Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ verzeichnet bedeutende Fortschritte in ihrem Aufbauprozess. Mit der Unterstellung zweier Kampftruppenbataillone im Januar sowie der Multinational Battlegroup Lithuania Anfang Februar unterstehen der Brigade nunmehr rund 2.800 Soldatinnen und Soldaten – Tendenz steigend. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Brigade, die bislang erzielten Fortschritte und die verbleibenden Herausforderungen auf dem Weg zur vollen Einsatzbereitschaft bis Ende 2027.
___STEADY_PAYWALL___
Zeitplan
Im Juni 2023 verkündete Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius während seines Besuchs in Litauen eine wegweisende Entscheidung: Die Bundeswehr würde erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Brigade dauerhaft im Ausland stationieren – in dem baltischen Land.
Bereits ein halbes Jahr später, im Dezember 2023, unterzeichneten Deutschland und Litauen in Vilnius die Roadmap für dieses ambitionierte Vorhaben. Die Umsetzung begann zügig: Im April 2024 traf ein Vorkommando mit etwa zwanzig Personen in der litauischen Hauptstadt ein. Bis zum Jahresende wuchs dieser Aufstellungsstab auf rund einhundertfünfzig Personen an.
Der 1. April 2025 markierte einen weiteren wichtigen Meilenstein. An diesem Tag wurde die Panzerbrigade 45 formal in Dienst gestellt. Der Aufstellungsstab ging mit einem militärischen Antreten in Vilnius zum regulären Brigadestab über, womit die Brigade offiziell als militärischer Großverband des deutschen Heeres aufgestellt wurde. Gleichzeitig nahmen in Nemenčinė die Stabunterstützungskompanie und die Fernmeldekompanie ihren Dienst auf – zwei Einheiten, die eine zentrale Rolle für die Führungsfähigkeit des Brigadestabes spielen.
Weniger als zwei Jahre nach der Entscheidung von Boris Pistorius fand am 22. Mai 2025 der feierliche, öffentliche Aufstellungsappell in Vilnius statt. Bei dieser Zeremonie erhielt die Brigade ihre Truppenfahne, den Beinamen „Litauen“ sowie litauische und deutsche Fahnenbänder. Im weiteren Verlauf des Jahres folgten zusätzliche Einheiten, und erste Ausbildungs- sowie Übungsaktivitäten begannen.
Ende September 2025 wurden zwei bedeutende Infrastrukturprojekte realisiert. Die litauische Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė übergab am 29. September in Rukla die Permanent Logistics Support Area an Minister Pistorius – ein wesentliches Element für die künftige logistische Unterstützung der Brigade. Nur einen Tag später, am 30. September, wurde die Deutsche Schule Vilnius in Anwesenheit des Staatssekretärs Nils Hilmer feierlich eröffnet.
Das laufende Jahr bringt den planmäßigen weiteren Aufwuchs der Brigade. Am 29. Januar wurden der Panzerbrigade 45 zwei Kampftruppenbataillone unterstellt: das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf und das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach. Obwohl beide Bataillone bis zur Fertigstellung der erforderlichen Infrastruktur noch nicht dauerhaft verlegen können, werden sie bereits in diesem Jahr in Litauen üben. Für beide sind zwei größere Übungszeiträume von jeweils bis zu drei Wochen mit jeweils bis zu fünfhundert Bataillonsangehörigen eingeplant.
Am 4. Februar erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt: Die Multinational Battlegroup Lithuania wurde der Panzerbrigade 45 unterstellt. Damit leisten nun etwa 1.800 Brigadeangehörige in Litauen ihren Dienst. Insgesamt umfasst die Brigade mittlerweile 2.800 Soldatinnen und Soldaten. Im ersten Halbjahr wachsen die bereits stationierten Einheiten personell um weitere 150 Personen auf, sodass ab Mitte des Jahres etwa 2.000 Angehörige der Brigade vor Ort sein werden.
