Das Verteidigungsministerium will das zentrale Beschaffungsamt der Bundeswehr umbauen. Ziel sind kürzere Verfahren, eine stärkere Förderung von Innovationen und eine engere Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie.
Vorstellung im Verteidigungsausschuss
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die sogenannte Reformagenda Rüstung am 20. Mai 2026 im Verteidigungsausschuss des Bundestags präsentiert. Im Zentrum steht das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Hauptsitz in Koblenz, das sämtliche Beschaffungsprojekte der Streitkräfte abwickelt. Die bestehenden Strukturen sollen an das in den vergangenen Jahren stark gestiegene Auftragsvolumen angepasst werden.
Die Reform geht auf einen Auftrag aus dem November 2025 zurück: Auf der Bundeswehrtagung hatte Pistorius Staatssekretär Jens Plötner beauftragt, bis Mai 2026 ein Strukturkonzept vorzulegen. Nach Angaben des Ministeriums flossen dabei mehr als 600 Vorschläge aus der Belegschaft des Amtes sowie Impulse einer externen, ehrenamtlich tätigen Expertengruppe aus Wissenschaft und Wirtschaft ein.

Neue Binnenstruktur und gestraffte Verfahren
Künftig soll das BAAINBw in einer Matrix-Organisation arbeiten, die an den fünf Dimensionen Land, See, Luft, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausgerichtet ist. Programm- und Projektteams werden je nach Vorhaben zusammengestellt, um schneller und gezielter arbeiten zu können. Gleichzeitig sollen verlässliche Schnittstellen zu den Teilstreitkräften und zur Industrie erhalten bleiben.
Auch die Beschaffungsverfahren selbst sollen vereinfacht und standardisiert werden. Bei bereits am Markt verfügbaren Lösungen will das Amt die Verfahrensschritte auf das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß begrenzen, um Zeit zu sparen. Daneben soll das BAAINBw zu einer zentralen Stelle für Markt- und Technologiebeobachtung ausgebaut werden. Mehr Gewicht erhalten dabei die Kontrolle von Lieferanten und Lieferketten sowie die Preiskontrolle – angesichts stark gestiegener Rüstungsausgaben begründet das Ministerium dies mit der Notwendigkeit sorgfältiger Kostenkontrolle. Innovative technische Lösungen sollen über offene Ausschreibungen gefördert werden, multinationale Beschaffungskooperationen vor allem mit europäischen Partnern sollen die strategische Autonomie stärken.
Mehr Präsenz in Deutschland und Europa
Ein weiteres Element der Agenda ist der Ausbau der regionalen Präsenz. Der Hauptsitz Koblenz bleibt erhalten; eine Verlagerung oder eine Umwandlung in eine Agentur ist nach früheren Aussagen von Pistorius nicht vorgesehen. Stattdessen sollen zusätzliche Standorte näher an Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen entstehen, auch um leichter qualifiziertes Personal zu gewinnen.
Der Standort Dresden wird erweitert und konzentriert sich auf IT in der Cyberdomäne. In Bremen soll eine neue Repräsentanz für die Bereiche Weltraum und See eingerichtet werden, in Brüssel ein Büro für die Vernetzung mit EU und NATO. Zusätzlich zum im Februar 2026 eröffneten Innovationszentrum in Erding ist ein weiteres Zentrum in Kiel geplant, das voraussichtlich noch 2026 aufgebaut wird und einen maritimen Schwerpunkt erhält. Ein drittes Innovationszentrum wird laut Pistorius bereits geplant; der Standort soll in einigen Monaten benannt werden.
Hintergrund: Wachsende Rüstungsausgaben
Nach Darstellung der Bundeswehr wurden zwischen 2023 und 2025 rund 189 Milliarden Euro in Rüstungsgüter investiert, finanziert unter anderem aus dem 2022 beschlossenen Sondervermögen von 100 Milliarden Euro und einem erhöhten Verteidigungshaushalt. Die Investitionen flossen etwa in Kampfjets, Luftverteidigung, die Digitalisierung des Heeres und Projekte mit künstlicher Intelligenz.
Allein 2025 schloss das BAAINBw nach eigenen Angaben mehr als 11.500 Verträge mit einem Gesamtvolumen von annähernd 34 Milliarden Euro ab und übergab Ausrüstung im Wert von rund 24 Milliarden Euro an die Truppe. Das Ministerium begründet den weiteren Reformbedarf mit dem geplanten personellen und materiellen Wachstum der Streitkräfte sowie mit der Bedrohungslage: Als sicherheitspolitischer Bezugspunkt wird wiederholt das Jahr 2029 genannt, ab dem nach Einschätzung der Bundeswehr ein russischer Angriff auf Zentraleuropa nicht ausgeschlossen wird. Die Reformagenda ergänzt weitere Vorhaben des Ministeriums, darunter ein Gesetz zur Beschleunigung von Beschaffungen.
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