Das Marinekommando hat seinen Jahresbericht „Maritime Abhängigkeiten Deutschlands 2025“ veröffentlicht. Der Bericht bilanziert maritime Sicherheitslage, Seehandel, Hafenumschlag, Schiffbau und Handelsflotte und ordnet zusätzlich die Folgen des Konflikts um die Straße von Hormus ein.
Herausgeber und Aufbau
Herausgeber des Berichts mit Stand 15. Oktober 2026 ist das Marinekommando in Rostock, die Redaktion liegt bei der Marineschifffahrtleitung (MSchLtg) in Hamburg. Die Dienststelle verbindet zivile Seeschifffahrt und Marine, berät Handels- und Kriegsschiffe im Rahmen der Naval Co-operation and Guidance for Shipping (NCAGS) und stützt sich dabei stark auf Reservisten aus der Handelsschifffahrt. Der Bericht gliedert sich in vier Teile: aktuelle Entwicklungen, maritime Sicherheit, Handel und Transport sowie Schiffbau und Handelsflotte. Mehrere Beiträge stammen von Gastautoren und geben deren persönliche Auffassung wieder.
Im Vorwort betont der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz, dass Angriffe auf entfernte Seewege unmittelbar auf Energiepreise und Lieferketten in Deutschland wirken. Als Bedrohung in heimischen Gewässern nennt er Ausspähversuche an der Küste sowie das Auftreten der russischen Schattenflotte. Schwerpunkt der Marine bleibe die Landes- und Bündnisverteidigung an der NATO-Nordflanke.
Straße von Hormus weitgehend gesperrt
Kapitän zur See Sebastian Hamann zieht eine Zwischenbilanz des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran seit dem 28. Februar 2026. Vor Kriegsbeginn passierten täglich rund 120 Schiffe die Meerenge. Zwischen dem 1. März und dem 18. August waren es insgesamt 3.456 Seeschiffe, etwa 20 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die MSchLtg zählt 49 angegriffene Schiffe bis Ende Juli. Iranische Angriffe trafen zudem Energieinfrastruktur in der Region, darunter die LNG-Anlage Ras Laffan in Katar. Die seit April geltende US-Seeblockade hielt bis zum 20. September nach US-Angaben rund 250 Schiffe auf. Hamann rechnet nicht mit einer baldigen freien Durchfahrt und erwartet eine weiter angespannte Gasversorgung.
Direkt ist Deutschland nur begrenzt betroffen: Nach Kenntnis der Bundesregierung wurde weder 2025 noch 2026 für den deutschen Markt bestimmtes LNG durch die Straße von Hormus transportiert. Auf den direkten Verkehr mit den Golfstaaten entfielen 2025 rund 4 Millionen Tonnen oder 1,4 Prozent des Umschlags deutscher Seehäfen. Die Wirkung entsteht vor allem über Weltmarktpreise, Frachtraten und Versicherungsprämien.
Hybride Bedrohungen und Rechtsrahmen
Der Jurist Tim R. Salomon, bis September 2026 Dezernatsleiter Einsatzrecht im Marinekommando, beschreibt, wie Russland die ausschließliche Zuständigkeit des Flaggenstaats und schwer zurechenbare Sabotageakte nutzt. Er plädiert dafür, das bestehende Verfassungs- und Völkerrecht auszuschöpfen, statt auf neue Gesetze zu setzen. Der Verteidigungsauftrag nach Artikel 87a Grundgesetz biete bereits flexible Handlungsgrundlagen. Auch die Piraterieregeln des Seerechtsübereinkommens ließen sich nach seiner Auslegung auf Sabotage an Infrastruktur in internationalen Gewässern anwenden. Moritz Brake und Jan Sälzer ordnen die Arktis als Raum dauerhafter Konkurrenz ein, in dem hybride Konfliktformen wahrscheinlicher seien als ein offener Krieg.
Sicherheitslage auf See 2025
Nach Angaben des französischen MICA Center beschädigten oder versenkten die Huthi 2025 zehn Handelsschiffe, im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg wurden 25 Schiffe beschädigt, doppelt so viele wie im Vorjahr. Laut UNCTAD lagen die Durchfahrten durch den Suezkanal im Mai 2025 rund 70 Prozent unter dem Durchschnitt von 2023. Das Piracy Reporting Centre zählte weltweit 137 Piraterievorfälle, den höchsten Wert seit fünf Jahren, aber deutlich weniger als zwischen 2010 und 2015. Schwerpunkt war die Straße von Singapur, die schwersten Fälle mit Entführungen ereigneten sich im Golf von Guinea und vor Somalia. Beim Drogenschmuggel stellte das Maritime Analysis and Operations Centre – Narcotics 92 Tonnen Kokain sicher, die Funde im Hamburger Hafen gingen dagegen stark zurück.
Handel, Häfen und Seetransport
Der deutsche Seegüterumschlag stieg 2025 um 3,8 Prozent auf 284,4 Millionen Tonnen, der Erdgasumschlag um 49 Prozent auf 7,4 Millionen Tonnen. Wichtigster Partner im Seeverkehr blieben die USA, die Exporte dorthin sanken nach Wert jedoch um 9,4 Prozent. Für strategische Verlegungen greift die Bundeswehr über das deutsch-dänische Ark-Projekt auf 21.000 Spurmeter Transportraum zu, erste Kapazitäten stehen binnen fünf Tagen bereit. Seit 2026 stellt die Reederei DFDS dafür bis zu acht Schiffe.
Schiffbau und Handelsflotte
Deutsche Werften lieferten 2025 zwölf Schiffe im Wert von 3,43 Milliarden Euro aus, der Auftragsbestand lag bei 14,3 Milliarden Euro. Mehr als ein Drittel des Umsatzes entfällt auf Kriegsschiffe. Die deutsche Handelsflotte umfasste Ende 2025 1.655 Schiffe, davon fuhren nur 267 unter deutscher Flagge. Nach Eignerschaft liegt Deutschland weltweit auf Rang sieben. Der Anteil deutscher Seeleute am gemeldeten Personal sank auf 61,1 Prozent.