Laut Bundeswehr konnten bislang alle Dienstposten der Brigade Litauen mit Freiwilligen besetzt werden – sowohl beim Vorkommando und Aufstellungsstab als auch bei allen im Jahr 2025 verlegten Kräften. Auch für die rund 200 Dienstposten, die bis April zu besetzen sein werden, soll dies voraussichtlich möglich sein. Dem entgegen stehen Medienberichte, nach denen sich für die Panzerbrigade 45 nicht genügend Freiwillige finden. Betroffen seien insbesondere die beiden Kampftruppenbataillone sowie die Kampf- und Einsatzunterstützungstruppen. Dieser Aspekt wird im Abschnitt zur Struktur vertieft.
Der weitere Aufwuchs folgt dem in der Roadmap festgelegten bedingungsorientierten Ansatz parallel zum Aufbau der Infrastruktur. Zwischen Mai und Juni steht mit „Freedom Shield“ die erste Übung unter Führung der Panzerbrigade 45 „Litauen“ an. Bis Ende 2027 soll die Infrastruktur fertiggestellt sein und die Brigade ihre volle Einsatzbereitschaft mit vollständiger Kampfbereitschaft aller Einheiten erreichen.
Struktur
Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ ist als schwere Kampftruppenbrigade konzipiert und die 9. Brigade des Deutschen Heeres. Sie untersteht der 10. Panzerdivision. Ihre geplante Gesamtstärke umfasst rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 200 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Das Herzstück der Brigade bilden drei Manöverelemente, die ihr bereits unterstellt wurden. Zwei davon sind bestehende Kampftruppenbataillone der Bundeswehr, die dauerhaft nach Litauen verlegt werden: das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf, das zuvor der Panzerlehrbrigade 9 unterstellt war, und das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach, bisher Teil der Panzerbrigade 12. Bei diesen beiden Bataillonen finden sich jedoch nicht genügend Freiwillige für den Einsatz in Litauen. Laut Medienberichten haben sich von 414 benötigten Soldatinnen und Soldaten für das Panzerbataillon 203 bislang nur 197 freiwillig gemeldet, was einer Quote von knapp 48 Prozent entspricht. Noch geringer ist die Bewerbungsquote beim Panzergrenadierbataillon 122: Hier stehen lediglich 181 Freiwillige für 640 vorgesehene Dienstposten bereit, was einer Quote von rund 28 Prozent entspricht. Als drittes Element ist die Multinational Battlegroup Lithuania der Brigade unterstellt. Die deutschen Anteile dieses Bataillons werden – wie bereits bei der enhanced Forward Presence – weiterhin rotierend aus den Strukturen des Heeres nach Litauen entsendet.
Darüber hinaus sollen neue Einheiten aufgestellt und schrittweise nach Litauen verlegt werden. Dazu zählen das Panzerartilleriebataillon 455, das Versorgungsbataillon 456, die Aufklärungskompanie 450 und die Panzerpionierkompanie 450. Auch bei diesen Kampf- und Einsatzunterstützungskräften fehlt es an Freiwilligen. Insgesamt werden 1.971 Soldatinnen und Soldaten für die genannten Verbände gesucht. Nach einer bundeswehrweiten Umfrage von Ende Januar meldeten sich jedoch nur rund 209 Freiwillige – das entspricht etwa zehn Prozent des Bedarfs. Folglich ist bisher noch nicht absehbar, wann diese Einheiten aufgestellt und nach Litauen verlegt werden sollen.
Bereits am 1. April 2025 wurden unterstützende Kräfte in den Verband eingegliedert. Dazu zählen Sanitätskräfte für das deutsche Sanitätszentrum in Rokantiškės, eine Stabunterstützungskompanie sowie eine Fernmeldekompanie in Nemenčinė. Letztere gewährleistet die Führungsfähigkeit der Brigade und die technische Anbindung des Brigadestabs.
Zusätzlich bereiten sich die Inhouse-Gesellschaften der Bundeswehr darauf vor, die Brigade direkt vor Ort zu unterstützen. Dazu gehören die HIL GmbH, die BwFuhrparkService GmbH, die BwBekleidungsmanagement GmbH und die BWI GmbH. Sie greifen dabei auf ihre langjährige Erfahrung mit der Unterstützung der eFP Battlegroup zurück. Art, Umfang und Verfahren der Unterstützung werden aktuell in enger Abstimmung mit dem Kommando Heer finalisiert.

