Castelion sammelt eine Milliarde US-Dollar für Serienfertigung von Hyperschallflugkörpern ein

Das US-Rüstungsunternehmen Castelion hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über rund eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen. Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Produktion des Hyperschallflugkörpers Blackbeard fließen.
Foto: DVIDS

Das US-Rüstungsunternehmen Castelion hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über rund eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen. Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Produktion des Hyperschallflugkörpers Blackbeard fließen.

Kapitalstruktur und Bewertung

Castelion mit Sitz im kalifornischen Torrance teilte am 19. August 2026 mit, eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen zu haben. Sie setzt sich nach Unternehmensangaben aus 800 Millionen US-Dollar Eigenkapital und einer zugesagten revolvierenden Kreditlinie über 250 Millionen US-Dollar zusammen. Die Bewertung des Unternehmens liegt damit bei 13 Milliarden US-Dollar.

Die Eigenkapitalfinanzierung wurde gemeinsam von der Strategic Investment Group von JPMorganChase, dem Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz und Fonds der Investmentgesellschaft Carlyle angeführt. Beteiligt waren zudem Lightspeed Venture Partners, Lavrock Ventures, Altimeter, General Catalyst und Interlagos sowie erstmals ein von T. Rowe Price Associates beratenes Konto. Mehrere dieser Investoren waren bereits in früheren Runden engagiert; die Series B über 350 Millionen US-Dollar hatte Castelion im Dezember 2025 abgeschlossen.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Verwendung der Mittel

Das Unternehmen nennt drei Schwerpunkte. Erstens soll die Fertigungskapazität am Standort Project Ranger im Sandoval County im US-Bundesstaat New Mexico deutlich ausgebaut werden. Der rund 400 Hektar große Campus wurde im Januar 2026 begonnen; Castelion hatte dort bereits mehr als 250 Millionen US-Dollar an Eigenmitteln investiert und kündigt nun weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe an.

Zweitens beschleunigt das Unternehmen die Entwicklung eines Präzisionsflugkörpers mit deutlich größerer Reichweite, der auf Technologien, Komponenten und Fertigungsverfahren von Blackbeard aufbaut. Ziel ist nach Firmenangaben eine kostengünstigere Ergänzung zu den bisherigen, technisch aufwendigen Systemen, die in größerer Stückzahl beschafft werden kann.

Drittens arbeitet Castelion an defensiven Systemen für die Luft- und Raketenabwehr, bei denen ebenfalls niedrigere Stückkosten und höhere Produktionsraten im Vordergrund stehen sollen.

Firmenchef Bryon Hargis begründet die Ausrichtung mit dem Konzept konventioneller Abschreckung: Waffensysteme müssten in Stückzahlen und zu Preisen verfügbar sein, die sowohl militärisch als auch haushaltspolitisch tragfähig seien. Vertreter der beteiligten Investoren verweisen darauf, dass das Unternehmen innerhalb weniger Jahre von der Entwicklung zur Fertigung übergegangen sei.

Einordnung: Programmstand Blackbeard

Castelion wurde Ende 2022 gegründet und hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 18 Monaten US-Militäraufträge im Volumen von mehr als 500 Millionen US-Dollar erhalten. Blackbeard erreichte den Status eines Beschaffungsprogramms in weniger als vier Jahren; die Einführung ist für 2027 vorgesehen.

Im Juni 2026 erteilte die US Navy einen Festpreisauftrag über 23,4 Millionen US-Dollar für 50 Vorserienmuster einer frühen Einsatzfähigkeit samt Transport- und Lagerbehältern. Zuvor hatte das Unternehmen Aufträge zur Integration des Flugkörpers auf Plattformen von Heer und Marine erhalten, darunter die Anpassung an die F/A-18.

Für das US-Heer ist Blackbeard in den Haushaltsunterlagen für das Fiskaljahr 2026 als Erprobungsträger für die Variante HX3 des Precision Strike Missile (PrSM) vorgesehen. Nach Darstellung der Teilstreitkraft soll die bodengestützte Version etwa 80 Prozent der Fähigkeiten von PrSM Increment 4 zu deutlich geringeren Kosten erreichen; sie sei kein Ersatz für die Long Range Hypersonic Weapon, da sie deren Geschwindigkeit und Reichweite nicht erreiche. Zum Vergleich: Für PrSM Increment 1 zahlt das Heer laut Haushaltsunterlagen rund 1,6 Millionen US-Dollar je Flugkörper.

Hintergrund Hyperschallwaffen

Als Hyperschallwaffen gelten manövrierfähige Flugkörper mit Geschwindigkeiten ab Mach 5. Der Wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses unterscheidet zwischen Hyperschall-Gleitflugkörpern, die von einer Rakete beschleunigt werden und anschließend gleiten, und mit Staustrahltriebwerken angetriebenen Marschflugkörpern. Der entscheidende Unterschied zu ballistischen Systemen liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Fähigkeit, die Flugbahn nach der Trennung vom Booster zu verändern, was Aufklärung und Abwehr erschwert.

Der Haushaltsantrag des US-Verteidigungsministeriums für Hyperschallforschung lag im Fiskaljahr 2026 bei 3,9 Milliarden US-Dollar nach 6,9 Milliarden im Vorjahr. Anbieter wie Castelion positionieren sich in diesem Umfeld über niedrige Stückkosten und hohe Fertigungsraten, während etablierte Hersteller wie Lockheed Martin ebenfalls an günstiger produzierbaren Gleitflugkörpern arbeiten.

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share