Das europäische Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Destinus Strike Systems hat auf der Eurosatory 2026 in Paris seine Programmschwerpunkte benannt. Im Zentrum steht der Tiefenangriffs-Marschflugkörper Ruta Block 3 mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern.
Beschleunigte Einführung des Ruta Block 3
Nach Angaben von Rheinmetall treibt das Joint Venture die Einführung des Ruta Block 3 beschleunigt voran. Der Marschflugkörper ist für strategische Tiefenangriffe gegen hochwertige und gehärtete Ziele ausgelegt und kann einen Gefechtskopf von bis zu 250 Kilogramm tragen. Gestartet wird das System ausschließlich aus standardisierten Containern, die sich auf Fahrzeugplattformen – darunter die HX-Lkw von Rheinmetall – sowie in maritimen Anwendungen einsetzen lassen. Die Feuerbereitschaft soll laut Unternehmen in rund zwei Minuten erreicht werden.

Erklärtes Ziel ist die NATO-Qualifizierung, durch die der Flugkörper allen NATO- und EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen soll. Roman Köhne, Leiter der Division Weapon and Ammunition bei Rheinmetall, betonte, man verfolge diesen Qualifizierungsprozess auf einem beschleunigten Weg und eingebettet in bestehende Beschaffungsprogramme europäischer Verteidigungsministerien. Nach Darstellung des Fachdienstes Aviation Week strebt das Joint Venture an, den Ruta Block 3 bis Ende 2028 qualifizierungsreif zu haben; die Flugtestkampagne ist für 2027 vorgesehen.
Produktionsstart mit Kryla und Ruta Block 2
Den Auftakt der gemeinsamen Fertigung bilden zwei bereits verfügbare Produkte. Der Kryla ist ein kompakter, kostengünstiger Marschflugkörper mit einem 50-Kilogramm-Gefechtskopf, der für massierte Sättigungsangriffe konzipiert ist. Er kann sowohl aus Containern als auch aus gängigen Mehrfachraketenwerfern (MLRS) gestartet werden und erweitert damit vorhandene Werferflotten unmittelbar um eine Marschflugkörperfähigkeit. Der Ruta Block 2 trägt einen 250-Kilogramm-Gefechtskopf, richtet sich gegen hochwertige und gehärtete Ziele und wird ausschließlich aus Containern abgefeuert.
Mikhail Kokorich, Gründer und Geschäftsführer von Destinus, hob hervor, dass der Start aus genormten Seecontainern den Kunden Flexibilität verschaffe: Die Systeme ließen sich auf nahezu jeder Land- und Seeplattform sowie über bestehende Logistikketten verlegen und kurzfristig in Feuerbereitschaft bringen.
Arbeitsteilung und Standort in Deutschland
Grundlage der Kooperation ist ein unterzeichnetes Term Sheet; die finale Gesellschaftervereinbarung steht den Angaben zufolge kurz vor dem Abschluss. Innerhalb des Joint Ventures verantwortet Destinus die technologischen Kernkomponenten der Flugkörper, während Rheinmetall die energetischen Bauteile beisteuert – Gefechtsköpfe sowie Booster-Raketenmotoren.
Für eine eigenständige Lieferkette errichtet Rheinmetall Destinus Strike Systems eine eigene Anlage für Endmontage, Integration und Erprobung in Deutschland. Die erste Lieferbereitschaft ist für 2026 vorgesehen. Das gemeinsame Angebot aus Kryla, Ruta Block 2 und Ruta Block 3 stellt das Unternehmen als durchgängig europäische Wertschöpfung dar.
Hintergrund: Ursprung in der Ukraine
Das Gemeinschaftsunternehmen wurde im April 2026 angekündigt. Rheinmetall hält daran 51 Prozent, das niederländische Unternehmen Destinus 49 Prozent; die formelle Gründung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Als Standort ist Unterlüß in Niedersachsen vorgesehen.
Die Ruta-Familie geht auf ukrainische Lenkflugkörper zurück, die von Destinus entwickelt wurden. Block 1 wird seit Anfang 2026 in den Niederlanden in Serie gefertigt. Der Ruta Block 2 entstand mit Unterstützung der staatlichen ukrainischen Innovationsplattform Brave1 und durchläuft derzeit in der Ukraine Flugtests; der Produktionshochlauf ist für 2026 geplant. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Ende 2024 einen erfolgreichen Test der Waffe bekanntgegeben und im Herbst 2025 erklärt, im Krieg gegen Russland verstärkt eigenproduzierte Systeme wie die Ruta einzusetzen. Nach Unternehmensangaben fertigt Destinus aktuell mehr als 2.000 Marschflugkörpersysteme pro Jahr. Der geplante deutsche Standort soll diese bestehende Produktion in den Niederlanden und der Ukraine um zusätzliche Kapazitäten für Serienfertigung, Qualifizierung und Endmontage ergänzen.
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