HYDEF Programm schließt Machbarkeitsphase ab

Das europäische Programm zur Entwicklung eines Abfangflugkörpers gegen Hyperschallwaffen hat seinen ersten Abschnitt technisch beendet. Bei Diehl Defence in Überlingen bestand HYDEF am 26. August 2026 den Preliminary Requirements Review.
Foto: UK MoD

Das europäische Programm zur Entwicklung eines Abfangflugkörpers gegen Hyperschallwaffen hat seinen ersten Abschnitt technisch beendet. Bei Diehl Defence in Überlingen bestand HYDEF am 26. August 2026 den Preliminary Requirements Review.

Abschluss des ersten Programmabschnitts

Mit dem erfolgreichen Preliminary Requirements Review (PRR) endet die Machbarkeitsphase des Programms EU HYDEF (European Hypersonic Defence Interceptor) einschließlich der frühen Reifung kritischer Technologien und Entwürfe. An der zweitägigen Sitzung am Standort von Diehl Defence nahmen die nationalen Projektkoordinatoren und technische Fachleute der beteiligten Staaten, Vertreter des Industriekonsortiums sowie die für HYDEF zuständige Programmabteilung der Rüstungsagentur OCCAR teil.

In der abgeschlossenen Phase wurde das ausgewählte Konzept vollständig definiert. Dazu zählen die technischen Lösungsansätze, die Entwicklungspläne sowie das physikalische und funktionale Konzept einschließlich der zugehörigen Funktionsarchitektur. Nach Angaben von OCCAR bestätigte die Prüfung, dass die Interoperabilitätsanforderungen über anerkannte internationale Standards abgedeckt sind, unter anderem über einschlägige NATO-STANAGs. Zudem legte das Konsortium Angaben zu den Lebenswegkosten des gewählten Konzepts vor.

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Technologiereife und Nachweisführung

Alle als kritisch eingestuften Technologien der Interceptor-Konfiguration Block 0 haben nach Darstellung von OCCAR mindestens den Technologiereifegrad TRL 3 erreicht. Diese Stufe entspricht einem experimentellen Nachweis der Funktionsfähigkeit im Labormaßstab. Der im Rahmen des PRR vorgelegte Technologieplan enthält eine umfassende TRL-Bewertung, benennt die wesentlichen technischen Risiken und verweist auf die Entwicklungsschritte, die zu einem Prototyp der physischen Elemente des Abfangflugkörpers auf TRL-6-Niveau führen sollen. TRL 6 bezeichnet die Erprobung eines Demonstrators in einer einsatznahen Umgebung.

Zu den Ergebnissen des Reviews gehören Abschlussberichte für sämtliche Arbeitspakete der frühen Technologiereifung, Bewertungsberichte, die ausgewählten Lösungskonzepte, Entwicklungspläne sowie Verifikationstabellen, die jede Aktivität dem jeweiligen Nachweis zuordnen. Die Tragfähigkeit der Technologien wurde über Simulationen, Analysen und Funktionstests belegt.

Formell endet der erste Programmabschnitt mit dem Abschlusstreffen am 22. Oktober 2026 in Madrid. OCCAR bezeichnet den Programmfortschritt als vor dem Zeitplan liegend und sieht HYDEF für den zweiten Abschnitt unter der Bezeichnung EATMI II gut aufgestellt.

Hintergrund des Programms

HYDEF geht auf eine Ausschreibung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2022 zurück. Im Oktober 2023 unterzeichnete OCCAR in Bonn mit dem spanischen Konsortialführer SMS (Sistemas de Misiles de España) eine Finanzhilfevereinbarung über 100 Millionen Euro aus dem Europäischen Verteidigungsfonds sowie einen begleitenden Beschaffungsvertrag über zehn Millionen Euro im Auftrag der teilnehmenden Staaten Belgien, Deutschland, Norwegen, Polen und Spanien. Vorgesehen war eine Laufzeit von 36 Monaten. Die technische Umsetzung liegt bei Diehl Defence, dem deutschen Systemhaus für Flugabwehr mit Sitz am Bodensee. Dem Konsortium gehören Unternehmen aus mehreren europäischen Staaten an, darunter Sonaca, Nammo, Beyond Gravity, GMV, Navantia und INTA.

Ziel ist ein Wirkverbund, der sowohl Hyperschall-Marschflugkörper als auch manövrierfähige Gleitflugkörper erfassen und bekämpfen kann. Die Anbindung soll nach Möglichkeit über vorhandene NATO-Führungssysteme der Raketenabwehr erfolgen, ergänzt um teils weltraumgestützte Sensorik.

Wettbewerb um die Folgephase

Parallel zu HYDEF verfolgt die EU seit 2023 mit HYDIS ein zweites, von MBDA geführtes Vorhaben mit vergleichbarer Zielsetzung. Für die anschließende Entwicklungsphase hat die Kommission im Arbeitsprogramm 2026 des Verteidigungsfonds unter dem Titel EDF-2026-DA-ACC-AIRDEF-EATMI rund 100 Millionen Euro vorgesehen, wobei nur ein Vorhaben gefördert werden soll. Beide Industriegruppen haben sich positioniert: Diehl und SMS haben im Juni 2026 eine Absichtserklärung für ein erweitertes HYDEF2-Konsortium unterzeichnet, MBDA hat mit HYDIS2dp einen Verbund aus 28 Partnern und 20 Unterauftragnehmern aus 18 Staaten gebildet. Die Ausschreibung sieht vor, dass der Abfangflugkörper bis 2030 auf Systemebene mindestens TRL 6 erreicht.

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