TKMS meldet Rekord-Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro

Der Kieler Marineschiffbauer TKMS hat im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres 2025/26 Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Das Auftragsbuch erreichte erstmals einen Wert von über 20 Milliarden Euro.
Foto: TKMS

Der Kieler Marineschiffbauer TKMS hat im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres 2025/26 Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Das Auftragsbuch erreichte erstmals einen Wert von über 20 Milliarden Euro.

Die TKMS AG & Co. KGaA, im Oktober 2025 als eigenständiges Unternehmen aus dem Thyssenkrupp-Konzern abgespalten und an die Frankfurter Börse gebracht, hat im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 nach eigenen Angaben sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis zugelegt. Der Auftragsbestand des Konzerns lag zum Stichtag 31. März bei rund 20,6 Milliarden Euro, gegenüber 18,2 Milliarden Euro Ende September 2025.

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Wachstum bei Umsatz und Ergebnis

Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 1.168 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich leicht von 5,0 auf 5,1 Prozent. Als Treiber nannte das Unternehmen Fortschritte im Neubaugeschäft, einen wachsenden Anteil margenstärkerer Projekte im Segment Submarines sowie die positive Entwicklung der Marineelektroniksparte Atlas Electronics.

Der Free Cashflow ging planmäßig auf minus 72 Millionen Euro zurück. Der hohe Vergleichswert des Vorjahres von 756 Millionen Euro war maßgeblich von Kunden-Vorauszahlungen aus dem Großauftrag für das U-Boot-Programm 212CD Ende 2024 geprägt.

Der Auftragseingang belief sich auf 3,4 Milliarden Euro – ein im Jahresvergleich rückläufiger Wert, der jedoch über einen längeren Zeitraum betrachtet weiterhin auf hohem Niveau liegt. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, die sogenannte Book-to-Bill-Ratio, betrug rund 3.

Großaufträge im U-Boot-Programm

Zu den wichtigsten Neuaufträgen zählt die Bestellung Norwegens über zwei zusätzliche U-Boote der Klasse 212CD. Damit erhöht sich die Zahl der für die norwegische Marine vorgesehenen Boote von vier auf sechs. Auch Deutschland hat seine Bestellung im 212CD-Programm zwischenzeitlich auf sechs Einheiten aufgestockt. Das gemeinsame deutsch-norwegische Programm gilt als eines der größten europäischen Rüstungsvorhaben im Unterwasserbereich. Hinzu kam im Berichtszeitraum der nach Unternehmensangaben größte Torpedo-Auftrag der Konzerngeschichte: ein Rahmenvertrag mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) über Schwergewichtstorpedos für die 212CD-Boote.

Entwicklung in den Segmenten

Im Segment Submarines ging der Umsatz leicht auf 601 Millionen Euro zurück, das bereinigte EBIT stieg jedoch deutlich von 2 auf 21 Millionen Euro – nach Unternehmensangaben durch zunehmende Beiträge aus Neubauprojekten bei gleichzeitig abnehmenden Belastungen aus älteren Verträgen.

Das Segment Surface Vessels steigerte den Umsatz auf 277 Millionen Euro, vor allem durch Fortschritte beim Bau der Fregatten der Tamandaré-Klasse für Brasilien und des Forschungsschiffs Polarstern für das Alfred-Wegener-Institut. Das bereinigte EBIT sank hier auf 18 Millionen Euro, was unter anderem auf gestiegene Personal- und Vertriebskosten zurückgeführt wird.

Atlas Electronics legte beim Umsatz auf 376 Millionen Euro und beim bereinigten EBIT auf 41 Millionen Euro zu.

Laufende Vertriebskampagnen

TKMS verwies auf mehrere laufende Beschaffungsverfahren: Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte im März die Verlängerung des Vorvertrags für vier Fregatten der MEKO A-200-Klasse für die Deutsche Marine. Für die Luftverteidigungsfregatte F127 ist ein TKMS-geführtes Konsortium nach Unternehmensangaben alleiniger Bieter. Im Rahmen des kanadischen U-Boot-Beschaffungsprogramms wurde gemeinsam mit Deutschland und Norwegen ein unverbindliches Angebot für bis zu zwölf Boote eingereicht. Mit Indien laufen finale Vertragsverhandlungen über sechs U-Boote.

Nach Ablauf des Berichtszeitraums unterzeichnete TKMS im April eine Absichtserklärung mit dem brasilianischen Verteidigungsministerium über vier weitere Fregatten der Tamandaré-Klasse sowie eine unverbindliche Absichtserklärung mit dem spanischen Werftkonzern Navantia. Die Gespräche über eine mögliche Übernahme der German Naval Yards Kiel werden den Angaben zufolge weiter geführt.

Marktumfeld

Hintergrund des starken Auftragsbestands sind die deutlich steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. Die NATO-Mitglieder hatten sich auf ihrem Gipfel im Juni 2025 in Den Haag verpflichtet, die direkten Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben, ergänzt um 1,5 Prozent für sicherheitsrelevante Investitionen. Der deutsche Verteidigungsetat soll dem Bundesverteidigungsministerium zufolge bereits 2029 die 3,5-Prozent-Marke erreichen; für das Jahr 2026 sind im Einzelplan 14 zusammen mit dem Sondervermögen Bundeswehr mehr als 108 Milliarden Euro vorgesehen.

Prognose bestätigt

Für das Gesamtjahr 2025/26 bestätigte TKMS die im ersten Quartal angehobene Prognose: ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie eine bereinigte EBIT-Marge von über sechs Prozent. Mittelfristig strebt das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von rund zehn Prozent und eine bereinigte EBIT-Marge von über sieben Prozent an. Im April wurde zudem Andreas Görgen als zusätzliches Vorstandsmitglied bestellt, das sich unter anderem um die Abarbeitung des Orderbuchs und neue internationale Partnerschaften kümmern soll.

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