Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) will bis zu 900 Eisenbahnflachwagen beschaffen. Die Fahrzeuge sollen den Bahntransport schwerer Militärfahrzeuge und Container in mögliche Einsatzräume ermöglichen.
Drei Bauarten, drei Lose
Die in Koblenz ansässige Behörde teilt das Vorhaben in drei Fachlose auf, für die jeweils ein eigener Vertrag mit einem Unternehmen geschlossen werden soll. Pro Los sind bis zu 300 Wagen vorgesehen: 200 Stück als Festbeauftragung und bis zu 100 weitere als optionale Abrufmenge. Die Rahmenvereinbarungen sollen jeweils sieben Jahre laufen.
Die drei Wagentypen sind auf unterschiedliche Lasten ausgelegt. Los 1 umfasst Flachwagen für schwere Rad- und Kettenfahrzeuge bis 100 Tonnen Gesamtmasse sowie für 20- und 40-Fuß-Standardcontainer. Los 2 betrifft Wagen für lange, hohe und leichte Fahrzeuge, konzipiert als geteiltes, im Regelbetrieb über eine Kurzkupplung verbundenes System mit einer Gesamtlänge von mindestens 28 Metern. Los 3 zielt auf Fahrzeuge bis 65 Tonnen und bis zu vier Meter Höhe.

Alle drei Typen müssen nach geltenden Vorschriften für den Verkehr auf dem Transeuropäischen Netz und den Strecken der jeweiligen Infrastrukturbetreiber zugelassen sein und für Normalspur ausgelegt werden. Vorgesehen sind unter anderem Zurrösen passend zum Verzurrsystem der Bundeswehr, ein Weichholzboden zur Fahrzeugsicherung sowie die Möglichkeit, die Wagen später auf die digitale automatische Kupplung (DAK) umzurüsten.
Deutschland als logistische Drehscheibe
Die Beschaffung steht im Zusammenhang mit der Rolle Deutschlands als zentralem Transitland für militärische Verlegungen in Europa. Aufgrund seiner geografischen Lage gilt die Bundesrepublik als logistische Drehscheibe für Marschbewegungen der verbündeten Streitkräfte. Der vom Operativen Führungskommando verantwortete Operationsplan Deutschland regelt den nationalen Anteil an der Gesamtverteidigung, einschließlich der Unterstützung verbündeter Truppen beim Transit durch das Bundesgebiet.
Die Schiene ist dabei ein zentrales Element. Bereits 2023 schloss die Bundeswehr einen Vertrag mit DB Cargo über den Transport von Militärausrüstung zu Einsatzorten. Mit Blick auf das NATO New Force Model und die Stationierung einer Brigade in Litauen gewinnen schnelle Verlegefähigkeiten an Bedeutung. Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik stellte fest, dass marode Transportinfrastruktur, Bürokratie und Kapazitätsengpässe die militärische Mobilität beeinträchtigen. Eigene Flachwagen sollen die Bundeswehr in diesem Umfeld unabhängiger von verfügbaren zivilen Kapazitäten machen.
Verfahren und Finanzierungsvorbehalt
Vergeben wird im Verhandlungsverfahren mit vorherigem Teilnahmewettbewerb auf Grundlage der EU-Verteidigungsrichtlinie 2009/81/EG. Einziges Zuschlagskriterium ist der Preis. Teilnahmeanträge sind ausschließlich elektronisch über die Plattform e-Vergabe einzureichen; die Frist endet am 7. Juli 2026 um 13 Uhr. Für kleine und mittlere Unternehmen ist der Auftrag nach Angaben der Vergabestelle nicht geeignet.
Das BAAINBw weist ausdrücklich darauf hin, dass die Finanzierung der optionalen Abrufmengen derzeit nicht gesichert ist und von der Bereitstellung entsprechender Mittel im Bundeshaushalt abhängt. Für Streitigkeiten ist die Vergabekammer des Bundes beim Bundeskartellamt zuständig.
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