Das Münchner Verteidigungsunternehmen Helsing baut seinen ersten Produktionsstandort in den Vereinigten Staaten auf. In Berkeley County soll künftig die KI-gestützte Angriffsdrohne HX-2 gefertigt werden – wenige Stunden nach dem Abschluss einer Milliardenfinanzierung.
Produktionsstart im Eastern Panhandle
Helsing hat am 14. Juli 2026 bekanntgegeben, dass West Virginia zum ersten amerikanischen Produktionsstandort des Unternehmens wird. Die Ankündigung erfolgte gemeinsam mit dem Gouverneur des Bundesstaates, Patrick Morrisey. Die Anlage ist Teil des unternehmenseigenen Netzwerks sogenannter Resilience Factories und soll die HX-2 fertigen, eine KI-gestützte Strike-Drohne.

Nach Angaben der Landesregierung entsteht die Fabrik in Martinsburg im Bezirk Berkeley County. Helsing investiert zunächst 50 Millionen US-Dollar und will mindestens 60 hochqualifizierte Vollzeitstellen mit einem Durchschnittsgehalt von 125.000 US-Dollar schaffen. Bei vollem Betrieb soll der Standort mehr als 2.000 HX-2-Drohnen pro Monat herstellen können; eine weitere Ausweitung der Kapazität schließt das Unternehmen nicht aus.
Die Standortwahl folgte auf eine bundesweite Evaluierung mehrerer Alternativen. Helsing nennt als ausschlaggebende Faktoren die industrielle Tradition des Bundesstaates, verfügbare Fachkräfte und dessen Engagement für den Wiederaufbau amerikanischer Fertigungskapazitäten. West Virginia hatte im Auswahlprozess unter anderem maßgeschneiderte Qualifizierungsprogramme, die Anbindung an die Ostküsten-Logistik sowie eine planbare Grundlaststromversorgung angeboten; über die Initiative West Virginia Advance und das Blue Ridge Community and Technical College entstand ein eigenes Trainingsprogramm für die Fertigung.
Gouverneur Morrisey ordnet die Ansiedlung als Beleg dafür ein, dass sich sein Bundesstaat als Standort für fortschrittliche Fertigung und Verteidigungstechnologie etabliere, und verweist auf Arbeitskräfte, Energieressourcen und industrielle Erfahrung. Jennifer McArdle, General Manager von Helsing US, betont, moderne Abschreckung hänge nicht allein von der Technologie ab, sondern von der industriellen Fähigkeit, sie schnell und in hoher Stückzahl zu produzieren.
Die HX-2 und das Fabrikkonzept
Die HX-2 ist eine elektrisch angetriebene Loitering Munition, die von Beginn an für die Serienfertigung ausgelegt wurde. Das System erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 250 km/h, kann bis zu fünf Kilogramm Wirkladung tragen und hat eine Reichweite von etwa 100 Kilometern. Die Steuerung erfolgt über die Aufklärungs- und Wirksoftware Altra, die mehrere Drohnen zu Schwärmen zusammenfassen kann; Navigation und Zielansteuerung funktionieren mithilfe von KI und hinterlegten Kartendaten auch ohne GPS-Signal.
Das System ist bereits in der Ukraine im Einsatz, wo nach Unternehmensangaben Tausende Exemplare an der Front verwendet werden. Verbündete Streitkräfte haben die Plattform zudem getestet, darunter die US Army im vergangenen Monat bei der Übung Flytrap in Litauen.
Das Konzept der Resilience Factories sieht dezentrale, schnell errichtbare Fertigungsanlagen vor, die auf lokale Lieferketten und Arbeitskräfte zurückgreifen. Die erste dieser Fabriken (RF-1) wurde im Dezember 2024 in Süddeutschland fertiggestellt und war anfangs auf mehr als 1.000 HX-2 pro Monat ausgelegt. Ein weiterer Standort entstand im britischen Plymouth, der zwischen Ankündigung im Juli 2025 und Inbetriebnahme im November 2025 rund vier Monate benötigte. Der Standort in West Virginia ist die erste Anlage dieses Typs außerhalb Europas.
Expansion nach Milliardenfinanzierung
Die Ankündigung fällt zeitlich unmittelbar mit dem Abschluss einer großen Kapitalrunde zusammen. Helsing hatte am 13. Juli den Abschluss einer Series-E-Runde über 1,8 Milliarden US-Dollar mitgeteilt; die Bewertung des Unternehmens stieg damit auf 18 Milliarden US-Dollar. Beteiligt waren unter anderem Dragoneer, Lightspeed Venture Partners, Iconiq, Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase, CPP Investments und General Catalyst; das Unternehmen betont, mehrheitlich in europäischem Besitz zu bleiben.
Helsing wurde 2021 in München von Torsten Reil, Gundbert Scherf und Niklas Köhler gegründet und begann als Softwareunternehmen, bevor es 2024 mit der HX-2 in die Fertigung eigener Systeme einstieg. Nach eigenen Angaben liefert das Unternehmen ausschließlich an demokratische Regierungen. Mit dem Schritt nach West Virginia weitet Helsing seine Präsenz erstmals substanziell auf den US-Markt aus, auf dem etablierte Anbieter und Wettbewerber wie Anduril bereits mit deutlich größeren Kapitalvolumina agieren.
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