F126 gestoppt: Warum die Marine jetzt auf die MEKO A-200 setzt

F126 gestoppt: Warum die Marine jetzt auf die MEKO A-200 setzt
MEKO A-200 DEU | Foto: TKMS

Zwei Wochen nach dem Aus für das FCAS-Programm hat das Verteidigungsministerium den Abbruch eines weiteren milliardenschweren Rüstungsvorhabens verkündet: Das F126-Projekt wird nicht fortgeführt. Stattdessen plant das Ministerium die Beschaffung von bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU von TKMS. Dieser Beitrag beleuchtet, warum das F126-Projekt beendet wurde und wie es mit der MEKO A-200 DEU weitergehen soll.

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F126-Projekt beendet

Das Bundesministerium der Verteidigung hat entschieden, den Bau der sechs Fregatten des Typs F126 nicht weiter zu verfolgen und das gesamte Projekt zu beenden. Hinter dieser Entscheidung steckt eine ganze Reihe von Problemen, die sich über die vergangenen Jahre aufgetan haben. Das erste Schiff sollte Mitte 2028 an die Marine übergeben werden, und bis 2033 sollten alle sechs bestellten Fregatten der Klasse 126 ausgeliefert sein. Die Gesamtkosten kalkulierte man damals mit rund zehn Milliarden Euro.

Als Generalunternehmer wurde zunächst das niederländische Unternehmen Damen beauftragt. Doch genau hier nahmen die Schwierigkeiten ihren Lauf. Damen war nicht in der Lage, den vereinbarten Zeitplan und den finanziellen Rahmen einzuhalten. Der entscheidende Knackpunkt klingt zunächst nach einem nebensächlichen technischen Detail, entpuppte sich aber als massives Hindernis: Es gab gravierende Probleme mit den IT-Schnittstellen der firmeneigenen Konstruktions- und Fertigungssoftware. Im Kern ging es um die Handhabung der Dassault-Software, die für das Erstellen und die Weitergabe der Konstruktionsdaten unverzichtbar ist. Damen beherrschte diese Software offenbar nicht hinreichend, sodass die Baupläne nicht fehlerfrei an die deutschen Werften übermittelt werden konnten, auf denen der eigentliche Bau stattfinden sollte. Die Folge waren aufwendige und teure Korrekturen – sowohl beim niederländischen Generalunternehmer als auch bei den deutschen Zulieferern, die nachbessern mussten, weil die technischen Pläne nicht sauber ankamen.

Als Damen schließlich mitteilte, dass sich der Auftrag erheblich verzögere und ein Bau weder im vereinbarten Zeitrahmen noch zum vereinbarten Preis möglich sei, suchte das Verteidigungsministerium ab 2025 nach einem Ausweg. Intensiv geprüft wurde ein Wechsel des Generalunternehmers hin zu Naval Vessels Lürssen, kurz NVL, heute Teil von Rheinmetall. Diese Prüfung ist inzwischen abgeschlossen – mit einem negativen Ergebnis. Ein solcher Wechsel hätte erhebliche Mehrkosten verursacht. Für den neuen Vertrag mit NVL stand eine Größenordnung von rund 15,2 Milliarden Euro im Raum. Rechnet man die bereits auf Basis des alten Vertrags mit Damen erbrachten Leistungen sowie notwendige Verträge für Beistellungen und Unterstützungsleistungen hinzu, wäre der Gesamtfinanzbedarf für die F126 auf über 18 Milliarden Euro gestiegen – fast eine Verdopplung gegenüber der ursprünglichen Kalkulation.

