Die dänische Beschaffungsbehörde DALO hat mehrere Giraffe-1X-Radarsysteme des schwedischen Rüstungskonzerns Saab fest bestellt. Die Systeme waren ursprünglich befristet im Umfeld der EU-Gipfeltreffen in Kopenhagen im Herbst 2025 stationiert worden.
Aus befristetem Einsatz wird Festbestellung
Saab teilte am 17. Juni 2026 mit, einen Auftrag der Danish Ministry of Defence Acquisition and Logistics Organisation (DALO) über mehrere Giraffe-1X-Systeme erhalten zu haben. Vorausgegangen war ein zeitlich begrenzter Einsatz: Im Vorfeld der EU-Gipfeltreffen in Kopenhagen beauftragten die dänischen Streitkräfte das Unternehmen, mit den Radaren zivile und militärische Infrastruktur zu überwachen. Nach Unternehmensangaben wurden die ersten Systeme drei Tage nach der Anfrage geliefert.

Nach einem mehr als halbjährigen Betrieb entschied sich DALO für eine dauerhafte Übernahme. Auch zusätzliche Geräte, die Dänemark während der Sicherheitsoperation zunächst gemietet hatte, wurden inzwischen gekauft und in den regulären Bestand überführt.
Carl-Johan Bergholm, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Surveillance, hob die kurze Reaktionszeit sowie die Zusammenarbeit zwischen schwedischen und dänischen Behörden hervor. Den lösungsorientierten Ansatz der dänischen Beschaffungsorganisation bezeichnete er als zeitsparend; er habe es ermöglicht, die Luftraumüberwachung samt Drohnendetektion zügig aufzunehmen.
Sicherheitsaufgebot rund um die Kopenhagener Gipfel
An der Absicherung der Veranstaltungsorte beteiligten sich Industrie- und Militäreinheiten aus mehreren NATO-Staaten. Dazu zählten die schwedischen Streitkräfte mit Saabs Abwehrsystem gegen Drohnen, in dem das Giraffe 1X eine zentrale Rolle spielt.
Hintergrund des Aufgebots war eine Serie unerklärter Drohnensichtungen über Dänemark im September 2025. Am 22. September musste der Flughafen Kopenhagen, der größte Skandinaviens, für rund vier Stunden gesperrt werden, nachdem mehrere große Drohnen im kontrollierten Luftraum beobachtet worden waren; Dutzende Flüge wurden umgeleitet oder gestrichen. In den folgenden Tagen kam es zu weiteren Sichtungen, unter anderem über dem Flughafen Aalborg und über militärischen Einrichtungen. Die dänische Regierung stufte die Vorfälle als mutmaßlich hybride Operation ein; Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach vom bis dahin schwersten Angriff auf kritische Infrastruktur des Landes.
Dänemark, das in der zweiten Jahreshälfte 2025 die EU-Ratspräsidentschaft innehatte, verhängte vor den Gipfeln ein vorübergehendes Verbot ziviler Drohnenflüge, um den Sicherheitskräften die Arbeit zu erleichtern. Die NATO verstärkte parallel ihre Überwachung im Ostseeraum und verlegte unter anderem die deutsche Luftverteidigungsfregatte „Hamburg“ nach Kopenhagen. Bei den Treffen Anfang Oktober 2025 berieten die europäischen Staats- und Regierungschefs im Europäischen Rat sowie im Rahmen der Europäischen Politischen Gemeinschaft über Verteidigung und den Krieg in der Ukraine.
Das System Giraffe 1X
Beim Giraffe 1X handelt es sich um ein kompaktes 3D-Radar für die Luftraumüberwachung und die Abwehr von Drohnen im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung. In Dänemark kam es in der eigenständigen Konfiguration Compact Radar Module (CRM) zum Einsatz. Diese Bauweise erlaubt den Betrieb auch an Standorten mit eingeschränkter oder fehlender operativer Infrastruktur und lässt sich nach Herstellerangaben mit dem Radar von einem Träger auf einen anderen umsetzen – etwa von der Ladefläche eines Pick-ups auf ein Gebäude oder ein weiteres Fahrzeug.
Das System erfasst, verfolgt und klassifiziert Luftziele, darunter Drohnen. Laut Saab deckt es das gesamte Suchvolumen im Sekundentakt ab und kann Starr- und Drehflügler, schnelle Flugkörper sowie Artillerie-, Raketen- und Mörsergeschosse (RAM) und auch kleine unbemannte Luftfahrzeuge in stark gestörten Umgebungen detektieren.
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