Nach dem Bruch in der deutsch-französischen Kampfjet-Kooperation haben sich acht führende deutsche Verteidigungs- und Luftfahrtunternehmen zum „Team Gen 6″ zusammengeschlossen. Sie wollen die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation mit europäischen Partnern vorantreiben.
Berlin – Die deutsche Verteidigungsindustrie stellt sich für die Entwicklung eines künftigen Kampfflugzeugs neu auf. Unter dem Namen „Team Gen 6″ haben sich Airbus Defence and Space, AUTOFLUG, Diehl Defence, HENSOLDT, Liebherr, MBDA Deutschland, MTU Aero Engines sowie Rohde & Schwarz zusammengeschlossen. Vorgestellt wurde die Initiative im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Parallel formiert sich mit Indra, Airbus Defence and Space, Grupo Oesía, GMV, ITP und Sener eine vergleichbare spanische Industriegruppe.

Anlass ist eine angekündigte Neuausrichtung des europäischen Future Combat Air System (FCAS). Während die Arbeiten am übergeordneten „System of Systems“ – der vernetzten Architektur aus bemannten und unbemannten Plattformen – fortgesetzt werden sollen, wird die Entwicklung des darin integrierten Kampfjets der sechsten Generation neu organisiert. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen erfordert dies ein eigenständiges, handlungsfähiges industrielles Setup.
Hintergrund: Streit zwischen Airbus und Dassault
Der Schritt folgt auf das Scheitern der gemeinsamen deutsch-französischen Jet-Entwicklung. Deutschland und Frankreich hatten FCAS 2017 vereinbart, später trat Spanien bei. Das Programm umfasste ursprünglich drei Säulen: ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, unbemannte Begleitdrohnen (Remote Carrier) sowie eine vernetzte Combat Cloud. Anfang Juni 2026 verständigten sich beide Regierungen darauf, die gemeinsame Entwicklung des Kampfjets zu beenden.
Hintergrund sind langjährige Differenzen zwischen Airbus und dem französischen Hersteller Dassault Aviation. Strittig waren vor allem die Aufgabenverteilung, die industrielle Führungsrolle, Fragen des geistigen Eigentums sowie unterschiedliche militärische Anforderungen – Frankreich benötigt ein träger- und nuklearwaffenfähiges Flugzeug, Deutschland nicht. Dassault hatte zuletzt einen Arbeitsanteil von rund 80 Prozent gefordert, was nach Einschätzung deutscher Beobachter die heimische Luftfahrtindustrie erheblich geschwächt hätte. Ein im Frühjahr 2026 eingeleitetes Vermittlungsverfahren blieb ohne Ergebnis.
Schlüsseltechnologien und industrielle Kompetenzen
Die im „Team Gen 6″ gebündelten Unternehmen decken nach eigener Darstellung ein breites Technologiespektrum ab. Dazu zählen Sensorik und elektronische Kampfführung, Selbstschutz- und Missionsmanagementsysteme, Tarnkappentechnologie (Low Observability), KI-gestützte Echtzeitvernetzung, militärische Kommunikation, Triebwerks- und Flugsteuerungstechnik sowie Lenkflugkörper. Mehrere Partner verweisen auf bestehende Erfahrung aus Programmen wie Eurofighter, A400M, Tiger und NH90. Die beteiligten Vorstandsvorsitzenden betonten in einer gemeinsamen Erklärung, ein neues industrielles Setup sei nun notwendig, um ein leistungsfähiges europäisches Luftkampfsystem bereitzustellen.
Die Unternehmen heben hervor, dass die technologischen und finanziellen Herausforderungen eines Systems der sechsten Generation nur in europäischer Zusammenarbeit zu bewältigen seien. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe setze starke nationale Industrien und politischen Rückhalt voraus.
Offene Fragen
Wie genau das künftige industrielle Konsortium aufgestellt wird und welche europäischen Partner hinzukommen, ist bislang offen. Auch die Zukunft der übrigen FCAS-Bestandteile bleibt teils unklar; die Aufteilung der Verantwortlichkeiten für das „System of Systems“ soll bei einem der nächsten deutsch-französischen Ministertreffen erörtert werden. Frankreich dürfte einen eigenen Weg rund um Dassault und einen Rafale-Nachfolger verfolgen. Das „Team Gen 6″ versteht sich nach eigenen Angaben als Angebot deutscher Industrie, die Entwicklung „für Europa, in Europa“ mitzugestalten.
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