Keen Sword 27: Bundeswehr übt Verwundetenversorgung mit Japan

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat bei der Übung Keen Sword 27 in Japan gemeinsam mit den japanischen Streitkräften und weiteren Partnern die multinationale Versorgung Verwundeter trainiert. Deutschland und Japan wollen ihre sanitätsdienstliche Kooperation nun mit gemeinsamen Projekten fortsetzen.
Foto: Bundeswehr / S. Hähnel

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat bei der Übung Keen Sword 27 in Japan gemeinsam mit den japanischen Streitkräften und weiteren Partnern die multinationale Versorgung Verwundeter trainiert. Deutschland und Japan wollen ihre sanitätsdienstliche Kooperation nun mit gemeinsamen Projekten fortsetzen.

Die Bundeswehr hat sich mit Sanitätskräften an der Übung Keen Sword 27 in Japan beteiligt. Gemeinsam mit den Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften sowie Sanitätspersonal aus Neuseeland, den USA, den Philippinen und den Niederlanden wurde die Zusammenarbeit bei der Versorgung Verwundeter unter einsatznahen Bedingungen geübt. Nach Angaben des Unterstützungskommandos der Bundeswehr hat die Übung gezeigt, dass Sanitätsdienste trotz unterschiedlicher Strukturen, Kommunikationswege und Doktrinen in multinationalen Teams wirksam zusammenarbeiten können.

Großübung im Indo-Pazifik

Keen Sword ist eine regelmäßig stattfindende Übung der japanischen und US-amerikanischen Streitkräfte. Die bilaterale Übungsreihe geht auf das Jahr 1985 zurück und wechselt zwischen Feldübungen unter dem Namen Keen Sword und Stabsrahmenübungen unter dem Namen Keen Edge; die aktuelle Ausgabe ist die 18. Feldübung. Nach Angaben eines Sprechers nahmen rund 56.000 japanische und US-amerikanische Soldatinnen und Soldaten sowie Kräfte aus sieben Partnerstaaten teil, die Übung lief bis zum 29. Oktober. Neben Deutschland waren Australien, Kanada, Frankreich, die Niederlande, Neuseeland und die Philippinen beteiligt, Südkorea und das Vereinigte Königreich entsandten Beobachter.

Für die Bundeswehr war es die erste Teilnahme. Rund 100 deutsche Soldatinnen und Soldaten trainierten mit Sanitätskräften anderer Nationen die Versorgung und Evakuierung Verwundeter. Zusätzlich waren unter anderem Kräfte der ABC-Abwehr sowie die Luftwaffe mit einem Transportflugzeug A400M eingebunden. Schwerpunkt der deutschen Beteiligung war der japanische Luftwaffenstützpunkt Iruma bei Tokio, in das Szenario war zudem die Insel Okinawa einbezogen.

Role 2, Lufttransport und Dekontamination

Im Zentrum der Übung standen drei Fähigkeiten: die Verlegung und der Betrieb einer sanitätsdienstlichen Behandlungseinrichtung der Ebene 2 (Role 2), die luftgestützte Verwundetenversorgung (AirMedevac) sowie der Vorgeschobene Leichte Entstrahlungs-, Entseuchungs- und Entgiftungsplatz (VLEP), an dem Personen nach einer Kontamination mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Stoffen behandelt werden. Ziel war es zu prüfen, wie die Verfahren und Fähigkeiten der beteiligten Nationen ineinandergreifen.

Geübt wurde dabei eine durchgehende Rettungskette. Verwundete wurden mit dem A400M von Okinawa ausgeflogen und in Tokio in der deutschen Role 2 weiterversorgt, anschließend führte die Behandlungskette in ein japanisches Militärkrankenhaus der Ebene 3.

Begegnung mit dem Bundeskanzler

Die Erfahrungen der Übung wurden auch Bundeskanzler Friedrich Merz vermittelt, der während seiner Asienreise mit deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Keen Sword 27 zusammentraf. Merz war am 28. Oktober in Tokio mit der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi zusammengekommen und hatte für eine engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit geworben. Bereits im März hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch in Tokio die Bedeutung der Kooperation gleichgesinnter Partner hervorgehoben. Die Bundeswehr wertet den Umfang der deutschen Beteiligung auf japanischem Boden als Signal für die bilaterale Zusammenarbeit.

Kooperation soll fortgesetzt werden

Nach Gesprächen mit der Führung des japanischen Sanitätsdienstes haben sich beide Seiten darauf verständigt, die Zusammenarbeit über die Übung hinaus weiterzuentwickeln. Geplant sind mehrere gemeinsame Projekte, um den fachlichen Austausch zu vertiefen und weitere gemeinsame Aktivitäten und Übungen durchzuführen.

Die Bundeswehr ordnet die Beteiligung in einen größeren sicherheitspolitischen Rahmen ein. Der Indo-Pazifik gilt als strategisch bedeutsame Region, in der nach Auffassung der Bundeswehr Staaten, die für eine regelbasierte Ordnung eintreten, enger kooperieren und im Bedarfsfall gemeinsam handeln können sollten.

Der Befehlshaber Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, dankte den beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie den japanischen Gastgebern für die Zusammenarbeit. Hoffmann betonte, die Übung habe gezeigt, dass Unterschiede überwindbar seien, wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgten. Auf dieser Grundlage wollen Deutschland und Japan ihre Partnerschaft weiter ausbauen.

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