Ausrüstung
Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ wird mit insgesamt rund 2.000 Militärfahrzeugen ausgestattet, darunter modernste Waffensysteme, die der Brigade eine erhebliche Kampfkraft verleihen.
Das Panzerbataillon 203 wird als erster Verband die neuen Leopard 2 A8 Kampfpanzer erhalten. Die Bundeswehr hat insgesamt 123 dieser Kampfpanzer für die Panzertruppe bestellt. Ab 2027 sollen die ersten neuen Leoparden in die Truppe kommen, mit dem Ziel, bis 2030 alle Panzer zur Verfügung zu haben. Mit der Auslieferung aller derzeit bestellten Leopard 2 A8 wird die Flotte der Bundeswehr voraussichtlich auf 430 Kampfpanzer anwachsen und damit wesentlich zur Vollausstattung der Panzertruppe beitragen.
Das Panzergrenadierbataillon 122 wird mit mindestens vierundvierzig Schützenpanzern Puma im Konfigurationsstand S1 ausgestattet sein. Für den Brigadegefechtsstand ist zudem eine unbekannte Anzahl von Führungsfahrzeugen auf Basis des GTK Boxer vorgesehen.
Die Brigade erhält darüber hinaus 65 Dingo 2 A4.1. Die ersten Fahrzeuge sollen Anfang 2027 in die Truppe kommen und als Patrouillen- und Sicherungsfahrzeug konfiguriert die geschützte Mobilität der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Litauen sicherstellen.
Das Panzerartilleriebataillon 455 soll mit 18 Panzerhaubitzen 2000 A4 ausgestattet werden. Nach Abgaben an die Ukraine hat die Bundeswehr 22 dieser Haubitzen bestellt, die modernisiert wurden und in der Version A4 Verbesserungen in der Elektronik, Feuerleitung, im Handling sowie eine Power-Unit erhalten. Neben der Beseitigung von Obsoleszenzen ist die Regeneration der Bordrechner mit einem neuen Feuerleitrechner vorgesehen sowie die Integration des Programmiersystems für die präzisionsgelenkte Vulcano-Munition. Nach Serienfreigabe sollen die Haubitzen im Zeitraum 2026 bis 2029 geliefert werden.
Neben den Panzerhaubitzen wird das Panzerartilleriebataillon 455 auch über Loitering Munitions verfügen. Das Vorhaben trägt den Titel „Anfangsbefähigung KI-optimierter Aufklärungs- und Wirkungsverbund Landes- und Bündnisverteidigung“ und soll eine durchhaltefähige Aufklärungs- und Wirkungsüberlegenheit in einem operativen Raum von 100 mal 100 Kilometern sicherstellen. Rund 150 Millionen Euro sind für dieses Vorhaben eingeplant. Die Einsatzbereitschaft soll bis 2027 erreicht werden.
Zum Schutz vor Bedrohungen aus der Luft wird die Brigade sehr wahrscheinlich von einer Staffel des Luftverteidigungssystems Nah- und Nächstbereichschutz geschützt. Diese setzt sich aus einer Feuereinheit IRIS-T SLM, sechs Flugabwehrraketenpanzern IRIS-T SLS auf Basis GTK Boxer, drei Feuerleitpanzern auf Basis GTK sowie 16 bis 18 Skyranger 30 zusammen.
Das Versorgungsbataillon 456 wird unter anderem mit mindestens 60 Tankfahrzeugen ausgestattet sein.
Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt ist Uranos KI – ein Novum für die Bundeswehr. Hierbei handelt es sich um einen KI-gestützten Aufklärungsverbund unbemannter Systeme für die taktische Ebene, das heißt die Bataillonsebene, zur Gefechtsfeldaufklärung. Mit der Entwicklung sollen Airbus Defence and Space gemeinsam mit Quantum Systems sowie das auf KI spezialisierte Unternehmen Helsing beauftragt werden. Der vom Bundestag gebilligte Finanzbedarf beläuft sich auf insgesamt rund 136 Millionen Euro. Zunächst werden parallel von zwei Herstellern acht Gesamtsysteme für die Brigade beschafft, wobei das System mittels Künstlicher Intelligenz große Mengen von Daten aus unterschiedlichen Sensorquellen sammeln, aufarbeiten und den Bataillonsgefechtständen zur Verfügung stellen soll. Die Anfangsbefähigung soll zwischen 2026 und 2028 erreicht werden.

Infrastruktur
Die etwa 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie rund 200 zivile Bundeswehrangehörige der Brigade Litauen werden zukünftig auf zwei Hauptstandorte verteilt: Rūdninkai und Rukla, jeweils in der Nähe der Großstädte Vilnius und Kaunas. Übergangsweise nutzen die deutschen Kräfte bestehende litauische Infrastruktur in Nemenčinė und Rokantiškės nahe Vilnius.
Rūdninkai wird der Hauptstandort der Brigade. Dort entsteht auf 190 Hektar eine neue Kasernenanlage, die für bis zu 3.000 Soldaten ausgelegt ist. Die Infrastruktur umfasst Unterkünfte, Sportanlagen, Schießstände, ein Übungsgelände für Gefechtsfahrzeuge, Waffenlager und Logistikbereiche. Der zugehörige Truppenübungsplatz erstreckt sich über 170 Quadratkilometer bewaldetes Gelände mit bereits bestehender Infrastruktur. Der Standort liegt lediglich zehn Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Litauen verantwortet die Errichtung der militärischen und zivilen Infrastruktur. Das Sanitätszentrum Rūdninkai wurde hier bereits am 1. April 2025 aufgestellt.
Rukla dient als weiterer Hauptstationierungsort der Brigade. Dort ist der Bau von Wohnheimunterkünften vorgesehen. Der Standort wird bereits von NATO-Truppen genutzt.
Die Städte Vilnius und Kaunas spielen eine entscheidende Rolle für die Unterbringung der Soldatinnen und Soldaten sowie ihrer Familien. Litauen sorgt für familiengerechte Infrastruktur, einschließlich Kindertagesstätten, Schulen und wohnfreundlicher Quartiere.

Kosten
Die Aufstellung der Panzerbrigade 45 „Litauen“ ist ein finanziell anspruchsvolles Vorhaben. Nach derzeitigen Schätzungen zeichnen sich einmalige Kosten für Rüstungsinvestitionen in Höhe von vier bis sechs Milliarden Euro ab. Diese umfassen die Beschaffung der notwendigen Ausrüstung und Waffensysteme für den Großverband.
Hinzu kommen die jährlichen Betriebskosten, die für die voll aufgestellte Brigade auf etwa eine Milliarde Euro pro Jahr geschätzt werden. Diese laufenden Ausgaben decken den regulären Betrieb, die Instandhaltung und alle operativen Aufwendungen der in Litauen stationierten Truppen ab.
Schwachstellen
Im Juli 2025 führte die Bundeswehr das Analytical Wargame „Baltic Mesh“ durch, um die Einsatzfähigkeit der Brigade unter realistischen Bedingungen zu testen. Dabei wurden insbesondere die russischen Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung berücksichtigt, die im Ukraine-Konflikt deutlich sichtbar geworden sind.
Die Analyse brachte mehrere kritische Problembereiche zutage. Das gravierendste betrifft die elektronische Signatur der Truppe: Die IT- und Kommunikationssysteme senden zu viele Signale aus, die von russischer Funkaufklärung erfasst werden können. Dies macht Truppenteile für gegnerische Artillerie lokalisierbar. Abhilfe sollen größere Distanzen zwischen Sendern und Kommandozentralen schaffen, der verstärkte Einsatz kabelgebundener Verbindungen sowie schwerer ortbarer Übertragungstechnologien.
