Das dänische Softwareunternehmen Systematic hat die Software für das Sanitätsdienstliche Führungs- und Einsatzsystem (SAFES) der Bundeswehr nach Abschluss der Entwicklungsphase planmäßig ausgeliefert. Mit SitaWare Battlefield Health soll der Sanitätsdienst die Steuerung von Verwundeten im Einsatzgebiet künftig digital abwickeln.
Auslieferung nach Abschluss der Entwicklung
Systematic gab die Auslieferung am 28. Oktober 2026 bekannt. Bereits am Vortag wurde der aktuelle Entwicklungsstand dem Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr vorgeführt. Mit SitaWare Battlefield Health soll der Sanitätsdienst der Bundeswehr seine Patienten im Einsatzgebiet künftig digital steuern; nach Abschluss der Entwicklungsphase wurden die beauftragten Softwareprodukte für SAFES planmäßig ausgeliefert.
Grundlage ist ein Auftrag aus dem Vorjahr. Ende Oktober 2025 hatte Systematic mitgeteilt, dass die Bundeswehr im Rahmen der Digitalisierung ihres Sanitätsdienstes eine Generallizenz für die Software beauftragt hat. Im März 2026 stellten Systematic und das Kommando Gesundheitsversorgung das System gemeinsam bei der Übung Medic Quadriga 2026 vor, wo Systematic als Projektpartner für die Produktverbesserung SAFES (PV SAFES) vertreten war.
Funktionen entlang der Rettungskette
Die Software deckt nach Unternehmensangaben den Großteil der Rettungskette im Einsatzgebiet ab, mit dem Schwerpunkt Patientensteuerung. Auf taktischer Ebene werden Patienten dokumentiert, Transportanfragen bearbeitet und MEDEVAC-Einsätze koordiniert. Auf Führungsebene werden die erfassten notfallmedizinischen Daten sowie Patientensteuerung und -tracking gebündelt. Eingebunden in das gemeinsame Lagebild, liefert das System fortlaufend Informationen über Bedarf und Verfügbarkeit von Rettungsmitteln. Dabei greift es auf die bereits vorhandene IT-Infrastruktur und die eingeführten Führungsmittel zurück. Der abgedeckte Bereich reicht vom Verwundetensammelpunkt bis zur ersten Sanitätseinrichtung.
Systematic hatte zuvor vier Kernfunktionen beschrieben: Verwundetensteuerung, durchgängiges Patiententracking, notfallbezogene Patientendokumentation und die Darstellung der sanitätsdienstlichen Lage. Medizinische Daten sollen ab dem ersten Patientenkontakt digital erfasst und entlang der Versorgungskette weitergegeben werden, um Informationsverluste an den Übergängen zwischen Behandlungsebenen zu verringern.
Teil des Mission Enabling Service Bundeswehr
SitaWare Battlefield Health baut auf der SitaWare Suite auf und ergänzt den Mission Enabling Service Bundeswehr (MESBw) um eine sanitätsdienstliche Komponente. Die Bundeswehr nutzt SitaWare als MESBw, zunächst in den Ausprägungen Command Post mit SitaWare Headquarters und Mountable mit SitaWare Frontline. Im September 2025 kam eine Generallizenz für SitaWare Edge hinzu, das als Variante Portable die tragbaren Führungs- und Kommunikationsgeräte abdeckt. Der MESBw läuft auf der IT-Plattform zur Harmonisierung der Führungsinformationssysteme (HaFIS).
Sven Trusch, Geschäftsführer der Systematic GmbH, sieht in dem Vorhaben einen Beleg dafür, dass Digitalisierungsprojekte der Bundeswehr zügig bei der Truppe ankommen können, wenn Nutzer und Industrie gemeinsam entwickeln. Das Unternehmen will die Zusammenarbeit fortsetzen.
Hintergrund: Sanitätsdienst und Landes- und Bündnisverteidigung
Der Sanitätsdienst richtet sich derzeit organisatorisch neu aus. Das Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr wurde am 22. September 2025 in der Koblenzer Falckenstein-Kaserne in Dienst gestellt.
Die Anforderungen an die Rettungskette sind mit der Rückkehr zur Landes- und Bündnisverteidigung gestiegen. Ein Ergebnispapier des Digitalverbands Bitkom und des Kommandos Cyber- und Informationsraum hält fest, dass die militärische Rettungskette bislang auf internationales Krisenmanagement ausgelegt ist und für ein Szenario im Baltikum mit bis zu 1.000 Verwundeten pro Division und Tag gerechnet werden muss.
Bei Medic Quadriga 2026 wurde erstmals die gesamte Rettungskette durchgängig beübt. Das Kommando Gesundheitsversorgung zog dafür ein Sanitätsbataillon als Übungsverband zusammen und verlegte es nach Litauen; neun Kliniken waren in das Übungsgeschehen eingebunden. Der Übungsraum erstreckte sich über rund 1.600 Kilometer von Koblenz über die Ostsee nach Litauen und zurück nach Berlin-Brandenburg.