Hinzu kam ein juristisches Problem: Bei einem Wechsel des Generalunternehmers hätte der Bund vertraglich auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber Damen verzichten müssen. Genau das widerspricht jedoch dem Anspruch des Ministeriums an einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern, schließlich hat Damen seine vertraglichen Leistungen nicht erfüllt. Wie hoch diese Ansprüche tatsächlich ausfallen, wird derzeit noch juristisch geprüft. Erschwerend kommt hinzu, dass Damen sich seinerseits Regressforderungen gegen die Bundesregierung vorbehält – ein Risiko, das als kaum kalkulierbar gilt und für Minister Pistorius mit ausschlaggebend für den Kurswechsel war. Nach Informationen des SPIEGEL soll Pistorius bereits das Bundeskanzleramt informiert und sich mit Kanzler Friedrich Merz abgestimmt haben, auch wenn es dafür zunächst keine offizielle Bestätigung gab.

Unter dem Strich führten also die massiven Verzögerungen, die absehbaren Kostensteigerungen und die schwer kalkulierbaren rechtlichen Risiken eines Wechsels des Generalunternehmers dazu, dass das Verteidigungsministerium dem Projekt F126 ein Ende setzte. Was bleibt, ist ein Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro und die noch offene Frage, wie mit den Unterauftragnehmern umgegangen wird, die bereits erhebliche Vorleistungen erbracht haben.

F126: Rheinmetall fordert zwölf Milliarden Euro – Zweifel am Sinn des Projekts wachsen
F126 | Foto: Damen Schelde Naval Shipbuilding

Die Alternative: MEKO A-200 DEU

Als Ersatz plant das Verteidigungsministerium nun die Beschaffung von bis zu acht MEKO A-200 DEU, die in erster Linie für die U-Boot-Jagd eingesetzt werden sollen. Diese werden bei der Marine als Fregatte Klasse 128, kurz F128, bezeichnet. Der Inspekteur der Marine hat nach intensiver Prüfung bestätigt, dass die MEKO A-200 DEU in der Lage wäre, die Anforderungen im Bereich der U-Boot-Jagd und die NATO-Verpflichtungen zu erfüllen. Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich daraus, dass die Marine künftig auf einen einheitlichen Schiffstyp setzt, was Betrieb, Wartung und Ausbildung deutlich vereinfacht.

Die Beschaffung soll in zwei Losen erfolgen. Für die ersten vier Fregatten sind 6,3 Milliarden Euro angesetzt – das ergibt einen Stückpreis von rund 1,6 Milliarden Euro. Optional können bis Ende des Jahres vier weitere Fregatten für rund 5,3 Milliarden Euro bestellt werden. Insgesamt würde die Beschaffung von acht F128 also mit rund 11,6 Milliarden Euro zu Buche schlagen – deutlich mehr als ursprünglich geplant. Ursprünglich war rund eine Milliarde Euro pro Fregatte angesetzt.

Die höheren Kosten begründet das BMVg wie folgt: „Die Kostensteigerungen der Fregatten MEKO A-200 gegenüber der im Haushalt ursprünglich veranschlagten Summe basieren auf der Umwandlung der industrieseitigen Kostenschätzung in ein verbindliches Vertragsangebot der TKMS. Die nach eingehender Prüfung der Marine unverzichtbaren Maßnahmen zur Ergänzung des Angebots machen dabei nur rund fünf Prozent der Gesamtkosten aus und sind damit kein maßgeblicher Treiber für die Preisentwicklung.“ Die Berichterstattung des SPIEGEL zeichnet dagegen ein anderes Bild: Nach Informationen des SPIEGEL sind vor allem die von der Marine gewünschten Verbesserungen beziehungsweise Anpassungen für die höheren Kosten verantwortlich.

