Das Luftfahrtamt der Bundeswehr hat dem unbemannten Aufklärungssystem LUNA NG eine vorläufige Verkehrszulassung erteilt. Die vollständige Musterzulassung steht aus, der Zulauf des ersten Seriensystems liegt rund sieben Jahre hinter der ursprünglichen Planung.
Zwischenschritt zur Musterzulassung
Rheinmetall hat am 1. September 2026 mitgeteilt, dass das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) für die LUNA NG eine vorläufige Verkehrszulassung ausgesprochen hat. Nach Unternehmensangaben ist damit ein Großteil der vorgesehenen Zulassungsanforderungen erfüllt. Die Arbeiten an der Musterzulassung laufen parallel weiter.
Die Unterscheidung hat praktische Folgen. Das LufABw prüft in der Musterprüfung anhand der technischen Dokumentation die Einhaltung von Bau- und Prüfvorschriften; die Musterzulassung dient anschließend als Vorgabe für Herstellung, Betrieb, Wartung und Instandsetzung der einzelnen Luftfahrzeuge. Ein Luftfahrzeug der Bundeswehr wird zum Luftverkehr zugelassen, wenn das Muster zugelassen und der Nachweis der Verkehrssicherheit erbracht ist. Prototypen und Vorserienluftfahrzeuge erhalten bei nachgewiesener Verkehrssicherheit eine vorläufige Verkehrszulassung. Die LUNA NG darf damit von der Bundeswehr eigenständig zu Ausbildungs- und Prüfzwecken betrieben werden.
Ziviler Prüfmaßstab
Rheinmetall gibt an, die LUNA NG erfülle zivile Sicherheitsstandards und sei deshalb nicht auf militärisch reservierte Lufträume beschränkt. Perspektivisch sei der reguläre Flug über dicht besiedeltem Gebiet möglich. Mike Schmidt, CEO der Business Unit Air Unmanned Space, verweist darauf, dass für die Zulassung dieselben Maßstäbe angelegt worden seien wie bei großen Verkehrsflugzeugen. Als besondere Schwierigkeit nennt er die Notwendigkeit, sicherheitskritische Komponenten wie Autopilot und Navigationssysteme in Eigenregie zu entwickeln und zuzulassen, da zertifizierte Lösungen für taktische unbemannte Luftfahrzeuge am Markt nicht verfügbar seien.

Zulassungen militärischer Drohnen nach luftfahrtrechtlichen Maßstäben sind in Deutschland kein Einzelfall. 2022 erteilte das LufABw dem System German Heron TP als erster Drohne dieser Art in Deutschland eine militärische Musterzulassung.
Erprobungsstand
Die technische Reife wurde nach Unternehmensangaben in Flugerprobungen unter zivilen Betriebsgenehmigungen nachgewiesen. Das System absolvierte rund 150 Flüge mit etwa 200 Flugstunden. Parallel bildete die Bundeswehr erste Steuerer und Nachprüfer auf dem Muster aus.
HUSAR als Nachfolger der KZO
Die Bundeswehr führt das System unter der Bezeichnung HUSAR ein, kurz für Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite. Beschafft wurden zwölf Serien- und ein Pilotsystem. Ein System umfasst fünf Aufklärungsdrohnen, zwei Bodenkontrollstationen, zwei Startfahrzeuge, zwei Antennenmasten, eine Werkstattausstattung und drei Transportplattformen. Empfänger sind die Heeresaufklärungstruppe und die Artillerie. Die Flugzeit beträgt nach Herstellerangaben mehr als zwölf Stunden, die maximale Flughöhe 5.000 Meter.
Verzug von rund sieben Jahren
Der Projektbeginn datiert auf 2016, die Einführung bei der Truppe war ursprünglich für 2019 vorgesehen. Im Dezember 2018 stellte die Bundeswehr einen Lehr- und Versuchszug HUSAR auf, im September 2019 durchlief das System eine taktische Einsatzprüfung beim Artillerielehrbataillon 345. Die Auslieferung des ersten Seriensystems war zu diesem Zeitpunkt für Ende 2019 geplant.Nach der Insolvenz des ursprünglichen Herstellers EMT im Dezember 2020
übernahm Rheinmetall den Beschaffungsvertrag; der Übernahmevertrag wurde 2022 geschlossen, der zugehörige Änderungsvertrag am 28. September 2023 unterzeichnet. Das Auftragsvolumen für die 13 Systeme beläuft sich auf 290,9 Millionen Euro. Aus der Vertragsübernahme ergaben sich Mehrkosten von rund 84 Millionen Euro, die eine erneute Vorlage im Haushaltsausschuss erforderlich machten.Der neue Terminplan wurde ebenfalls nicht eingehalten. Das für das zweite Quartal 2025 zugesagte erste Seriensystem wurde nicht ausgeliefert; eine Sprecherin des Beschaffungsamts bestätigte, dass sowohl die Einsatzprüfung als auch die Auslieferung wegen Lieferschwierigkeiten verschoben werden mussten.
Der Zulauf aller Systeme ist inzwischen für den Zeitraum 2025 bis 2028 angesetzt.HUSAR soll zunächst das Kleinfluggerät Zielortung (KZO) ablösen. Dessen Nutzungsdauer wurde in der Artillerietruppe und der Heeresaufklärungstruppe von 2023 auf 2026 verlängert, weil der Nachfolger später zur Verfügung stehen wird.
Das Nutzungsdauerende ist damit im laufenden Jahr erreicht, während die Musterzulassung des Nachfolgesystems aussteht und die vorläufige Verkehrszulassung nur den Betrieb zu Ausbildungs- und Prüfzwecken abdeckt. In einem zweiten Schritt soll HUSAR auch das System LUNA ersetzen, dessen Nutzungsdauer bis 2028 angesetzt ist.
