Aviation Brigade NFM – Ausrüstung & Organisation

Aviation Brigade NFM - Ausrüstung & Organisation
H145M LKH | Foto: Airbus Helicopters/Cara-Irina Wagner

Im Mai dieses Jahres nahmen über 30 Hubschrauber der Luftwaffe und des Heeres an der Übung Griffin Lightning teil. Bemerkenswert war, dass erstmals in diesem Umfang Einheiten beider Teilstreitkräfte unter einem gemeinsamen Kommando operierten. Die zu Jahresbeginn aufgestellte Aviation Brigade als Teil der Division 2025 vereint erstmals alle Hubschrauber von Luftwaffe und Heer unter einem Dach. Diese neue Struktur entstand aus den Lehren des Ukraine-Krieges und soll eine verbesserte Koordination ermöglichen. Zugleich trägt sie dazu bei, die Anforderungen der NATO im Rahmen des New Force Model effizient zu erfüllen.

Hintergrund

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr von 2011 bis 2014 wurden die Division für Luftbewegliche Operationen sowie die Luftbewegliche Brigade aufgelöst. Alle Heeresflieger wurden in die Division Schnelle Kräfte überführt.

In den Folgejahren richtete sich diese taktisch und logistisch vollständig auf den Einsatz im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements aus. Das führte zu einer Optimierung auf kurzfristige Einsätze einzelner Hubschrauber aus Feldlagern – bei vollständiger Lufthoheit. Diese Ausrichtung erwies sich jedoch als unzureichend für einen möglichen Konflikt mit einem ebenbürtigen Gegner.

Spätestens der russische Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 markierte eine sicherheitspolitische Zeitenwende: Die Landes- und Bündnisverteidigung rückte wieder in den Mittelpunkt. Die Lehren aus dem Ukraine-Krieg haben deutlich gemacht, wie verwundbar ungeschützte Hubschrauber in einem Anti-Access/Area-Denial-Umfeld sind und wie dringend notwendig daher tiefgreifende taktische Anpassungen sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Hubschrauberkräfte der Bundeswehr neu zu strukturieren und konsequent auf den Einsatz im hochintensiven Gefecht in Europa vorzubereiten.

Hier setzt die neue Aviation Brigade an, die die Hubschrauberkräfte Deutschlands für die NATO-Bündnisverteidigung bündelt. Diese Neustrukturierung ist Teil des New Force Model (NFM) der NATO. Ziel des NFM ist es, schneller reagieren, planbarer organisieren und glaubhafter abschrecken zu können. Es ersetzt das bisherige Konzept der NATO Response Force (NRF).

Im Rahmen des NFM werden die Kräfte in drei Bereitschaftsstufen unterteilt:

  • Stufe 1: Schnelle Eingreifkräfte mit einer Vorwarnzeit von bis zu 10 Tagen und einem Umfang von 100.000 Soldaten
  • Stufe 2: Verstärkungskräfte mit bis zu 30 Tagen Vorlaufzeit und einem Umfang von 200.000 Soldaten
  • Stufe 3: Reserven, die innerhalb von 30 bis 180 Tagen mobilisiert werden können und weitere 500.000 Soldaten umfassen

Insgesamt sollen mehr als 800.000 Soldatinnen und Soldaten in dieser gestaffelten Bereitschaft verfügbar sein. Teil des NFM sind verbindliche Vorgaben für die einzelnen Mitgliedsstaaten. Deutschland hat sich im Rahmen dessen verpflichtet, die 10. Panzerdivision bis spätestens 2025 vollständig auszustatten und dem Bündnis als „Division 2025“ bereitzustellen.

Organisation

Wappen: Bundeswehr | Grafik: Moritz Riffel

Teil der Division 2025 ist auch die neu aufgestellte Aviation Brigade. Hierzu wurden – mit Ausnahme der sogenannten „weißen Flotte“ für den VIP-Transport – sämtliche Hubschrauber von Heer und Luftwaffe dem Kommando Hubschrauber unterstellt. Das Kommando mit Sitz in Bückeburg existiert seit 2020 und war bislang vor allem für die Fachaufsicht über die Heeresflieger zuständig.

