Heckler & Koch steigert Umsatz im ersten Halbjahr um 47 Prozent

Der Oberndorfer Handwaffenhersteller Heckler & Koch hat im ersten Halbjahr 2026 Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Das operative Ergebnis wuchs stärker als der Umsatz, der Auftragseingang lag mit 260 Millionen Euro unter dem hohen Vorjahreswert.
Foto: Heckler & Koch

Der Oberndorfer Handwaffenhersteller Heckler & Koch hat im ersten Halbjahr 2026 Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Das operative Ergebnis wuchs stärker als der Umsatz, der Auftragseingang lag mit 260 Millionen Euro unter dem hohen Vorjahreswert.

Ergebnis mehr als verdreifacht

Die H&K AG hat nach eigenen Angaben vom 31. August 2026 im ersten Halbjahr einen Umsatz von 263,9 Millionen Euro erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 179,5 Millionen Euro entspricht das einem Zuwachs von 47,1 Prozent. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg von 29,2 auf 66,2 Millionen Euro und damit um 126,7 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich von 11,8 auf 40,8 Millionen Euro.

Zur Einordnung: Im gesamten Geschäftsjahr 2025 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 393 Millionen Euro und ein EBITDA von 67,9 Millionen Euro ausgewiesen. Das Halbjahresergebnis erreicht damit nahezu das operative Ergebnis des kompletten Vorjahres. Bereits Ende Juli hatte der Vorstand auf Basis vorläufiger Zahlen die Prognose für das Gesamtjahr angehoben und für Umsatz und Betriebsleistung eine Verbesserung im hohen zweistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Auftragseingang unter Vorjahresniveau

Der Auftragseingang belief sich im ersten Halbjahr auf 260 Millionen Euro. Das Unternehmen verweist darauf, dass der Vorjahreswert außergewöhnlich hoch ausgefallen war. Tatsächlich hatte der Auftragseingang 2025 bei 802 Millionen Euro gelegen, nach 426,2 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Der Rückgang relativiert sich durch einen Vorgang kurz nach dem Bilanzstichtag. Anfang Juli 2026 hat das Beschaffungsamt BAAINBw den Rahmenvertrag über 250.000 Sturmgewehre der Typen G95A1 und G95KA1 vollständig abgerufen. Dabei handelt es sich um rund 160.000 zusätzliche Waffen; das Volumen dürfte mehr als eine halbe Milliarde Euro betragen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte der zugrunde liegenden Vertragsänderung am 3. Dezember 2025 zugestimmt und den Gesamtumfang von 118.718 auf 250.000 Stück erhöht, bei einer Laufzeit bis 2032. Dieser Auftrag fällt in das zweite Halbjahr und ist in den nun veröffentlichten Zahlen noch nicht enthalten.

Investitionen in Oberndorf, Großbritannien und den USA

Als Schwerpunkte der laufenden Investitionstätigkeit nennt das Unternehmen den Ausbau der Produktionskapazitäten am Stammsitz Oberndorf, den Aufbau industrieller Kapazität in Großbritannien sowie einen begonnenen Kapazitätsausbau in den Vereinigten Staaten. Zwischen 2019 und 2024 hatte Heckler & Koch rund 100 Millionen Euro investiert, für den Zeitraum 2025 bis 2028 sind 235 Millionen Euro vorgesehen. Etwa 85 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Deutschland, kleinere Standorte bestehen in den USA und in Großbritannien. Die Belegschaft lag zuletzt bei rund 1.340 Personen und soll bis 2028 auf etwa 1.600 wachsen.

Das britische Geschäft hat zuletzt an Gewicht gewonnen. Nach einer im Juni 2026 veröffentlichten Transparenzmitteilung will das britische Verteidigungsministerium Heckler & Koch (UK) Limited einen Zehnjahresvertrag über die Lieferung von Maschinengewehren des Typs L7A2 und zugehörigem Zubehör erteilen. Der Wert liegt bei rund 70 Millionen Pfund einschließlich Mehrwertsteuer, die Vergabe erfolgt ohne Wettbewerb.

Bewertung durch den Vorstand

Vorstandsvorsitzender Jens Bodo Koch führt die Entwicklung auf die Investitionen der vergangenen Jahre zurück und betont, dass die wirtschaftliche Lage weitere Ausgaben für Produktionskapazitäten, Prozesse und Personalqualifikation ermögliche. Eine profitable Verteidigungsindustrie sei aus seiner Sicht Bestandteil glaubwürdiger Abschreckung. Finanzvorstand Andreas Schnautz verweist darauf, dass Umsatzwachstum und verbesserte Profitabilität die finanzielle Basis stärken und die Fortführung der Investitionsprogramme sowie laufender Großprojekte ermöglichen.

Als Nachfragetreiber nennt das Unternehmen den Bedarf von NATO- und Partnerstaaten an modernen Handwaffensystemen. Hintergrund sind die seit 2022 gestiegenen Verteidigungsausgaben der Bündnisstaaten; neben der Bundeswehr zählt inzwischen auch Frankreich zu den Kunden, das ein Gewehr des Herstellers als Standardsturmgewehr eingeführt hat.

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share