Dem Haushaltsausschuss des Bundestages soll in Kürze, voraussichtlich noch vor der Sommerpause, die entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Zustimmung dürfte sicher sein, angesichts der Tatsache, dass der Haushaltsausschuss bereits am 13. November 2025 in der Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 rund 7,8 Milliarden Euro für die Beschaffung einer Alternative zur F126 bereitgestellt hat. Am 28. Januar 2026 stimmte der Haushaltsausschuss darüber hinaus dem Vorvertrag zur Beschaffung der MEKO A-200 DEU von TKMS zu, und nur wenige Tage später, am 3. Februar 2026, unterzeichneten das Beschaffungsamt der Bundeswehr und TKMS diesen Vorvertrag. Dieser soll sicherstellen, dass die erste MEKO A-200 DEU bis Ende 2029 an die Marine ausgeliefert werden kann, sofern es zu einem endgültigen Bauvertrag kommt. Zunächst deckte der Vorvertrag Aktivitäten im Umfang von 50 Millionen Euro ab – etwa die Materialbeschaffung, den Beginn von Stahlarbeiten und die Sicherung von Produktionskapazitäten bei TKMS und seinen Unterauftragnehmern, zu denen unter anderem die Ostseestahl GmbH, die RENK AG, die Stahlbau Nord GmbH und Noske-Kaeser zählen. Die Laufzeit war zunächst bis zum 31. März 2026 angesetzt, mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis zum 30. April 2026, für die weitere 100 Millionen Euro nötig gewesen wären. So geschah es auch: Am 18. März 2026 stimmte der Haushaltsausschuss einem ersten Änderungsvertrag zu, der den Vorvertrag bis zum 30. Juni 2026 verlängerte und erweiterte und dafür zusätzliche rund 240 Millionen Euro bereitstellte. Damit kann der Hersteller Fertigungskapazitäten bei Unterauftragnehmern und Lieferanten sichern sowie Material, Anlagen und Geräte bestellen.

Sofern die Zustimmung des Haushaltsausschusses zeitnah erfolgt und der finale Bauvertrag unterzeichnet wird, soll die erste Fregatte bereits Ende 2029 der Marine zulaufen. Danach soll im Abstand von etwa neun Monaten jeweils eine weitere MEKO-Fregatte ausgeliefert werden. Parallel dazu sollen drei Fregatten der Klasse 123 umfassend modernisiert und unter anderem mit einem neuen Schleppsonar für die U-Boot-Jagd ausgestattet werden; diese Arbeiten sollen bis 2029 abgeschlossen sein. Allerdings gibt es offenbar auch Überlegungen, aufgrund der Entscheidung für die MEKO A-200 DEU auf die Modernisierung der F123 zu verzichten. Sollte hingegen an dem aktuellen Plan festgehalten werden, würde die Marine ab 2029 über insgesamt vier auf die U-Boot-Jagd spezialisierte Fregatten verfügen. Interessant ist dabei, dass die modernisierten F123 und die neuen F128 über ein ähnliches Ausstattungspaket verfügen sollen.

Dem Vernehmen nach erhalten die MEKO-Fregatten dasselbe Schleppsonar von Atlas Elektronik, das zuvor für die F126 vorgesehen war. Wegen der angestrebten Geschwindigkeit werden wesentliche Sensor- und Effektorpakete offenbar aus dem TKMS-Angebot an Australien übernommen. Das bedeutet, dass unter anderem die Radare und das Führungs- und Waffeneinsatzsystem aus Schweden stammen und die deutsche Industrie – etwa die Radarlieferanten Hensoldt und Thales – nicht im gleichen Umfang beteiligt wird wie bei der F126. Ob das schwedische Ausstattungspaket auf allen acht Schiffen zum Einsatz kommt, dürfte allerdings noch für Diskussionen sorgen. Nach Informationen von hartpunkt werden zumindest Seezielflugkörper vom Typ Naval Strike Missile eingerüstet und nicht die schwedischen RBS 15. Auch ein Austausch des schwedischen Führungssystems 9LV gegen das neue Standard-Führungssystem der Marine, das CMS 330 von Lockheed Martin Canada, erscheint denkbar. Genau hier zeigt sich ein Zielkonflikt: Weil der Zulauf des ersten Schiffes bis Ende 2029 höchste Priorität hat, dürfte die Einrüstung des CMS 330 – das bislang auf keinem deutschen Marineschiff im Einsatz ist – aus Zeitgründen als zu riskant gelten. TKMS hatte für das australische Programm SEA-3000 bereits einen MEKO-200-Entwurf mit dem 9LV angeboten, auf dem die deutsche Variante aufbauen könnte; ein späterer Wechsel auf das CMS 330 bliebe aber möglich. Weitere Details zur Sensorik und Bewaffnung sind bisher nicht bekannt.

