Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 4. November 2026 sechs Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr gebilligt. Neben Wirkmitteln für die Drohne German Heron TP geht es um geschützte Sanitätseinrichtungen, Funktechnik, Nachtsichtgeräte, Radarkomponenten für den Eurofighter und Übungsmunition.
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner Sitzung am 4. November 2026 sechs sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlagen gebilligt. Das teilte das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) mit. Alle Vorhaben werden aus dem Verteidigungshaushalt finanziert. Nach Informationen von hartpunkt umfassen die freigegebenen Mittel zusammen knapp 1,5 Milliarden Euro; das Ministerium nannte keine Beträge. Eine ursprünglich ebenfalls angesetzte Vorlage zur Beschaffung von Panzerabwehrlenkflugkörpern Spike ER2 für den Leichten Kampfhubschrauber wurde demnach kurzfristig von der Tagesordnung genommen und soll zu einem späteren Termin behandelt werden.
Geschützte Sanitätseinrichtungen als größter Posten
Rund die Hälfte der Summe, knapp 750 Millionen Euro, entfällt nach hartpunkt-Informationen auf den Abruf von 16 weiteren geschützten, hochmobilen Sanitätseinrichtungen der Behandlungsebene 2 (NATO Role 2B). Grundlage ist ein Ende 2025 mit Rheinmetall geschlossener Rahmenvertrag. Der Abruf ergänzt die im Vorjahr bestellten Systeme und schließt die medizinische Geräteausstattung ein.
Eine Einrichtung besteht laut BMVg aus elf ballistisch geschützten Fahrzeugen sowie geschützten Multifunktionscontainern, die auch während des Betriebs auf den geländegängigen Fahrzeugen verbleiben. Vorgesehen sind die Einrichtungen für die notfallchirurgische und intensivmedizinische Versorgung nach NATO-Standards in unmittelbarer Nähe mechanisierter Landstreitkräfte. Über diese Fähigkeit verfügt die Bundeswehr nach Ministeriumsangaben bislang nicht. Die Auslieferung der ersten Bestellung soll 2027 beginnen.
Präzisionswirkmittel für German Heron TP
Für die Ergänzungsbeschaffung von Bewaffnung für das unbemannte Luftfahrzeugsystem German Heron TP wurden laut hartpunkt mehr als 250 Millionen Euro freigegeben. Das als „PAYLOAD 1“ bezeichnete Wirkmittel ist demnach für die präzise Bekämpfung von Punktzielen ausgelegt.
Die Drohne hat nach BMVg-Angaben eine Spannweite von 26 Metern, eine Nutzlast von 1,6 Tonnen und kann bis zu 27 Stunden ohne Unterbrechung in der Luft bleiben. Ursprünglich vor allem für die internationale Krisenbewältigung vorgesehen, ist das System inzwischen auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet. Die grundsätzliche Bewaffnung hatte der Haushaltsausschuss nach jahrelanger politischer Debatte im April 2022 freigegeben. Seitdem können die Drohnen mit eigens dafür vorgesehenen Präzisionslenkflugkörpern ausgerüstet werden.
Funk ohne Sichtverbindung und Nachtkampffähigkeit
Weiterhin billigte der Ausschuss die Beschaffung tragbarer Troposcatter-Systeme. Bei diesem Verfahren, auch Troposphärenfunk genannt, werden Funkwellen in der Troposphäre gestreut. Anders als beim herkömmlichen Richtfunk ist dadurch keine direkte Sichtverbindung zwischen den Funkstellen nötig. Die Systeme sollen das Taktische Wide Area Network Landbasierte Operationen (TaWAN LBO) um eine satellitenunabhängige Übertragungsmöglichkeit ergänzen und laut BMVg die Führungsfähigkeit auch in schwierigem Gelände sichern. Nach hartpunkt-Informationen geht es um rund 60 Millionen Euro für eine niedrige dreistellige Stückzahl. Vertragspartner soll die JK Defence & Security GmbH sein, beschafft werden soll demnach das tragbare System COMET des US-Herstellers Comtech.
Fast 200 Millionen Euro entfallen laut hartpunkt auf Restlichtverstärker-Vorsatzgeräte mittlerer Reichweite vom Typ DAMON MR. Die Bundeswehr darf demnach mit der deutschen Tochter des griechischen Herstellers Theon Sensors eine Rahmenvereinbarung über bis zu 60.000 Sätze schließen, von denen zunächst rund 25.000 fest bestellt werden. Die kompakten Clip-on-Geräte werden vor die Optik von Handwaffen wie den Sturmgewehren G36 und G95 oder dem Maschinengewehr MG4 gesetzt. Bei Dunkelheit sollen sich damit Personen auf mehrere hundert Meter erkennen lassen. Die Lieferungen sollen noch 2026 beginnen und bis 2028 laufen.
Eurofighter-Radar und Übungsmunition
Darüber hinaus darf die Bundeswehr verbesserte Radarprozessoren und Stromversorgungen für das E-Scan-Radar Mk1 der Eurofighter der Tranche 4 („Quadriga“) beauftragen. Das Radar entwickeln und fertigen Hensoldt und das spanische Unternehmen Indra. Laut BMVg sollen die neuen Komponenten die Rechenleistung und damit die Leistung des Radars insgesamt deutlich steigern. Die Änderung des Produktionsvertrags der vier Eurofighter-Partnernationen betrifft nur Deutschland und Spanien. Beide Länder hatten bereits im April 2024 entschieden, die neuen Subsysteme in den Ausbaustand Mk1 Step 1 aufzunehmen. Das Quadriga-Programm umfasst 38 Flugzeuge, die die ältesten Eurofighter der Tranche 1 ersetzen sollen.
Den letzten Posten bilden Übungspatronen mit Leuchtspur im Kaliber 30 × 173 mm (DM58 TP-T) von Rheinmetall für die Schützenpanzer Puma und Schakal sowie den Schweren Waffenträger Infanterie. Die Leuchtspur macht die Flugbahn der Geschosse sichtbar. Eingesetzt wird die Munition in der Schieß- und Gefechtsausbildung der gepanzerten Kräfte des Heeres.