Nun muss es sich zu einem operativen Führungskommando wandeln. Wichtig ist dabei, dass alle bisherigen Standorte und Einheiten bestehen bleiben. Die Brigade wird nicht dauerhaft als fester Großverband zusammengeführt, sondern lediglich für Übungen und im Verteidigungsfall als Verband aktiviert. In der Anfangsphase entsteht so unter dem Kommando Hubschrauber ein brigadeäquivalenter Verband mit bis zu fünf Manöverelementen. In diesen werden die Hubschraubereinheiten von Heer und Luftwaffe missionsspezifisch und lageabhängig zusammengefasst.

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Insgesamt unterstehen der rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten starken Aviation Brigade die drei Heeresfliegerregimenter: das Transporthubschrauberregiment 10 aus Faßberg, das Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten und das Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar, sowie das Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe mit seinen Standorten in Laupheim und Holzdorf.

Zur Brigade gehören rund 240 Hubschrauber von Heer und Luftwaffe. Ergänzt wird die Struktur durch ein eigenes IT-Bataillon.

Die zu Beginn des Jahres aufgestellte Brigade steht der NATO bereits als Korps-Truppe zur Verfügung und soll bis 2027 vollständig ausgestattet sein. Konkret bedeutet dies, dass dieser luftbewegliche Großverband künftig einem multinationalen Korps – beispielsweise dem Multinationalen Korps Nord-Ost in Stettin – unterstellt werden kann, um Heeresverbände aus der Luft zu unterstützen.

Ihre Fähigkeiten stellte die Brigade bei der Übung Griffin Lightning 2025 unter Beweis: Über 30 Hubschrauber, darunter Tiger, NH90 und CH-53, überbrückten erfolgreich eine Verlegestrecke von 1.700 Kilometern nach Litauen und nahmen dort an der multinationalen Übung teil.

Ausrüstung

Neben den NH90, Tiger, EC135 und Airbus H145M des Heeres werden künftig auch die neuen leichten Kampfhubschrauber des Typs H145M LKH Teil der Aviation Brigade sein. Auf Seiten der Luftwaffe ergänzen neben den bewährten CH-53 ab dem Jahr 2027 auch die neuen CH-47 „Chinook“ das Fähigkeitsspektrum der Brigade.

Das primäre Waffensystem der Aviation Brigade ist der Eurocopter Tiger. Der KH Tiger ist in der Lage, Hochwertziele auf verschiedene Distanzen zu bekämpfen, bietet taktische Feuerunterstützung für Landstreitkräfte, führt weiträumige bewaffnete Aufklärung durch und bietet Begleitschutz für mittlere und leichte Transporthubschrauber sowie Bodentruppen. Außerdem unterstützt er den Einsatz von Spezialkräften und arbeitet in luftbeweglichen Operationen oft mit dem NH90 zusammen. Der Tiger ist ein mehrrollenfähiger Hubschrauber, der unter allen Wetterbedingungen und nachts einsatzfähig ist, mit einer Reichweite von 700 Kilometern und einer Einsatzdauer von etwa fünf Stunden. Er bietet hohen Schutz durch seine Teilpanzerung, das Mastvisier und verschiedene Schutzsysteme. Die Besatzung verfügt über hochmoderne Technologien für Flugführung und Waffeneinsatz, darunter Sensorhelme mit Restlichtverstärkern und Infrarot-Nachtsichtsystemen.

Der KH Tiger verwendet fünf Waffensysteme: Stinger-Luft-Luft-Lenkflugkörper, 12,7-mm-MG-Pods für den Nahbereich, HOT-3-Lenkflugkörper zur Bekämpfung gepanzerter Ziele, ungelenkte 70-mm-Raketen für Flächenziele und das Panzerabwehr-Raketensystem PARS 3 LR, ein Fire-and-Forget-Lenkflugkörpersystem mit passivem Infrarotsuchkopf und hoher Störfestigkeit. Bis 2025 soll die gesamte Flotte auf den Ausrüstungsstand ASGARD 33 aufgerüstet werden, was zusätzliche Verbesserungen wie ein viertes Funkgerät, einen Combat Fuel Tank, Laserschutz für die Besatzung und Laserpointer für die Koordination mit Bodentruppen beinhaltet. Geplantes Nutzungsdauerende ist 2032. Allerdings soll die Tiger-Flotte bereits bis 2028 auf 33 Stück reduziert werden. Bis 2032 sollen mindestens 24 Luftfahrzeuge im Bauzustand erhalten bleiben. Danach sollen alle Maschinen aus der operativen Nutzung genommen werden.