Bekannt sind dafür die Ausmaße der zukünftigen U-Jagd-Fregatten der Deutschen Marine: Die MEKO A-200 ist 121 Meter lang, 16,4 Meter breit und verdrängt 3.950 Tonnen bei einem Tiefgang von 4,4 Metern. Die Stammbesatzung umfasst 125 Personen, zusätzlich können 49 weitere Personen eingeschifft werden. Angetrieben wird das Schiff durch eine kombinierte Gas- und Dieselanlage nach dem CODAG-WARP-Prinzip mit zwei Antriebssträngen, bestehend aus je einer 20-Megawatt-Gasturbine und zwei 6-Megawatt-Dieselmotoren. Damit erreicht die Fregatte über 29 Knoten Höchstgeschwindigkeit und eine Reichweite von 6.500 Seemeilen bei 16 Knoten. Im Hangar lassen sich wahlweise zwei Hubschrauber der 6-Tonnen-Klasse oder ein Hubschrauber der 11-Tonnen-Klasse plus zwei Drohnen unterbringen. Zwei acht Meter lange Schlauchboote können seitlich zu Wasser gelassen werden. Zusätzlich stehen zwei TEU-Missionsmodulplätze zur Verfügung.

Das Kürzel MEKO steht für „Mehrzweck-Kombination“. Das praxiserprobte modulare Konzept erlaubt es, von Patrouillenschiffen über Korvetten und Fregatten bis hin zu kleinen Zerstörern unterschiedlichste Schiffe individuell zu konfigurieren, weshalb Schiffe dieser Familie bei zahlreichen Marinen weltweit im Einsatz sind.

F126 gestoppt: Warum die Marine jetzt auf die MEKO A-200 setzt
MEKO A-200 DEU | Foto: TKMS

Fazit

Die Entscheidung des BMVg, das F126-Projekt zu beenden, ist aus meiner Sicht richtig. Die Kosten und Verzögerungen standen in keinem Verhältnis mehr zur voraussichtlichen Leistungsfähigkeit der Fregatten. Zugleich ist die Auswahl der MEKO A-200 als Alternative naheliegend, da es sich um ein marktverfügbares und erprobtes Design handelt. Allerdings haben die Nachforderungen der Marine bereits jetzt dazu geführt, dass der prognostizierte Stückpreis von einer Milliarde Euro auf 1,6 Milliarden Euro für die ersten vier Einheiten gestiegen ist. Auch die optional vereinbarten vier weiteren Einheiten sollen mit je rund 1,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Daraus ergeben sich Gesamtkosten von rund 11,6 Milliarden Euro. Damit liegt die Beschaffung der kleineren und wohl weniger leistungsfähigen MEKO-Fregatten bereits jetzt über dem ursprünglichen Budget der F126 von zehn Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass Verzögerungen im Zulauf der Einheiten aufgrund der neuen Forderungen der Marine ebenfalls nicht auszuschließen sind.

Dennoch halte ich die Entscheidung für richtig, da sie der Marine erlaubt, U-Jagd-Fregatten zu beschaffen, die auf den Kernauftrag der Bundeswehr – die Landes- und Bündnisverteidigung – ausgerichtet sind und die Lehren aus aktuellen Konflikten, insbesondere hinsichtlich der Magazintiefe, berücksichtigen können. Dies war bei der F126, die noch stark auf das internationale Krisenmanagement ausgerichtet war, nicht mehr möglich. Sollten tatsächlich acht MEKO A-200 DEU und acht F127 beschafft werden, würde die Marine künftig über 16 Fregatten für die Landes- und Bündnisverteidigung verfügen – zuzüglich der vier primär auf das internationale Krisenmanagement ausgerichteten Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse, die ihrerseits kampfwertgesteigert werden sollen. Diesem Thema widmet sich in Kürze ein eigener, ausführlicher Beitrag.

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