Diehl Defence und BAE Systems vereinbaren Kooperation bei maritimen Waffensystemen

Diehl Defence und BAE Systems haben ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit bei Schiffsbewaffnung unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen die Integration deutscher 127-mm-Munition in das Marinegeschütz Mk 45 sowie die mögliche Anbindung der IRIS-T-Flugkörperfamilie an Startsysteme von BAE Systems.
Foto HMAS Hobart: ©️ BAE Systems

Diehl Defence und BAE Systems haben ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit bei Schiffsbewaffnung unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen die Integration deutscher 127-mm-Munition in das Marinegeschütz Mk 45 sowie die mögliche Anbindung der IRIS-T-Flugkörperfamilie an Startsysteme von BAE Systems.

Technische Integration als Kern der Vereinbarung

Diehl Defence mit Sitz in Überlingen und der britische Rüstungskonzern BAE Systems haben am 3. August 2026 eine Absichtserklärung über eine erweiterte Zusammenarbeit im Bereich maritimer Verteidigungssysteme bekanntgegeben. Die Kooperation zielt nach Unternehmensangaben sowohl auf den deutschen Markt als auch auf internationale Streitkräfte.

Erster Schwerpunkt ist die Integration der 127-mm-Munition (5 Inch) von Diehl Defence in die Mk-45-Schiffskanone von BAE Systems. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Variante Mk 45 Mod 4. Diese Ausführung verfügt über ein verlängertes Rohr mit Kaliberlänge 62, was Mündungsgeschwindigkeit und Reichweite gegenüber den älteren Modellen erhöht. Das Mk 45 wurde ursprünglich ab den 1960er Jahren in den USA entwickelt und steht bei mehreren Marinen im Einsatz, unter anderem auf Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse.

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Als 127-mm-Präzisionsmunition aus dem Diehl-Portfolio gilt vor allem die gemeinsam mit dem italienischen Hersteller Leonardo entwickelte Vulcano-Familie. Die Deutsche Marine schloss die Einsatzprüfung der gelenkten Vulcano-127-Munition 2022 an Bord einer Fregatte der Klasse 125 ab. Herstellerangaben zufolge ist die Munition auf Reichweiten von bis zu 80 Kilometern ausgelegt.

IRIS-T und Startsysteme

Zweiter Bestandteil der Vereinbarung ist die Prüfung, ob Lenkflugkörper der IRIS-T-Familie in Startsysteme von BAE Systems eingebunden werden können. Diehl Defence verfolgt die sogenannte Navalisierung seiner ursprünglich luft- und bodengestützten Flugkörper seit mehreren Jahren. Im Oktober 2025 erprobte das Unternehmen bei der Maritime Firing Exercise vor der norwegischen Küste erstmals einen navalisierten Systemdemonstrator von IRIS-T SLM. Dafür wurde ein Anti-Air-Warfare-Modul auf dem C-Deck der Fregatte „Baden-Württemberg“ installiert.

Parallel dazu besteht seit November 2025 eine vergleichbare Absichtserklärung mit Lockheed Martin. Sie sieht die Untersuchung einer Integration von IRIS-T-Flugkörpern in das Aegis-Waffensystem sowie in die Vertikalstartanlage Mk 41 vor. Mit der jetzt geschlossenen Vereinbarung erweitert Diehl Defence diesen Ansatz um einen weiteren Anbieter von Startsystemen.

Einordnung: Beschaffungsumfeld Deutsche Marine

Hintergrund der Kooperation ist unter anderem das Beschaffungsvorhaben Fregatte Klasse 127. Die bis zu acht geplanten Luftverteidigungsfregatten sollen ab Mitte der 2030er Jahre die Schiffe der Sachsen-Klasse ersetzen und werden als bislang teuerstes Rüstungsvorhaben der Deutschen Marine geführt. Als Führungs- und Waffeneinsatzsystem ist das Aegis Combat System vorgesehen, hinzu kommen das Radar AN/SPY-6(V)1 sowie Mk-41-Startzellen. Das US-Außenministerium genehmigte den Export der entsprechenden Systeme im April 2026.

Bei der Rohrbewaffnung gilt das Mk 45 Berichten zufolge als favorisierte Option für das Hauptgeschütz der F127, unter anderem weil es bereits in Aegis integriert ist. Eine formelle Auswahlentscheidung steht aus; die endgültigen Spezifikationen sollen erst mit dem Letter of Acceptance Ende 2026 feststehen. Bislang nutzt die Deutsche Marine mit dem 127/64 Lightweight von Leonardo auf den Fregatten der Klasse 125 ein konkurrierendes Geschütz.

Aussagen der Unternehmen

Harald Buschek, Chief Program Officer bei Diehl Defence, verweist darauf, dass die gemeinsame Untersuchung technischer Synergien maßgeschneiderte Lösungen für maritime Anforderungen ermöglichen solle. Jason Casciotti, Vizepräsident für Waffensysteme bei BAE Systems, ordnet die Zusammenarbeit in das Engagement des Konzerns in Deutschland ein und betont Investitionen in die deutsche Verteidigung sowie in regionale Wertschöpfung.

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