Frankreich vergibt SIGINT-Satelliten an Airbus und Unseenlabs

Europäische Raumfahrtriesen planen Fusion ihrer Weltraumaktivitäten
(Symbolbild) Satellitenkommunikation der Bundeswehr Stufe 3 | Foto: Airbus

Die französische Rüstungsbehörde DGA hat den Vertrag für das Nachfolgesystem der CERES-Konstellation vergeben. Unter dem Namen CASSIOPÉE sollen Airbus Defence and Space und das Unternehmen Unseenlabs bis 2032 die künftige weltraumgestützte Fernmelde- und elektronische Aufklärung Frankreichs aufbauen.

Die französische Ministerin für die Streitkräfte und Veteranenangelegenheiten, Catherine Vautrin, hat am 11. September 2026 am Rande des International Space Summit in Paris die Vergabe des CASSIOPÉE-Vertrags bekanntgegeben. Auftraggeber ist die Direction générale de l’armement (DGA), Hauptauftragnehmer Airbus Defence and Space, Mitauftragnehmer das französische Unternehmen Unseenlabs. Mit der Vergabe beginnt die Erneuerung der französischen Fähigkeit zur elektromagnetischen Aufklärung aus dem Weltraum.

Arbeitsteilung zwischen Konzern und Mittelständler

Airbus übernimmt die Systemintegration und liefert das Bodensegment einschließlich Kontrollzentrum sowie eine Satellitenlösung auf Basis der Plattform S250, die zuletzt für die Erdbeobachtungskonstellation CO3D eingesetzt wurde. Unseenlabs bringt Missionsplanung sowie Bord- und Bodenverarbeitung ein, liefert ebenfalls Anteile des Bodensegments und stellt die Nutzlast.

Alain Fauré, Leiter Space Systems bei Airbus Defence and Space, ordnet den Auftrag als Beitrag zur französischen Souveränität und strategischen Autonomie ein und verweist auf die Zusammenarbeit mit einem Partner aus dem französischen New-Space-Sektor. Clément Galic, Mitgründer und Geschäftsführer von Unseenlabs, betont die Verbindung aus etablierter Raumfahrtindustrie und einem jüngeren Anbieter und sieht darin eine Antwort auf veränderte operative Anforderungen.

Unseenlabs wurde 2015 in Rennes gegründet und ist bislang vor allem im zivilen Bereich bekannt. Nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation waren 2026 insgesamt 23 Satelliten der Konstellation gestartet, mit einem geplanten Zuwachs von drei bis sechs Satelliten pro Jahr. Das Unternehmen erfasst Funksignale von Schiffen und lokalisiert Emitter auf See, auch wenn diese ihre Transponder abgeschaltet haben. Im Juli 2026 kündigte Unseenlabs eine zweite Satellitengeneration an, mit der die Erfassung über den maritimen Bereich hinaus ausgeweitet werden soll.

Was CASSIOPÉE ersetzen soll

Die abzulösende CERES-Konstellation besteht aus drei Satelliten, die in Formation im niedrigen Erdorbit fliegen; durch Abgleich der von jedem Satelliten erfassten Signale lassen sich Funk- und Radaremitter präzise orten. Der Verbund wurde von Airbus Defence and Space, Thales Airborne Systems und Thales Alenia Space gebaut, wobei die französische Raumfahrtagentur CNES die DGA unterstützte und Startdienste sowie Bodenkontrollsegment beschaffte. Der Start erfolgte im November 2021 mit einer Vega-Rakete vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana. Jeder Satellit wiegt rund 516 Kilogramm.

Weltraumgestützte elektromagnetische Aufklärung erfasst und analysiert vor allem Radar- und Telekommunikationsemissionen. Damit lassen sich Sender detektieren, charakterisieren und verfolgen, die in Gebieten operieren, welche bodengebundene oder luftgestützte Sensoren nicht erreichen. Aus niedriger Umlaufbahn entfallen zudem Überflugbeschränkungen, und die Erfassung ist witterungsunabhängig.

Ein Programm mit Verzögerungen

CASSIOPÉE bildet nach Darstellung von Airbus den souveränen Leistungskern des übergeordneten Programms CELESTE, nicht das Programm in seiner Gesamtheit. CELESTE wurde im Militärprogrammgesetz 2024 bis 2030 bestätigt und soll die CERES-Satelliten ersetzen, deren theoretisches Nutzungsende für 2029 angesetzt war. Ursprünglich sah das Gesetz eine Indienststellung bis 2030 vor.Ein zunächst vorgesehenes Industriekonsortium aus Thales und Airbus wurde 2024 von der DGA infrage gestellt, weil laut einem Parlamentsbericht die zugewiesenen Finanzmittel nicht zu den geforderten Leistungsanforderungen passten.

Im Juli 2025 wurde die Ausschreibung neu aufgesetzt und für drei Bewerber geöffnet, Airbus, Thales und Unseenlabs, mit Angebotsfrist zum 15. Dezember 2025. Thales, bislang Mitauftragnehmer bei CERES, kommt in der neuen Konstellation nicht mehr zum Zuge. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung La Tribune liegt das Auftragsvolumen unterhalb von 400 Millionen Euro.

Die Terminangaben gehen auseinander. Airbus nennt 2032 als Zeitpunkt der Ablösung, während ein Ende Mai 2026 veröffentlichter Parlamentsbericht von einer Verschiebung um fünf Jahre gegenüber der ursprünglichen Planung und einer Indienststellung erst um 2035 ausging. Zwischen dem rechnerischen Lebensdauerende von CERES und dem Beginn des Nachfolgebetriebs bleibt damit in jedem Fall eine Lücke, die über eine verlängerte Nutzung der bestehenden Satelliten und ergänzende Sensoren überbrückt werden muss.

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