Übungsraketen für KH Tiger bestellt
KH Tiger | Foto: synaxonag – Flickr: ILÜ 2012, CC BY 2.0

Als Übergangslösung zum Ersatz des KH Tigers läuft die Beschaffung von 62 leichten Kampfhubschraubern (LKH) des Typs H145M LKH. Der H145M ist bereits in zwei Versionen bei der Bundeswehr eingeführt: Das Heer verfügt über sieben H145M LUH SAR, die für den Such- und Rettungsdienst genutzt werden. Die Luftwaffe verfügt über 15 H145M LUH SOF zur Unterstützung von Spezialkräften. Am 13. Dezember 2023 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages der 25-Millionen-Euro-Vorlage zur Beschaffung von bis zu 82 H145M LKH zugestimmt. Einen Tag später hat das BAAINBw einen entsprechenden Rahmenvertrag mit Airbus Helicopters unterzeichnet. Dieser beinhaltet neben den bis zu 82 Hubschraubern auch Ersatzteile, acht Ausbildungssimulatoren, die Ausbildung des fliegenden und technischen Personals sowie Dienstleistungen für den Betrieb der Maschinen über einen Zeitraum von sieben Jahren.

Von den 82 Hubschraubern sind allerdings nur 62 fest beauftragt – davon 24 in der Rolle Kampf, 33 in der Rolle Ausbildung/Professionalisierung und fünf in der Rolle SOF. Die 20 weiteren optional zu bestellenden Hubschrauber setzen sich aus 15 in der Rolle Ausbildung/Professionalisierung und fünf in der Rolle SOF zusammen. Insgesamt also bis zu 82 H145M LKH, davon 65 für das Heer und 17 für die Luftwaffe. Alle Maschinen sollen einen identischen Konfigurationsstand aufweisen und durch die Einrüstung bzw. Rückrüstung eines Rüstsatzes an die für den Einsatz geforderte Rolle angepasst werden können. Nicht im Rahmenvertrag enthalten ist hingegen die Munition für die leichten Kampfhubschrauber. Das Beschaffungsvolumen beläuft sich auf 2,6 Milliarden Euro. Davon sollen 1,9 Milliarden Euro bis 2027 aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanziert werden. Die restlichen 700 Millionen Euro müssen bis 2031 aus dem regulären Verteidigungshaushalt finanziert werden. Die Auslieferung der 62 fest beauftragten Hubschrauber soll im Zeitraum 2024 bis 2028 erfolgen.

H145M LKH
H145M LKH | Foto: Airbus Helicopter / Cara-Irina Wagner

Der NH90 TTH ist das Rückgrat des Lufttransportes des Deutschen Heeres. Der NH90 kann neben seiner Hauptaufgabe als Transporthubschrauber und für Forward Air Medivac (FAM) auch in luftbeweglichen Operationen eingesetzt werden. Hierfür sind unterschiedliche Missionsausrüstungspakete geplant, etwa für Führung, Aufklärung oder die Unterdrückung gegnerischer Flugabwehr. Die Umsetzung dieser Ausrüstungspakete steht jedoch noch aus. Der NH90 ist der erste Hubschrauber, bei dem nahezu alle Bordsysteme digital und mehrfach redundant gesteuert werden. Er verfügt über ein modernes Navigationssystem sowie Schutzsysteme wie Täuschkörper und Infrarot- sowie Radarwarnsensoren. Zusätzlich kann eine Panzerung zum Schutz der Piloten montiert werden.

