Deutsche vertrauen der Bundeswehr und stehen zur Landesverteidigung

Die aktuelle Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) zeigt breite Zustimmung zur Stärkung der Streitkräfte und zum Neuen Wehrdienst. Zugleich geht die Unterstützung für ein aktives militärisches Engagement im Ausland zurück.
Foto: Bundeswehr/Tom Twardy

Mehr Geld, mehr Personal, ein neuer Wehrdienst: Deutschland baut seine Streitkräfte aus. Eine Mehrheit der Bevölkerung trägt diesen Kurs mit, wie die aktuelle Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) zeigt. Beim militärischen Engagement jenseits der Bündnisverteidigung wächst dagegen die Zurückhaltung.

Seit Russlands Vollinvasion der Ukraine 2022 hat sich die deutsche Sicherheitspolitik grundlegend verändert. Wie die Bevölkerung diesen Wandel bewertet, untersucht das ZMSBw in Potsdam seit 1996 jährlich. Für die aktuelle repräsentative Erhebung wurden im April und Mai 2026 mehr als 2.200 zufällig ausgewählte Personen befragt. Schwerpunkt war die Wehrbereitschaft der Gesellschaft, Autor des Forschungsberichts ist Dr. Timo Graf.

Die Bedrohung aus dem Kreml – sie wird wahrgenommen

Grundlage des gesellschaftlichen Rückhalts ist die Wahrnehmung Russlands als Bedrohung. Zwei Drittel der Befragten sehen in Russland eine militärische Gefahr für die Sicherheit Deutschlands, und das in allen Bevölkerungsgruppen mit einer Ausnahme: Die Wählerschaft der AfD erkennt mehrheitlich keine Bedrohung, ein Viertel ihrer Anhänger hält Russland sogar für einen zuverlässigen Partner der Bundesrepublik. Die Bedrohungswahrnehmung prägt die Haltung zu nahezu allen verteidigungspolitischen Fragen, von höheren Ausgaben über den Personalaufwuchs bis zur Unterstützung der Ukraine. Den Neuen Wehrdienst etwa halten 65 Prozent derjenigen für notwendig, die Russland als Bedrohung sehen, bei den übrigen sind es 42 Prozent.

Deutsche Sicherheitspolitik in Zahlen

Politisch ist dieser Kurs inzwischen finanziell und personell unterlegt. Der Verteidigungshaushalt umfasst 2026 rund 108 Milliarden Euro einschließlich Sondervermögen. Für 2027 sieht der Regierungsentwurf knapp 140 Milliarden Euro vor. Die Bundeswehr zählte Ende Juli 2026 rund 186.700 Soldatinnen und Soldaten; bis Mitte der 2030er-Jahre sollen es mindestens 260.000 Aktive und 200.000 Reservisten sein. Für die Ukraine sind 2026 rund 11,5 Milliarden Euro eingeplant, für 2027 laut Haushaltseckwerten 11,6 Milliarden Euro für die sogenannte Ertüchtigung, überwiegend für die Ukraine.

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Foto: Auterion

Ukraine-Unterstützung als Teil der eigenen Sicherheitsvorsorge

Die Bundesregierung betrachtet die Unterstützung der Ukraine als Teil der eigenen Sicherheitsvorsorge gegenüber Russland. Neben direkten Waffenlieferungen setzt Deutschland dabei zunehmend auf gemeinsame Rüstungsproduktion: In deutsch-ukrainischen Joint Ventures wie Auterion Airlogix werden Drohnen in Deutschland gefertigt, die ukrainische Einsatzerfahrung mit deutscher Industriekapazität verbinden. Beide Seiten profitieren, denn die Ukraine erhält Nachschub in großer Stückzahl, während Bundeswehr und NATO-Partner Zugang zu erprobter Technologie gewinnen.

Hohes Vertrauen in die deutschen Streitkräfte

In der Bevölkerung genießt die Bundeswehr hohes Ansehen. 87 Prozent der Befragten vertrauen ihr, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Unter den abgefragten Institutionen liegt sie damit zum fünften Mal in Folge an zweiter Stelle hinter der Polizei. Eine positive Einstellung zur Bundeswehr äußern 84 Prozent, ein Wert, der seit einem Vierteljahrhundert nie unter drei Vierteln lag. Eine verbreitete kritische Haltung gegenüber den Streitkräften lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Breite Zustimmung zur Landes- und Bündnisverteidigung

Besonders deutlich fällt die Zustimmung zum Kernauftrag aus: 94 Prozent befürworten die Abwehr eines Angriffs auf Deutschland als Aufgabe der Bundeswehr (plus acht Punkte), 79 Prozent den Beistand für angegriffene Verbündete (plus vier Punkte). 76 Prozent halten die NATO-Mitgliedschaft für notwendig. Für höhere Verteidigungsausgaben sprechen sich 58 Prozent aus, für mehr Personal 64 Prozent. Der Forschungsbericht wertet die Forderung nach einer Stärkung der Bundeswehr als gesellschaftsübergreifenden Konsens.

