Vom 30-mm-Schützenpanzer bis zur Mörser- und Flugabwehrvariante: Mit der A2CS-Familie bewirbt das Gemeinschaftsunternehmen Leonardo Rheinmetall Military Vehicles eine modulare Kettenfahrzeug-Plattform.
Das A2CS ist als Familie gepanzerter Kettenfahrzeuge konzipiert, die auf einem gemeinsamen Fahrgestell und einer einheitlichen Führungsarchitektur (C2) aufbaut. Aus diesem Baukasten lassen sich nach Herstellerangaben mehrere Varianten ableiten. Ein Basisfahrzeug bietet Platz für eine dreiköpfige Besatzung sowie bis zu acht abgesessene Soldaten und erreicht je nach Ausführung ein Gefechtsgewicht von bis zu 50 Tonnen.

Bewaffnung in mehreren Kalibern
Die Bewaffnung variiert je nach Variante. In der Standardausführung als Schützenpanzer ist ein unbemannter Turm mit einer 30-mm-Maschinenkanone (30×173 mm) vorgesehen. Für schwerere Aufgaben nennt der Hersteller eine 120-mm-Variante (L45) für mittlere Kampfpanzer einschließlich der Fähigkeit zum Einsatz von Vulcano-120-Munition sowie eine Variante mit 120-mm-Mörser im Turm. Als Sekundärbewaffnung sind ein koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr, optional Panzerabwehrlenkflugkörper sowie eine fernbedienbare 12,7-mm-Waffenstation (RCWS) vorgesehen.
Für die Flugabwehr gegen Drohnen, Drohnenschwärme und konventionelle Luftziele lässt sich die Plattform laut aktueller Broschüre mit Kurzstrecken-Flugabwehrlenkflugkörpern (VSHORAD) und Suchradaren ausstatten. Die Feuerleitung unterstützt sogenannte Hunter-Killer-Verfahren, bei denen Kommandant und Richtschütze Ziele parallel aufklären und bekämpfen können.
Mehrschichtiges Schutzkonzept
Beim Schutz setzt der Hersteller auf ein kombinierbares Konzept aus modularer Passivpanzerung, einem aktiven Schutzsystem (APS), Soft-Kill-Komponenten sowie Schutz gegen Minen, improvisierte Sprengsätze und Drohnen. Das aktive Schutzsystem soll anfliegende Bedrohungen wie Panzerabwehrlenkflugkörper oder Panzerfäuste kurz vor dem Einschlag abfangen. Ergänzt wird dies durch Systeme zur Signaturreduzierung und durch Sensorik zur Bedrohungserkennung.
Antrieb und Mobilität
Angetrieben wird das Fahrzeug von einem neu entwickelten Antriebspaket mit Dieselmotor, das eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 65 km/h auf der Straße ermöglichen soll. Der Hersteller verweist zudem auf Geländegängigkeit, ein neues Lauf- und Federungssystem sowie ein günstiges Leistungsgewicht für schnelle Stellungswechsel.
Vernetzte Architektur
Das A2CS ist als vernetzte Plattform mit einer NGVA-konformen digitalen Architektur ausgelegt, die in NATO- und multinationalen Verbünden interoperabel sein soll. Vorgesehen sind unter anderem die Anbindung an ein Battle-Management-System, eine durchgehende 360-Grad-Lageerfassung bei Tag und Nacht, digitale Zielerfassung sowie KI-gestützte Entscheidungshilfen. Über ein flexibles Arbeitsplatzkonzept sollen mehrere Besatzungsmitglieder zentrale Systeme bedienen können. Zur Architektur gehört außerdem eine vorausschauende Wartung auf Basis der HUMS-Technologie.
Hintergrund: A2CS-Programm und Joint Venture
Hinter dem Fahrzeug steht das Unternehmen Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV), ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen von Leonardo (Italien) und Rheinmetall (Deutschland), das im Oktober 2024 als europäisches Kompetenzzentrum für Kettenfahrzeuge gegründet wurde. Das Joint Venture hat seinen rechtlichen Sitz in Rom und eine operative Zentrale in La Spezia; rund 60 Prozent der Produktionsaktivitäten finden in Italien statt.
Das A2CS-Programm – ursprünglich als Armoured Infantry Combat System (AICS) bezeichnet – umfasst die geplante Beschaffung von insgesamt 1.050 Kampffahrzeugen. Es basiert auf dem Fahrgestell des Schützenpanzers Lynx KF41 und soll gemeinsam mit einem Kampfpanzerprogramm die alternde italienische Fahrzeugflotte aus VCC-80 Dardo und M113 ersetzen. Geplant sind fünf Konfigurationen für 16 Einsatzrollen, darunter Varianten mit 30-mm- und 120-mm-Bewaffnung, ein Mörserträger, eine Flugabwehr- sowie eine turmlose Ausführung.
Einen ersten konkreten Schritt markierte ein Anfang November 2025 unterzeichneter Vertrag über 21 Fahrzeuge mit Optionen auf 30 weitere sowie Ausbildungs- und Simulationssysteme. Die ersten vier Lynx-KF41-Fahrzeuge übergab LRMV am 27. Januar 2026 im Erprobungszentrum des italienischen Heeres in Montelibretti. Während die ersten Fahrzeuge zunächst mit dem Lance-Turm von Rheinmetall ausgestattet sind, soll die Flotte später auf den 30-mm-Turm Hitfist von Leonardo umgestellt werden.
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