Im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung hat Deutschland der Republik Moldau fünf Schützenpanzer des Typs Piranha 5 übergeben. Die Lieferung soll den Aufbau eines mechanisierten Infanterieverbands der moldauischen Streitkräfte unterstützen.
Übergabe in Chișinău
Die Fahrzeuge wurden am 17. Juni 2026 bei einer Zeremonie in der moldauischen Hauptstadt Chișinău an die Streitkräfte des Landes übergeben. An der Veranstaltung nahmen der deutsche Botschafter, eine Vertreterin des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) sowie Vertreter des Herstellers General Dynamics European Land Systems (GDELS) teil. Mit der Lieferung setzt die Bundesregierung den Aufbau eines Peacekeeping-Bataillons der moldauischen Streitkräfte fort und will zugleich deren Verteidigungs- und Krisenreaktionsfähigkeiten stärken.

Aufbau des Piranha-Projekts
Das zugrunde liegende Piranha-Projekt wurde im Dezember 2022 begonnen. Ziel ist es, die Fähigkeiten der moldauischen Streitkräfte im Bereich der mechanisierten Infanterie langfristig auszubauen. In einem ersten Schritt beschaffte Deutschland gebrauchte Fahrzeuge des Typs Piranha 3H aus ehemals dänischen Beständen. Mit den nun gelieferten Fahrzeugen der Generation Piranha 5 wird das Vorhaben fortgesetzt. Nach Darstellung des BMVg soll dadurch schrittweise veraltetes Gerät sowjetischer Bauart ersetzt und die Interoperabilität mit europäischen Partnern verbessert werden. Das Projekt umfasst außerdem Maßnahmen zur Wartung, Instandsetzung und langfristigen Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Fahrzeugflotte.
Die gelieferten Fahrzeuge stammen aus Industriebeständen und werden von der Bundesregierung finanziert. Grundlage der Zusammenarbeit ist eine 2003 unterzeichnete Vereinbarung über die militärische Kooperation beider Länder.
Hintergrund: Piranha 5
Der Piranha ist ein Radschützenpanzer, dessen Ursprünge auf das Schweizer Unternehmen Mowag zurückgehen, das seit 2004 zu GDELS gehört. Die Fahrzeugfamilie zählt mit nach Herstellerangaben mehr als 12.000 ausgelieferten Exemplaren bei rund 20 Nutzernationen zu den am weitesten verbreiteten Radpanzern westlicher Bauart; auf dem Konzept basieren unter anderem die US-Modelle LAV-25 und Stryker. Die Variante Piranha 5 nutzt ein 8×8-Fahrgestell und wird unter anderem von Dänemark, Spanien und Rumänien beschafft. Das modulare Konzept erlaubt verschiedene Ausführungen vom Mannschaftstransporter bis zum Träger schwerer Waffensysteme.
Sicherheitspolitischer Kontext
Die Republik Moldau ist seit 2018 Partner der Ertüchtigungsinitiative. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat den sicherheitspolitischen Fokus der Bundesregierung auf Osteuropa verstärkt. Als unmittelbares Nachbarland der Ukraine ist Moldau von den Auswirkungen des Krieges erheblich betroffen, unter anderem durch die Aufnahme zahlreicher Geflüchteter sowie durch hybride Bedrohungen.
Über die militärische Ausstattungshilfe hinaus haben Deutschland, Frankreich und Rumänien im April 2022 die Moldau-Partnerschaftsplattform gegründet, die das Land bei Stabilität, Energieversorgung, Reformen und dem angestrebten EU-Beitritt unterstützen soll. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hat die Bundesregierung ihre Unterstützung für Moldau seit 2022 auf über 220 Millionen Euro ausgeweitet. Moldau ist seit Juni 2022 EU-Beitrittskandidat.
Die Ertüchtigungsinitiative
Die Ertüchtigungsinitiative besteht seit 2016 und wird vom Verteidigungsministerium und dem Auswärtigen Amt gemeinsam verantwortet; finanziert wird sie aus dem Einzelplan 60 des Bundeshaushalts. Leitgedanke ist die sogenannte Hilfe zur Selbsthilfe: Partnerstaaten außerhalb von EU und NATO sollen in die Lage versetzt werden, unter Beachtung menschenrechtlicher und rechtsstaatlicher Standards eigenständig Krisenprävention und Krisenbewältigung zu betreiben. Nach Angaben des BMVg wurden seit 2016 rund 1.200 Projekte mit mehr als 50 Partnern umgesetzt; regionale Schwerpunkte sind Osteuropa, der Westbalkan, der Nahe und Mittlere Osten, Westafrika und der Indo-Pazifik.
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