Neben der dreiköpfigen Besatzung kann der NH90 bis zu 16 Soldaten mit Ausrüstung oder 12 liegende Verwundete transportieren. Im taktischen Einsatz werden in der Regel mindestens zwei NH90 gemeinsam verwendet – einer übernimmt die Forward-Air-Medivac-Rolle, während der andere zur Überwachung oder gegebenenfalls zur Luftnahunterstützung eingesetzt wird. Alle 82 bestellten Hubschrauber wurden mittlerweile ausgeliefert, jedoch in verschiedenen Rüstzuständen. Die Umrüstung aller Systeme auf die Final Operational Configuration wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Software-Update für NH-90
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow

Als mittlerer Transporthubschrauber dient der CH-53G, welcher in verschiedenen Ausführungen von der Luftwaffe genutzt wird. Er kann schwere Lasten wie Fahrzeuge und Artillerie oder bis zu 33 Soldaten aufnehmen und über weite Distanzen transportieren. Das Hubschraubergeschwader 64 betreibt derzeit noch 66 CH-53 in unterschiedlichen Varianten. In der Aviation Brigade ergänzen sie die NH90, indem sie Großraum- und Langstreckentransporte ermöglichen – wie etwa das rasche Verlegen von Pioniergerät oder das Bergen von Luftlandeeinheiten. Allerdings sind die CH-53 mittlerweile über 50 Jahre alt. Ersatz ist aber unterwegs: Ab 2027 sollen die neu bestellten Boeing CH-47F Chinook schrittweise die CH-53 ablösen. Dazu hat die Bundeswehr 60 CH-47F SR Block II geordert, die modernste Avionik, höhere Zuladung und Reichweite bieten und somit die Fähigkeiten der Brigade in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre massiv erweitern sollen. Die Kosten für dieses Beschaffungsvorhaben belaufen sich auf rund 6,98 Milliarden Euro, finanziert aus Mitteln des Sondervermögens Bundeswehr. Die Auslieferung der Hubschrauber soll im Zeitraum von 2027 bis 2033 erfolgen. Im Anschluss sollen die Hubschrauber bis mindestens 2060 genutzt werden.

CH-47F SR Block II - der zukünftige Schwere Transporthubschrauber der Bundeswehr
CH-47F / Foto: Bundeswehr/Dominik Lennartz

Fazit

Die Aufstellung der Aviation Brigade gilt als wichtiger Schritt hin zu einem schlagkräftigeren Heer. Aus heutiger Sicht ist die Neuaufstellung sinnvoll für die Bundeswehr und die NATO. Angesichts der Bedrohung an der NATO-Ostflanke und den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine ist klar, dass Deutschland seine Hubschrauberkräfte neu ausrichten muss. Durch die Bündelung aller Drehflügler erhält die NATO nun eine flexible Hubschrauberbrigade, die innerhalb kürzester Zeit aus dem Frieden heraus aktiviert und verlegt werden kann, um als Korpstruppenteil zur Abschreckung und Verteidigung beizutragen. Das erhöht die Reaktionsfähigkeit im Ernstfall und sendet ein deutliches Signal. Bei der Übung Griffin Lightning 2025 hat die Aviation Brigade bereits gezeigt, dass schnelle Verlegungen mit Dutzenden Hubschraubern über große Distanz möglich sind.

Natürlich bringt die neue Ausrichtung auch Herausforderungen mit sich. Materiell muss die Hubschrauberflotte auf Vordermann gebracht werden; die Beschaffung der Chinook und der H145M sind hier nur Anfänge, um die Einsatzbereitschaft zu erhöhen. Ebenso müssen die bestehenden Tiger, NH90 und CH-53 durch Upgrades und bessere Ersatzteilversorgung einsatzfähig gehalten werden. Personell erfordert die Aviation Brigade, dass Heer und Luftwaffe eng verzahnt agieren. Konkret müssen unterschiedliche Wartungskonzepte und Ausbildungsgänge harmonisiert werden. Außerdem verfügt das Kommando Hubschrauber selbst derzeit über keine eigenen Logistik-, Sicherungs- oder Führungsunterstützungskräfte – diese Ressourcen müssen aus beiden Teilstreitkräften herangezogen werden. Trotz dieser Herausforderungen dürfte die neue Aviation Brigade wegweisend für die künftige Heeresstruktur sein und die Luftbeweglichkeit und Kampfkraft der deutschen Landstreitkräfte erheblich steigern. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und der NATO.

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