Das deutsche Rüstungs- und Softwareunternehmen Helsing und der Raumfahrtkonzern OHB gründen ein Gemeinschaftsunternehmen für ein satellitengestütztes System zur militärischen Aufklärung und Zielerfassung. OHB tritt damit zugleich einem bereits bestehenden europäischen Konsortium als vierter Partner bei.
Was geplant ist
Helsing und OHB gaben am 19. Mai 2026 die Gründung eines Joint Ventures bekannt, das unter dem Arbeitstitel „KIRK“ (Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz) entstehen soll. Das Gemeinschaftsunternehmen ist auf die Entwicklung eines weltraumbasierten Systems für Überwachung, Aufklärung und Zielerfassung ausgerichtet. Über das Joint Venture übernehmen beide Unternehmen gemeinsam die Führung eines Industriekonsortiums, dem auch Kongsberg Defence & Aerospace und HENSOLDT angehören.
Die ursprüngliche Partnerschaft zwischen Helsing, Kongsberg und HENSOLDT war im Dezember 2025 vereinbart worden und zielte auf den Aufbau einer europäischen weltraumgestützten Fähigkeit zur taktischen Erfassung. Mit dem Beitritt von OHB kommt nun die Kompetenz eines etablierten Satellitenherstellers hinzu. Den eigenen Angaben zufolge schließt das Konsortium damit eine Fähigkeitslücke auf dem modernen Gefechtsfeld, auf dem herkömmliche Aufklärung allein nicht mehr ausreiche.

Technischer Ansatz
Im Zentrum des Vorhabens steht die Verkürzung der Zeitspanne zwischen Datenerfassung im Orbit und der Reaktion am Boden – von den Unternehmen als „time to information“ bezeichnet. Eine weltraumgestützte Überwachungs- und Aufklärungslösung soll mit einem KI-basierten Zielerfassungssystem kombiniert werden, das eine Zielerfassung nahezu in Echtzeit erlaubt und so die Grundlage für den Einsatz moderner Abstandswaffen bilden soll.
Technisch verfolgt das Projekt einen softwarezentrierten Aufbau. Künstliche Intelligenz soll das Gesamtsystem steuern und die bordseitige Verarbeitung in Richtung Echtzeitfähigkeit optimieren. Die Satelliten sollen „software-defined“ ausgelegt werden, sodass sie auf neue Bedrohungslagen dynamisch reagieren können.
Die Aufgaben verteilen sich entlang der jeweiligen Stärken der Partner. Helsing steuert nach eigenen Angaben einsatzerprobte KI für den Weltraum bei, darunter On- und Offboard-Datenverarbeitung, Multisensorfusion und automatisierte Zielerkennung. OHB verantwortet Implementierung und Betrieb schlüsselfertiger Raumfahrtsysteme für Erdbeobachtung, Kommunikation, Navigation und Aufklärung sowie die Entwicklung von Nutzlasten. HENSOLDT liefert weltraumtaugliche Sensorik für allwetterfähige, dauerhafte Überwachung samt mobiler Bodenstationen, Kongsberg steuert End-to-End-Systeme mit Kleinsatelliten, sicherer Kommunikation, C4ISR-Integration und einem globalen Bodenstationsnetzwerk (KSAT) bei. Vorgesehen ist zudem eine gezielte Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen, Start-ups und Zulieferern – nach Darstellung der Beteiligten auch mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung, eine wettbewerbsfähige Raumfahrtwirtschaft aufzubauen.
Bezug zur Bundeswehr
Medienberichten zufolge zielt das Konsortium auf einen konkreten Beschaffungsbedarf der Bundeswehr. Demnach will sich die Allianz um den Auftrag für das Weltraum-Aufklärungsprojekt „Spock 2“ bewerben, das eine kontinuierliche Verfolgung von Truppen und Fahrzeugen ermöglichen soll. Finanzielle Details des Joint Ventures wurden nicht veröffentlicht.
Die Initiative knüpft an bestehende Programme an: OHB ist seit Jahren Hauptauftragnehmer des Bundeswehr-Aufklärungssystems SARah, das das ältere SAR-Lupe-System ablöst. SARah besteht aus zwei Bildaufklärungssatelliten von OHB auf Basis der Reflektorantennen-Technologie und einem weiteren Satelliten von Airbus mit Phased-Array-Antennen, ergänzt um Bodenstationen. Die Konstellation aus drei Satelliten und mindestens einer Bodenstation war mit Stand Mai 2025 vollständig in Betrieb. Diese Systeme dienen der strategischen, abbildenden Aufklärung; KIRK zielt demgegenüber stärker auf taktische, nahezu echtzeitfähige Zielerfassung.
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