Der Rüstungskonzern Diehl Defence hat am 29. Juli 2026 am bayerischen Standort Röthenbach an der Pegnitz ein neues Fertigungsgebäude seiner Tochter Diehl Energy Products eröffnet. Der als „Batterie-Tech-Hub“ bezeichnete Neubau soll die Produktion von Spezialbatterien für Flugkörper, Zünder und Abwehrsysteme ausweiten.
Neubau mit rund 10.700 Quadratmetern Fläche
Diehl Energy Products (DEP), seit 2021 eine vollständige Tochtergesellschaft von Diehl Defence, hat den Neubau am Standort Röthenbach in Betrieb genommen. Das Gebäude umfasst nach Unternehmensangaben rund 7.000 Quadratmeter für Fertigung, Entwicklung und Logistik sowie etwa 3.700 Quadratmeter Bürofläche und bietet Platz für mehr als 180 Beschäftigte. An der Einweihungsfeier nahm unter anderem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann teil, daneben Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Bundeswehr und Diehl-Konzern.

Der Grundstein war im Februar 2024 gelegt worden. Die ursprüngliche Planung fiel dabei kleiner aus als das nun fertiggestellte Projekt: In einer Mitteilung des Unternehmens aus dem Jahr 2024 war noch von Platz für 120 DEP-Beschäftigte die Rede. Nach Darstellung des Unternehmens stieg die weltweite Nachfrage nach Spezialbatterien schneller als bei Planungsbeginn erwartet, weshalb parallel zum Hauptgebäude eine zusätzliche Erweiterungsfläche entstand. Die Kapazitäten für Zünder- und Thermalbatterien seien dadurch bereits während der Bauphase deutlich ausgeweitet worden.
DEP fertigt in Röthenbach Zünder- und Thermalbatterien sowie Batteriepacks für wehrtechnische und industrielle Abnehmer. Thermalbatterien werden thermisch aktiviert, entladen sich während der Lagerung praktisch nicht und liefern nach der Aktivierung kurzfristig hohe Leistung – Eigenschaften, die sie für Munition und Lenkflugkörper mit langen Lagerzeiten geeignet machen.
Landesgesetz beschleunigte das Genehmigungsverfahren
Diehl-Defence-CEO Helmut Rauch bezeichnete Spezialbatterien bei der Einweihung als Schlüsselkomponente der Luftverteidigungssysteme und Munition des Unternehmens und dankte der bayerischen Staatsregierung für ihre Unterstützung. Als Faktor für die zügige Umsetzung nennt das Unternehmen das bayerische Gesetz zur Förderung der Verteidigungsindustrie, das den Bau durch erleichterte Genehmigungsverfahren ermöglicht habe.
Das Gesetz wurde am 23. April 2026 ausgefertigt und trat zum 1. Mai 2026 in Kraft; es schafft vergabe-, bau- und förderrechtliche Erleichterungen für verteidigungsrelevante Vorhaben. Der Ministerrat hatte den Entwurf im Oktober 2025 als Kernstück eines Pakets zur Stärkung der Landesverteidigung beschlossen; bereits 2024 hatte Bayern als erstes Bundesland ein Gesetz zur Förderung der Bundeswehr erlassen. Zu den Regelungen zählen unter anderem Abweichungsmöglichkeiten im Bauordnungsrecht sowie eine normativ festgeschriebene Priorisierung von Bauverfahren für die Verteidigungsindustrie.
Bei den ökologischen Vorgaben verweist Diehl auf Wärmepumpen für Heizung und Kühlung sowie eine geplante Photovoltaikanlage. Als Ausgleichsmaßnahmen wurden nach Unternehmensangaben Aufforstungen sowie Habitate für Zauneidechsen und Nistkästen für Fledermäuse und Vögel angelegt.
Teil eines konzernweiten Investitionsprogramms
Der Neubau in Röthenbach ist Teil eines Investitionsprogramms von rund 1,5 Milliarden Euro, mit dem Diehl Defence sämtliche Standorte ausbaut. Nach Angaben des Konzerns soll die Summe zwischen 2023 und 2029 in den Ausbau der Rüstungstochter fließen. Im Januar 2026 hatte das Unternehmen bereits ein Flugkörperintegrationszentrum im saarländischen Nonnweiler in Betrieb genommen, das zunächst der Integration von Lenkflugkörpern der IRIS-T-Familie dient.
Diehl Defence beschäftigt derzeit etwa 6.000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden Euro. Im November 2025 hatte das Unternehmen angekündigt, bis 2030 rund 2.000 zusätzliche Stellen in Deutschland zu schaffen; seit 2022 hat sich die Beschäftigtenzahl demnach verdoppelt. Im Diehl-Konzern entfallen inzwischen etwa 40 Prozent des Umsatzes von 5,4 Milliarden Euro auf das Rüstungsgeschäft.
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