Rheinmetall erhält Großauftrag über 155-mm-Artilleriemunition

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall liefert einem nicht näher bezeichneten internationalen Kunden eine fünfstellige Zahl an 155-mm-Artilleriegeschossen. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Auslieferung soll 2027 abgeschlossen sein.
Foto: Rheinmetall

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall liefert einem nicht näher bezeichneten internationalen Kunden eine fünfstellige Zahl an 155-mm-Artilleriegeschossen. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Auslieferung soll 2027 abgeschlossen sein.

Auftrag im dritten Quartal verbucht

Nach Unternehmensangaben vom 14. September 2026 hat ein internationaler Kunde Rheinmetall mit der Lieferung von Artilleriemunition beauftragt. Bestellt wurden mehrere zehntausend Geschosse im Kaliber 155 Millimeter. Der Auftrag wurde im dritten Quartal 2026 eingebucht; die Fertigung hat bereits begonnen und soll im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Angaben zum Besteller macht das Unternehmen nicht, was bei Exportaufträgen dieser Art regelmäßig der Fall ist.

Die gelieferten Geschosse sind den Angaben zufolge bei mehreren NATO-Staaten bereits eingeführt und mit einer Reihe gängiger 155-mm-Waffensysteme verschießbar. Konkrete Typenbezeichnungen sowie den Fertigungsstandort nennt das Unternehmen in der Mitteilung nicht. Bei vergleichbaren Aufträgen in diesem Jahr stammten die Geschosse teilweise aus der spanischen Tochtergesellschaft Rheinmetall Expal Munitions, teilweise aus dem neuen Werk im niedersächsischen Unterlüß.

Einreihung in eine Serie von Munitionsaufträgen

Ende Juni 2026 meldete Rheinmetall einen Auftrag der Ukraine über 155-mm-Geschosse und Treibladungen im niedrigen fünfstelligen Bereich mit einem Wert im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Anfang Juli folgte ein von einem NATO-Staat finanzierter Auftrag zugunsten der Ukraine, dessen Wert im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich lag und der vor April 2027 abgeschlossen sein soll.

Kapazitätsaufbau seit 2022

Rheinmetall baut die Fertigung großkalibriger Munition seit 2022 aus. Die konzernweite Produktion von 155-mm-Geschossen soll von rund 70.000 Stück im Jahr 2022 auf etwa 1,1 Millionen im Jahr 2027 und rund 1,5 Millionen im Jahr 2030 steigen. Parallel dazu weitet das Unternehmen die Fertigung von Treibladungen von 5.000 Tonnen im Jahr 2022 auf geplante 20.000 Tonnen im Jahr 2030 aus.

Getragen wird der Ausbau von mehreren neuen Standorten. In Unterlüß eröffnete der Konzern im August 2025 ein Werk für Artilleriemunition, das nach einer Investition von 350 bis 500 Millionen Euro ab 2027 rund 350.000 Geschosse jährlich fertigen soll. An der NATO-Ostflanke entstehen zwei weitere Anlagen: Im litauischen Baisogala errichtet das Joint Venture Rheinmetall Defence Lietuva ein Werk mit Geschosshüllenschmiede und Füllanlage für mehrere zehntausend Geschosse pro Jahr, mit Investitionen von bis zu 300 Millionen Euro und bis zu 150 Arbeitsplätzen. Nach der Linienqualifikation bis Ende 2026 soll der Hochlauf ab 2027 je nach Auftragslage stufenweise beginnen. Für Lettland ist eine vergleichbar dimensionierte Anlage vorgesehen, deren Bau im Frühjahr 2026 anlaufen sollte und die mit rund 275 Millionen Euro veranschlagt ist.

Europäischer Hintergrund

Munition im Kaliber 155 Millimeter zählt zu den meistverbrauchten Artilleriemunitionsarten im Krieg in der Ukraine. Der monatliche Bedarf der ukrainischen Streitkräfte wird auf eine Größenordnung von rund 200.000 Schuss geschätzt.

Die Europäische Union versucht seit 2023, die industrielle Basis dafür zu verbreitern. Über den Act in Support of Ammunition Production (ASAP) stellte die Kommission 500 Millionen Euro bereit, um die jährliche Produktionskapazität auf zwei Millionen Geschosse zu heben. Gefördert werden 31 Projekte in den Bereichen Sprengstoffe, Treibmittel, Geschosse, Flugkörper sowie Prüf- und Zertifizierungskapazitäten, finanziert mit 513 Millionen Euro aus EU- und norwegischen Mitteln, was zusammen mit Kofinanzierungen der Industrie Investitionen von rund 1,4 Milliarden Euro entlang der Lieferkette auslösen soll. Im Januar 2024 lag die europäische Jahreskapazität für 155-mm-Geschosse bei einer Million Stück. Die Kommission bezeichnet die Zwei-Millionen-Marke weiterhin als Zielgröße des Programms.

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