Rheinmetall stellt 155-mm-Waffenanlage L60 vor

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris zeigt Rheinmetall erstmals eine neue 155-mm-Rohrwaffe. Die als L60 bezeichnete Waffenanlage soll die Reichweite von Rad- und Panzerhaubitzen gegenüber dem bislang verbreiteten L52-Standard um rund 30 Prozent erhöhen.
Foto: Sicherheit & Verteidigung / Clemens Speer

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris zeigt Rheinmetall erstmals eine neue 155-mm-Rohrwaffe. Die als L60 bezeichnete Waffenanlage soll die Reichweite von Rad- und Panzerhaubitzen gegenüber dem bislang verbreiteten L52-Standard um rund 30 Prozent erhöhen.

Längeres Rohr und größere Reichweite

Der Düsseldorfer Konzern präsentiert die L60 an seinem Messestand auf dem Außengelände der Eurosatory. Nach Unternehmensangaben eignet sich die Waffenanlage sowohl für Rad- als auch für Panzerhaubitzen. Ziel der Entwicklung ist es, die effektive Schussreichweite dieser Geschütze deutlich zu steigern.

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Die Bezeichnung verweist auf die Kaliberlänge: Ein Rohr der Länge L60 entspricht dem Sechzigfachen des Kalibers von 155 Millimetern, also 9.300 Millimetern. Damit ist die L60 länger als die heute übliche L52-Waffe, deren Rohr rund 8.060 Millimeter misst. Nach Herstellerangaben wurden für die Reichweitensteigerung neben der Kaliberlänge auch das Volumen des Ladungsraums vergrößert. Die Waffenanlage wiegt mehr als 2,5 Tonnen.

Das Vorhaben läuft Rheinmetall zufolge bereits seit mehreren Jahren. Erste Entwicklungsmeilensteine seien erreicht, das Konstruktionskonzept werde derzeit validiert. Erste Läufe wurden demnach beschafft, die Fertigung hat begonnen.

Erprobung seit 2025

Im Januar 2025 schloss Rheinmetall nach eigenen Angaben Tests mit einem maximalen Schussdruck von über 600 Megapascal ab. Im weiteren Verlauf des Jahres seien Mündungsgeschwindigkeiten von mehr als 1.100 Metern pro Sekunde erreicht worden. Eine erste Schießvorführung des Systems ist für das laufende Jahr 2026 vorgesehen.

Einordnung: der bisherige L52-Standard

Die L52-Waffe gilt als aktueller NATO-Standard für moderne 155-mm-Rohrartillerie und entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU). Sie kommt unter anderem in der Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000) und der Radhaubitze RCH 155 von KNDS zum Einsatz.

Die Reichweiten dieser Systeme hängen stark von der verwendeten Munition ab. Für die PzH 2000 werden mit konventioneller Munition rund 30 Kilometer und mit reichweitengesteigerter Munition bis zu etwa 40 Kilometer angegeben. Die RCH 155 erreicht je nach Geschoss über 50 Kilometer, mit Spezialmunition wie V-LAP bis zu 54 Kilometer und mit der Präzisionsmunition Vulcano bis zu 70 Kilometer. Vor diesem Hintergrund ist die von Rheinmetall genannte Reichweitensteigerung um rund 30 Prozent zu verstehen, die ohne Wechsel des Munitionstyps allein durch die veränderte Waffenanlage erreicht werden soll.

Hintergrund

Rheinmetall stellt dort nach eigener Darstellung ein breites Spektrum an Systemen vor; neben der L60 gehören dazu unter anderem ein containerisierter Raketenwerfer und eine neue Version des Schützenpanzers Lynx KF41.

Im Bereich der 155-mm-Rohrartillerie zählt Rheinmetall sowohl zu den etablierten Systemanbietern als auch zu den großen Munitionsherstellern. Der Bedarf an Artilleriesystemen und Munition ist im Zuge des Kriegs in der Ukraine deutlich gestiegen; mehrere Hersteller bauen ihre Produktionskapazitäten aus. Rheinmetall gibt an, die eigenen Kapazitäten derzeit ebenfalls auszuweiten.

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