antrieb und Mobilität
Das Fahrzeug steht auf einem 8×8-Fahrgestell, wiegt 56 Tonnen und wird von einem Dieselmotor mit 544 PS angetrieben. Fünf Lenkprogramme sollen die Wendigkeit auch auf engem Raum sicherstellen. Für Fahrten abseits befestigter Straßen setzt Liebherr großvolumige Einzelreifen der Dimension 445/95 R25 mit Notlaufelementen ein. Eine halbautomatische Reifendruckregelanlage passt den Luftdruck je nach Untergrund zwischen vier und neun Bar an. Zusammen mit permanentem Allradantrieb, automatischen Längssperren, manuell zuschaltbaren Quersperren und einer theoretischen Steigfähigkeit von über 60 Prozent ergibt das ein Mobilitätsprofil, das an das der zu bergenden Fahrzeuge heranreichen soll.

Bergewinden und Kran
Zentrales Element für die Bergung sind zwei Winden des Herstellers Rotzler am Heck. Sie lassen sich synchronisiert betreiben und über eine Fernsteuerung bedienen, was koordinierte Zugvorgänge ohne feste Position des Bedieners erlaubt. Ergänzt wird die Ausstattung durch Bergestützen für einen stabilen Stand während des Zugs sowie einen Unterfahrlift zum Abschleppen. Abgeschleppt werden können Kettenfahrzeuge mit bis zu 48 Tonnen.
Der Teleskopkran erreicht eine maximale Traglast von 22,8 Tonnen bei einer Hubhöhe von 20,9 Metern und einer Ausladung von bis zu 18 Metern. Damit lassen sich Antriebsmodule, Fahrzeugkomponenten oder Container umsetzen, was Feldinstandsetzung ohne separates Kranfahrzeug ermöglicht. Das Teleskopieren erfolgt über ein hydromechanisches System mit Zweifach-Flaschenzug. Für die Stabilisierung beim Kranbetrieb nutzt das Fahrzeug das Abstützsystem VarioBase, das auch bei nicht vollständig ausgefahrenen Stützen Traglastwerte berechnet. Die Steuerung basiert auf dem konzerneigenen LICCON-System.
Schutz und Nutzung bei der Bundeswehr
Fahrerhaus und Krankabine sind in geschützter Ausführung verfügbar. Bei den Fahrzeugen der Bundeswehr bieten die Fahrerhäuser Schutz gegen ballistische Bedrohungen, Minen und improvisierte Sprengsätze und sind mit einer ABC-Schutzbelüftungsanlage ausgestattet; die Oberwagenkabine schützt den Kranführer ballistisch während der Arbeit.
Der MLTB ist keine Neuentwicklung für den Export. Liebherr erhielt im Juni 2017 vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr einen Auftrag über 71 geschützte Mobil- und Bergekrane im Wert von rund 150 Millionen Euro. Bei der Bundeswehr läuft der Typ als geschütztes Berge- und Kranfahrzeug (G-BKF), das Kranfahrzeug MLTM 1090-4.2 als überschwerer Mobilkran. Beide teilen sich baugleiche Kabinen. Unter der Exportbezeichnung MLTB 1025-4.1 zeigte Liebherr das System erstmals im Juni 2026 auf der Eurosatory in Paris.
Liebherr verweist zudem auf ein globales Servicenetz als Grundlage für Through Life Support sowie auf die Eignung für zivile Lagen wie Katastrophenhilfe. Ein konkretes britisches Beschaffungsvorhaben, auf das der Auftritt zielt, nennt das Unternehmen nicht.
