Lufthansa Aviation Training übernimmt fliegerische Erstausbildung der Luftwaffe

Ab dem 1. Februar 2027 absolvieren angehende Jetpilotinnen und -piloten der Bundeswehr ihre fliegerische Grundausbildung bei einer Tochtergesellschaft der Lufthansa Group in Rostock-Laage. Der Auftrag umfasst rund 50 Lehrgangsteilnehmende.
Foto: Lufthansa

Ab dem 1. Februar 2027 absolvieren angehende Jetpilotinnen und -piloten der Bundeswehr ihre fliegerische Grundausbildung bei einer Tochtergesellschaft der Lufthansa Group in Rostock-Laage. Der Auftrag umfasst rund 50 Lehrgangsteilnehmende.

Die Lufthansa Aviation Training GmbH (LAT) übernimmt zum 1. Februar 2027 das Initial Flight Training (IFT) für etwa 50 angehende Pilotinnen und Piloten der Deutschen Luftwaffe. Das teilte das Unternehmen am 26. August mit. Eine entsprechende Vereinbarung war zuvor unterzeichnet worden. Vertragspartner auf Seiten der Bundeswehr ist das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Berlin.

Inhalte der Ausbildung

Das IFT bildet den ersten praktischen Abschnitt der Pilotenlaufbahn. Vermittelt werden theoretische Grundlagen wie Meteorologie, Luftrecht und Missionsplanung sowie das Fliegen nach Sichtflugregeln. Hinzu kommt eine Einweisung in das Upset Prevention and Recovery Training, ein Verfahren zum Wiederherstellen der Fluglage nach ungewöhnlichen Fluglagen. Dieses Training ist seit Ende 2019 für Berufspiloten-Ausbildungsgänge verbindlich vorgeschrieben. Den Abschluss des Ausbildungsabschnitts markiert der erste Alleinflug.

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Standort Rostock-Laage

Geflogen wird auf einmotorigen Schulflugzeugen des Typs Diamond DA40 NG. Als Fluglehrer setzt LAT nach eigenen Angaben überwiegend Personal ein, das zuvor als Jetpilot bei der Luftwaffe geflogen ist. Am selben Standort ist das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ stationiert, das neben Aufgaben der Luftverteidigung auch die Ausbildung auf dem Eurofighter verantwortet. LAT verweist auf die daraus folgende räumliche Nähe zum Ausbildungsverband.

Rostock-Laage wird von der Flugschule der Lufthansa Group bereits seit Jahren genutzt. Dort absolvieren zivile Flugschülerinnen und Flugschüler die Instrumentenflugphase ihrer Ausbildung, die mit der praktischen Prüfung zur Berufspilotenlizenz CPL endet.

Einordnung: Verlagerung aus den USA

Bislang findet die fliegerische Erstausbildung der Luftwaffe nicht in Deutschland statt. Zuständig ist die 3. Deutsche Luftwaffenausbildungsstaffel in Goodyear, Arizona, die derzeit rund 30 Lehrgangsteilnehmende pro Jahr auf die weiterführende Jetpilotenausbildung vorbereitet. Als Schulflugzeug dient dort die einmotorige, kunstflugtaugliche Grob G-120TP. Der Standort war wegen der stabilen Sichtflugbedingungen gewählt worden; die Lufthansa hatte ihren dortigen Ausbildungsbetrieb im Januar 2022 an United Airlines übertragen. Ob und in welchem Umfang die Ausbildung in Arizona parallel weiterläuft, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

An das IFT schließt sich die weiterführende Jetausbildung an, für die deutsche Anwärter bislang in die USA gehen. Auf der Sheppard Air Force Base in Texas bilden im Rahmen des Euro NATO Joint Jet Pilot Training 14 NATO-Staaten gemeinsam aus; von jährlich etwa 250 Lehrgangsteilnehmenden stammen rund 24 aus Deutschland. Die Bundeswehr sucht hier zusätzliche Kapazitäten: Das Beschaffungsamt BAAINBw veröffentlichte im April 2026 eine Ausschreibung für eine „ergänzende fliegerische Grundlagenausbildung Jet“ mit einer Laufzeit vom 1. Juli 2027 bis zum 30. Juni 2036. Bewerber müssen unter anderem in den vergangenen fünf Jahren mindestens 50 Piloten pro Jahr ausgebildet haben und einen Umsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro in drei Jahren nachweisen.

Hintergrund zum Auftragnehmer

LAT hat ihren Sitz am Flughafen München und beschäftigt an zehn Standorten rund 800 Mitarbeitende. Das Unternehmen betreibt knapp 200 Trainingsgeräte, darunter Schulflugzeuge, Flugsimulatoren und Mock-ups für die Kabinenausbildung. Für die Bundeswehr qualifiziert LAT bereits Drohnenbediener der Luftwaffe in Rostock, Besatzungen der P-8A Poseidon der Marine am Simulatorstandort Berlin sowie Hubschrauberbesatzungen.

LAT-Chef Matthias Spohr wertet den Auftrag als Vertrauensbeweis der Luftwaffe und ordnet die Grundausbildung als Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Streitkräfte ein. Brigadegeneral Henrik Scholz vom Kommando Luftwaffe verweist auf die seit über 60 Jahren bestehende Zusammenarbeit beider Seiten in der Pilotenschulung. Der Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Berlin, Frank Ringhof, hebt hervor, dass mit dem Vertragsabschluss die Ausbildung des Pilotennachwuchses für die Landes- und Bündnisverteidigung sichergestellt sei.

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