Eine zweite Herausforderung ergibt sich aus den geografischen Dimensionen. Anders als bei früheren Einsätzen in Afghanistan muss die Brigade einen deutlich größeren Verantwortungsbereich zwischen Kaliningrad und Belarus abdecken. Diese Ausdehnung erschwert die Gefechtsführung erheblich und wirft die Frage auf, wo Gefechtsstände in einem Hochintensitätskonflikt sicher positioniert werden können. Eine mögliche Lösung wäre die Verlegung des Divisions-Hauptquartiers nach Polen oder Deutschland.
Weitere Schwierigkeiten zeigen sich bei den IT-Betriebsabläufen. Die aus Afghanistan bekannten Supportstrukturen mit Ticketsystemen und Genehmigungsverfahren sind für einen dynamischen Gefechtsalltag ungeeignet. Kommandeure benötigen die Befugnis zu autonomen Entscheidungen, ohne auf Freigaben aus Deutschland warten zu müssen.
Auch unterschiedliche Klassifizierungssysteme bereiten Probleme. Während Deutschland mit mehreren Geheimhaltungsstufen arbeitet, kennt Litauen nur zwei Kategorien. Dies führt dazu, dass Dokumente für die NATO-Zusammenarbeit höher eingestuft werden müssen, was zusätzlichen Aufwand verursacht.
Das Wargame offenbarte zudem Sprachbarrieren. Viele Bundeswehrsoldaten hatten Schwierigkeiten, durchgehend auf Englisch zu kommunizieren, und wechselten regelmäßig ins Deutsche.
Positiv hervorzuheben ist, dass die grundlegenden Führungsabläufe funktionieren. Die langjährigen Erfahrungen mit der multinationalen Battlegroup seit 2017 haben sich als wertvoll erwiesen, und die Brigade wurde von Beginn an für multinationale Zusammenarbeit konzipiert.
Einordnung und Ausblick
Die Stationierung der Panzerbrigade 45 „Litauen“ markiert einen historischen Wendepunkt in der deutschen Verteidigungspolitik. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entsendet die Bundeswehr dauerhaft einen Verband in Brigadestärke ins Ausland. Was im Juni 2023 als politische Zusage begann, hat sich in bemerkenswert kurzer Zeit zu einem konkreten militärischen Projekt entwickelt. Binnen weniger als zwei Jahren wurde aus einem Vorkommando von 20 Personen eine Brigade mit inzwischen rund 2.800 Soldatinnen und Soldaten, davon bereits 1.800 vor Ort.
Sowohl organisatorisch als auch materiell ist die Brigade auf die Landes- und Bündnisverteidigung im Baltikum ausgerichtet. Sie wird bevorzugt ausgestattet und erhält die modernsten Waffensysteme des Heeres, darunter den Leopard 2 A8 und Loitering Munitions.
Gleichzeitig offenbarte das Wargame „Baltic Mesh“ erhebliche Herausforderungen. Die elektronische Signatur der Systeme, unzureichende Sprachkenntnisse, inkompatible IT-Prozesse und unterschiedliche Sicherheitsstandards zeigen, dass der Weg zur vollständigen Einsatzbereitschaft noch mit Hürden verbunden ist. Die Zeit drängt: Anpassungen in der Beschaffung und Ausbildung müssen zeitnah erfolgen, um die für Ende 2027 angestrebte Einsatzbereitschaft zu erreichen.
Neben diesen Herausforderungen dürfte das größte Problem für die Brigade Litauen das Fehlen von genügend Freiwilligen sein. Das Verteidigungsministerium bereitet mehrere Maßnahmen vor, um die Rekrutierung anzukurbeln: Geplant sind Informationsschreiben an rund 43.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Besichtigungsreisen nach Litauen. Zudem soll die Mindestdienstzeit von zwei auf ein Jahr verkürzt werden, um die Hürde für potenzielle Freiwillige zu senken. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den erforderlichen Personalbestand zu erreichen, bleibt abzuwarten. Sollte dies nicht gelingen, stünde das Verteidigungsministerium vor der Frage, ob verpflichtende Maßnahmen in Betracht gezogen werden müssen. Ein Scheitern dieses auch als Leuchtturmprojekt der Zeitenwende bezeichneten Vorhabens ist für Deutschland keine tragbare Option.