Vertrauen in Institutionen im Vergleich

Die Bundeswehr gehört zu den wenigen Institutionen, die gegenüber dem Vorjahr an Vertrauen gewonnen haben. Bei den meisten anderen ging es zurück, am stärksten bei der Bundesregierung, der noch 50 Prozent vertrauen (minus elf Punkte), und bei den politischen Parteien mit 44 Prozent (minus neun Punkte). Deutlich gesunken ist auch das Vertrauen in die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung, jeweils um sieben Punkte auf 64 beziehungsweise 73 Prozent. Die Streitkräfte liegen damit fast 40 Prozentpunkte vor der Bundesregierung, die sie politisch führt.

Der neue Wehrdienst gewinnt an Akzeptanz

Auch der seit Januar geltende Neue Wehrdienst findet wachsenden Zuspruch. 59 Prozent halten ihn für notwendig, sechs Prozentpunkte mehr als 2025. Unter den 16- bis 29-Jährigen stieg die Zustimmung bei Männern auf 50 und bei Frauen auf 40 Prozent. Ein mittleres bis starkes Interesse am freiwilligen Dienst äußern in dieser Altersgruppe 34 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen ohne militärische Erfahrung.

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Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Grundlage ist das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das der Bundestag am 5. Dezember 2025 mit 323 zu 272 Stimmen beschlossen hat. Seit Anfang Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen zu Eignung und Motivation; für Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für Frauen freiwillig. Der Personalaufwuchs soll möglichst auf freiwilliger Basis erreicht werden. Die verpflichtende Musterung des Jahrgangs 2008 soll ab dem 1. Juli 2027 flächendeckend beginnen. Nach jüngsten Angaben des BMVg wurden bis Ende August mehr als 451.400 Fragebögen verschickt; geantwortet haben rund 96 Prozent der Männer und rund 3,5 Prozent der Frauen und Personen anderen Geschlechts.

Zurückhaltung jenseits der Bündnisverteidigung

Hinter der breiten Zustimmung zur Verteidigung des eigenen Landes und der Verbündeten steht eine wachsende Zurückhaltung beim Engagement darüber hinaus. Zwar befürwortet mit 51 Prozent weiterhin eine Mehrheit eine aktive deutsche Außenpolitik, doch das sind sieben Punkte weniger als im Vorjahr. Auch die Unterstützung für nahezu alle außenpolitischen Instrumente und für Auslandseinsätze ist gesunken. Pazifistische, isolationistische oder militaristische Positionen vertreten dabei jeweils nur Minderheiten. Die Studie spricht von einer wachsenden Lücke zwischen dem Bekenntnis zu internationaler Verantwortung und der Unterstützung konkreter militärischer Beiträge in EU, NATO und Vereinten Nationen. Den Einsatz militärischer Gewalt zur Verteidigung eines von Russland angegriffenen östlichen NATO-Staates befürworten 55 Prozent, 26 Prozent sind unentschieden, 14 Prozent lehnen ihn ab.

Die persönliche Verteidigungsbereitschaft

Wie weit die Bereitschaft im Ernstfall reicht, wurde in diesem Jahr erstmals umfassend abgefragt. 49 Prozent können sich ein Engagement im Zivilschutz vorstellen, 44 Prozent im Rettungsdienst oder medizinischen Bereich, 28 Prozent einen Wechsel an einen verteidigungsrelevanten Arbeitsplatz. Zur Verteidigung mit der Waffe wären 53 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen grundsätzlich bereit. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen entspricht dies hochgerechnet rund fünf Millionen Männern und knapp zwei Millionen Frauen. Eine Tätigkeit als Soldat kann sich jeder fünfte junge Mann zwischen 16 und 29 Jahren vorstellen, bei den jungen Frauen sind es fünf Prozent.

Fazit

Die Bevölkerung nimmt Russland mehrheitlich als Bedrohung wahr und trägt die Stärkung der Bundeswehr mit. Der Rückhalt für Landes- und Bündnisverteidigung, höhere Ausgaben und den Neuen Wehrdienst ist gewachsen, das Vertrauen in die Streitkräfte liegt deutlich über dem in die Bundesregierung. Zugleich sinkt die Zustimmung zu militärischem Engagement jenseits der Bündnisverteidigung. Studienautor Graf sieht die Aufgabe der Bundeswehr darin, das vorhandene Potenzial in der Bevölkerung rasch und dauerhaft für die Verteidigungsfähigkeit zu nutzen.

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